Archehof Rengershausen nutzt Wolle der Ouessantschafe

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Schwarze Schafe: Ouessantschafe, hier Tiere aus dem Rengershäuser Pfarrgarten, wurden in früherer Zeit wegen ihrer schwarzen Wolle geschätzt, die man auch zur Trauerkleidung verarbeitete. Die Zwergschafe sind kleiner als die Brennnesseln nebenan.

Rengershausen. Ihre Wolle ist schwarz und wurde früher für Trauerkleidung genutzt. Nun hat der Arche-Hof der Zuchtgemeinschaft Hartmut Müller und Uwe Hesse in Rengershausen eine neue Verwendung für die Wolle der Ouessantschafe gefunden.

Die schwarze Wolle der Zwergschafrasse wird mit der hellen Wolle von Kärntner Brillenschafen vermischt, und daraus stellt die Hallenberger Traditionsspinnerei Dickel Pullover und andere Strickartikel her. Der Archehof erweitert damit die Palette seiner Produkte aus naturnaher Landwirtschaft.

Seit zwei Jahren weiden Ouessantschafe im Rengershausener Pfarrgarten. Pfarrer Uwe Hesse freut sich, dass zum einen der Pfarrgarten von der Zwergschafrasse beweidet wird und dass obendrein feine Wolle gewonnen werden kann. Schließlich ist Hesse Anhänger der Archehof-Bewegung. „Gerade diese historischen Schafrassen, die wegen ihrer geringen wirtschaftlichen Bedeutung schon dem Untergang geweiht schienen, erweisen sich als nützlich“, sagte er.

Bedrohte Rassen retten

Durch das Engagement der Gesellschaft zur Erhaltung alter und bedrohter Haustierrassen (GEH) können alte Rassen vor ihrem endgültigen Erlöschen bewahrt und ihr Fortbestand für künftige Generationen gesichert werden. „Ohne diese Vielgestaltigkeit in der landwirtschaftlichen Tierzucht wäre unsere Kulturlandschaft um vieles ärmer“, erklärt Hesse, der auch Umweltpfarrer der Evangelischen Landeskirche ist.

Die Idee einer Verspinnung der Wolle kam den Archehofbetreibern aufgrund der räumlichen Nähe der Hallenberger Spinnerei. Die Wollspinnerei Dickel liegt direkt an der Nuhne, kurz vor der Einfahrt nach Hallenberg aus Richtung Somplar. Wasserkraft liefert den Strom für Motoren und Laufwerke.

Laut Inhaber Klaus Dickel gibt es in ganz Deutschland nur noch einen zweiten Betrieb dieser Art. Die Wollspinnerei bietet die Möglichkeit, auch kleinere Mengen Wolle verspinnen zu lassen, was Kunden im In- und Ausland zu schätzen wüssten.

Mit der Qualität der versponnenen Wollfasern aus Rengershausen ist Diplom-Ingenieur Klaus Dickel sehr zufrieden. Der Textilfachmann verarbeitet Edelhaare sorgfältig nach individuellen Kundenwünschen, und die Produkte seiner Handwerkskunst werden auch im europäischen Ausland geschätzt. So kommen Kunden aus Frankreich, Holland, der Schweiz, aus Österreich, Norwegen und Italien, um ihre Wolle in Hallenberg verspinnen zu lassen.

Auch Alpaka und Angora

Neben Schafwolle wird auch Alpakawolle und das feine Haar von Angorakaninchen und Angoraziegen verarbeitet. Sogar ein Posten Moschusochsenwolle, die im Rohzustand pro Kilo bereits 250 bis 300 Euro kostet, wurde versponnen. Sie wurde von Grönland an einen Schweizer Produzenten geliefert und zur weiteren Verarbeitung nach Hallenberg verbracht.

Von Gerd Faust

Quelle: HNA

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