48-Jähriger muss sich vor dem Marburger Landgericht verantworten

Prozessauftakt: Vater bestreitet Kindesmissbrauch und Schläge

MARBURG. Der Angeklagte schildert sich als fürsorglichen Familienvater. Die Staatsanwaltschaft berichtet von einem Mann, der eine „Art Terrorregiment“ in seiner Familie geführt hat. Seit Donnerstag muss sich ein 48-jähriger Familienvater vor dem Landgericht Marburg verantworten, weil er seine sieben Kinder jahrelang gequält haben soll. Dem Arbeitslosen werden Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, schwere Körperverletzung und Misshandlung vorgeworfen.

„Sehr aggressiv“ sei der Mann, vor dem die gesamte Familie große Angst gehabt habe, sagte Oberstaatsanwalt Hans Jörg zum Prozessauftakt. Insgesamt neun Jahre lang soll er sechs seiner Kinder regelmäßig geschlagen, bedroht und erniedrigt haben. Verabredungen mit Freunden, Ausflüge oder Kino verbot er ihnen, so die Darstellung der Anklage. Stattdessen schlug er etwa den ältesten Sohn so heftig, dass dabei auch einmal ein Wohnzimmertisch zerbrach. Die Kinder fielen in der Schule durch Hämatome auf.

Besonders schlimm traf es nach dieser Darstellung die älteste Tochter und ein Nachbarsmädchen, das er im Alter von 14 Jahren vergewaltigte. Der ältesten Tochter soll er gedroht haben, sie umzubringen, wenn das Schulzeugnis nicht besser werde. Aus diesem Grund soll er die damals 14-Jährige auch immer wieder vergewaltigt und zum Sex mit Mutter und Tante gezwungen haben. Obwohl sie vor Schmerzen schrie, soll er nicht von ihr abgelassen haben. Als ihre Periode ausblieb, fürchtete sie, von ihrem Vater schwanger zu sein.

Heute ist sie so schwer traumatisiert, dass sie keine Berührungen ertragen und nicht vor Gericht aussagen kann. Auch die übrigen Geschwister sind verhaltensauffällig. Die vier bis 16 Jahre alten Heranwachsenden leben heute zum Teil in der Psychiatrie, zum Teil in Pflegefamilien.

Vor dem Landgericht räumte der Familienvater nur eine Tat ein: Er habe seine Töchter einmal mit dem Kopf in den Nudeltopf gedrückt, weil ihm „der Kragen geplatzt“ sei. Ansonsten behauptete er, seine Kinder weder sexuell missbraucht noch geschlagen zu haben: „Wir haben die Kinder immer sehr verwöhnt. Ich habe jeden Tag gekocht und gebacken“, sagte er in seiner Verteidigungsrede. Darin behauptet er, dass die Tochter bereits mit blauen Flecken aus der Schule gekommen sei, dass sich die Geschwister untereinander geschlagen hätten und sich die Kinder selbst am Sex-Spielzeug der Eltern vergriffen hätten.

Der Fall flog im Sommer 2009 auf, nachdem sich die älteste Tochter und eine weitere Schwester in der Schule offenbarten. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt. Insgesamt sind sechs Verhandlungstage bis zum 26. Mai angesetzt. Auf die Ehefrau kommt ein eigenes Strafverfahren zu.

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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