Rengershäuser Archehof kooperiert mit Hallenberger Wollspinnerei

Ein Pullover aus dem eigenen Garten

Klaus Dickel übergibt die fertigen Stränge der versponnenen Ouessantschafwolle an Corinna Müller vom Archehof Müller/Hesse.

Frankenberg-Rengershausen - Seltene Ouessantschafe weiden seit zwei Jahren im Garten des Rengershäuser Pfarrers Uwe Hesse. Die Wollspinnerei Dickel hat erstmals die schwarze Wolle der vom Aussterben bedrohten Nutztierrasse verarbeitet.

Anfang Mai wurden die im Rengershäuser Pfarrgarten lebenden Ouessantschafe geschoren. Die schwarze Wolle der Zwergschafrasse wurde mit der hellen Wolle von Kärntner Brillenschafen vermischt; daraus ergab sich ein grauer Naturfarbton. Jetzt soll die erstmals regional versponnene Wolle vom Archehof zur Herstellung von Pullovern und anderen Strickartikeln dienen.

Corinna Müller vom Archehof nahm die fertigen 100 Gramm schweren Wollstränge in der Hallenberger Traditionsspinnerei Dickel entgegen. Damit erweitert der Archehof „Nummer 78“ die Palette seiner Produkte aus naturnaher Landwirtschaft.

Rengershausens Pfarrer Uwe Hesse freut sich darüber, dass durch diese Form der Nutzung nicht nur „sein“ Pfarrgarten beweidet, sondern auch noch feine Wolle gewonnen wird - von alten Schafrassen, die wegen ihrer geringen wirtschaftlichen Bedeutung vom Aussterben bedroht sind. Durch die Archehof-Bewegung der Gesellschaft zur Erhaltung alter und bedrohter Haustierrassen (GEH) konnten solche Landschläge kurz vor ihrem endgültigen Erlöschen bewahrt und ihr Fortbestand für künftige Generationen gesichert werden. „Ohne diese Vielgestaltigkeit in der landwirtschaftlichen Tierzucht wäre unsere Kulturlandschaft um vieles ärmer“, erklärt Hesse, der gleichzeitig Umweltpfarrer der Evangelischen Landeskirche ist.

Wolle von Kaninchen

Die Idee einer Verspinnung der eigenen Wolle kam den Archehofbetreibern aufgrund der räumlichen Nähe der Hallenberger Spinnerei; vom Frankenberger Stadtteil Rengershausen sind es gerade einmal fünf Minuten Fahrt mit dem Auto, um dorthin zu gelangen.

Dabei verarbeitet das Unternehmen nicht nur Wolle von seltenen Schafrassen und südamerikanischen Kamelen (Alpaka), sondern ist selber schon eine Besonderheit und beinahe einzigartig in der Republik. Es gebe landesweit derzeit nur noch einen Mitbewerber, betont Inhaber Klaus Dickel. In solchen Kleinspinnereien bietet sich die Möglichkeit, auch kleinere Mengen Wolle verspinnen zu lassen, was Kunden im In- und Ausland zu schätzen wissen.

In früherer Zeit war die Schurwolle ein wichtiges landwirtschaftliches Produkt, das oft der eigenen Fertigung von Kleidung diente.

Die Wolle der Ouessantschafe, die seit zwei Jahren in Rengershausen weiden, war ursprünglich immer schwarz und diente der Fertigung von Trauerkleidung. Mit der Qualität der gerade versponnenen Wollfasern aus Rengershausen ist Diplom-Ingenieur Klaus Dickel sehr zufrieden.

Kunden aus ganz Europa

Der Textilfachmann verarbeitet Edelhaare sorgfältig nach individuellen Kundenwünschen. Und die Produkte seiner Handwerkskunst werden auch im europäischen Ausland geschätzt. So kommen Kunden aus Frankreich, Holland, der Schweiz, aus Österreich, Norwegen und Italien, um ihre Wolle in Hallenberg verspinnen zu lassen.

Außer der üblichen Schafwolle und neuerdings der Alpakawolle wird auch das feine Haar von Angorakaninchen und Angoraziegen verarbeitet. Sogar ein kleiner Posten Moschusochsenwolle, die im Rohzustand pro Kilo bereits 250 bis 300 Euro kostet, wird derzeit versponnen. Sie wurde von grönländischen Eskimos an einen Schweizer Produzenten geliefert und zur weiteren Verarbeitung nach Hallenberg verbracht.

Von Gerd Faust

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