Angst um Angehörige in der Türkei

Putschversuch schockte Türkischstämmige in Frankenberg

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Warten auf den Flug in die Türkei: Wie die Menschen auch diesem Foto auf dem Flughafen Düsseldorf waren viele Türkischstämmige aus dem Frankenberger Land zum Ferienstart am Freitag auf dem Weg in die Türkei und warteten entweder in Frankfurt, um losfliegen zu können, oder waren schon in Istanbul angekommen und durften den Flughafen nicht verlassen.

Frankenberg/Allendorf/Eder. Als Riesenschreck haben viele türkischstämmige Menschen im Frankenberger Land den Putschversuch von Teilen des türkischen Militärs erlebt.

Die Frankenberger Familie Korkmaz hat Besuch, sitzt mit Freunden am Tisch, als Ali Korkmaz am Freitag gegen 22 Uhr eine Whats-App-Nachricht aus seiner Heimatstadt Istanbul erhält. Ein Verwandter, der in der Großstadt am Bosporus bei der Polizei arbeitet, teilt mit, dass Militär die Polizisten hindere, die Station zu verlassen. „Wir haben zunächst gedacht, das ist ein Aprilscherz“, schildert der Vorsitzende des Türkisch-Muslimischen Moscheevereins Frankenberg, einer Gemeinde des Islamverband DiTiB, der HNA am Sonntag.

Doch sehr schnell kommt am Freitag die Gewissheit, dass Teile des Militärs tatsächlich einen Putschversuch unternommen haben. Die Familie Korkmaz und ihr Besuch verfolgen die Nachrichten im türkischen Fernsehen, die Handys stehen nicht mehr still. SMS und Whats-App-Nachrichten gehen ein und werden versendet.

Ali Korkmaz ruft seine Eltern an. Sie leben in einem Vorort von Istanbul, an einer Zubringerstraße zum Flughafen. Sie sitzen vorm Fernseher verfolgen die Nachrichten, während am Haus Militärfahrzeuge vorbeifahren. „Sie haben ja schon die Militärputsche 1960, 1971 und 1980 erlebt. Aber jetzt hat niemand mehr mit einem weiteren Putsch gerechnet“, sagt Korkmaz.

Alle sind geschockt, haben Angst um die Angehörigen in der Türkei. „Ich habe auch einen Verwandten beim Militär“, sagt Ali Korkmaz. Dann brechen Internet- und Telefonverbindungen in die Türkei fast komplett ab.

In Frankenberg und Allendorf treffen sich Türkischstämmige in den Moscheen, erörtern die Lage, tauschen Informationen aus. Sie stehen auch in Verbindung mit den Familien, die am Freitagmittag zum Beginn der Sommerferien bereits in den Türkeiurlaub gestartet waren.

Manche sind schon in Istanbul gelandet und dürfen den Flughafen nicht verlassen. Zwölf Stunden harren sie dort auf. Noch länger warten andere am Flughafen in Frankfurt, bis sie losfliegen können. Und auch mit Autos sind schon Familien unterwegs - oder ihr Wagen steht fix und fertig gepackt vor der Tür. „Können wir überhaupt fahren?“, fragen sie sich.

Erleichterung, als die Lage sich in der Türkei am Samstag stabilisiert. Bis zum Sonntagmorgen um 3 Uhr bespricht Ali Korkmaz die Situation mit Gemeindemitgliedern in der Moschee. „Der Schock sitzt tief. Der Putschversuch hat tiefen Wunden hinterlassen“, sagt er am Vormittag der HNA.

Sind die Türkischstämmigen im Frankenberger Land so gespalten, wie die Gesellschaft in der Türkei? Diese und weitere Fragen beantwortet Korkmaz im Interview, das Sie in der Montagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine lesen können.

Alle Infos zum Militärputsch in der Türkei lesen Sie in unserem Newsticker.

Quelle: HNA

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