Louisendorf/Wiesenfeld

Quiche Lorraine und Sekt zum Empfang

- Frankenau-Louisendorf/Burgwald-Wiesenfeld (vk).Gewissensruh, Gottstreu, Kelze, Leckringhausen, Louisendorf, Wiesenfeld: wie Perlen reihen sich die kleinen ehemaligen Franzosenkolonien in Nordhessen am neuen europäischen Kultur-Fernwanderweg „Hugenotten- und Waldenserpfad“ entlang. Die Familie Bellon aus Renningen in Baden-Württemberg will als Erste den Hugenotten-Weg erwandern. Im Altkreis machten die Wanderer Station.

Für Familie Bellon, seit jeher im Urlaub zu Fuß oder per Rad unterwegs, ist die Fernroute eine Herausforderung: Sie möchte sie in den nächsten Jahren bei Wanderungen erkunden und meistert zurzeit die Etappe von Bad Karlshafen bis Marburg. Am Wochenende machte die fünfköpfige Wandergruppe in Louisendorf Station: das Ehepaar Thomas (38 Jahre) und Heidrun Bellon (31), die Kinder Lea Marie (6) und Andrine (18 Monate) sowie Großmutter Thea Müller. In der Schulscheune hießen sie Ortsvorsteherin Inge Seibert, Frankenaus Bürgermeister Björn Brede und Louisendorfer Bürger herzlich willkommen, sie zeigten ihnen das Dorf mit der kleinen Fachwerkkirche und den französischen Hausinschriften. Dann gab es Quiche Lorraine und Lavendelplätzchen, dazu schäumenden Sekt Clairette de Die aus der Partnerstadt. Thomas Bellon ist selbst Waldensernachfahre. Er kannte Bad Karlshafen bereits von seiner Vorstandsarbeit in der Deutschen Waldenservereinigung, und auch auf der Wanderstrecke gab es immer wieder persönliche Kontakte und Begegnungen mit Menschen vor diesem gemeinsamen Erfahrungshintergrund. So stellte sich in der ehemaligen Kolonie Wiesenfeld, die die Gruppe am Dienstag nach einer Zwischenstation in Frankenberg erreichte, heraus, dass die Vorfahren von Thomas Bellon und von Ortsvorsteher Günter Beck aus der gleichen Gegend bei Abriès im Queyras stammen. In der Familie Beck wird sogar noch die Bibel von dort aus dem Jahr 1567 mit vielen Familieneintragungen aufbewahrt. Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch begrüßte im Hugenottenstübchen die erste Wandergruppe auf dem neuen Fernwanderweg und überreichte den Kindern kleine Willkommengeschenke. Regionalmanager Stefan Schulte, der zusammen mit Dr. Renate Buchenauer das Konzept für den Kultur-Wanderweg entwickelt hat, erklärte: „Seit 1998 haben wir als Leader-Region dieses Europa-Projekt auf den Spuren der gemeinsamen Geschichte vorangetrieben, wir freuen uns jetzt über Sie als die ersten Wanderer!“ Dann gab es Backhaus-Brot und eine Erbsensuppe. Als die Bellons durch das Frankenberger Land und den Burgwald wanderten, lag der größte Teil ihrer Strecke bereits hinter ihnen. Dabei stellten sie fest, dass der Fernweg zwar viele landschaftlich und kulturell reizvolle Teilstücke hat, aber immer noch nicht überall mit der blau-weiß-grünen Beschilderung ausgestattet worden ist. Für den Geo-Informatiker Thomas Bellon und die Bauingenieurin Heidrun Bellon, die mehrere Jahre in Norwegen gearbeitet hat, ist aber Orientierung in der Landschaft kein Problem: Während die kleine Andrine im geländegängigen Kinderwagen ihr Schläfchen hält, zeigt am Wagengriff das GPS-Gerät ständig den genauen Standort der Wanderer an. „Sich bei einer Wanderung mit Kindern zu verlaufen, sollte besser nicht vorkommen“, sagt Heidrun Bellon. Sie findet, dass sich sowohl ihr Kleinkind wie auch ihre Schwester Lea Marie auf dieses Wanderleben mit Entdeckerfreuden eingestellt haben. Die Baden-Württemberger zeigten sich begeistert von der herzlichen Aufnahme, die ihr in Hessen entlang des Hugenotten-Pfades in den einzelnen Etappenstationen gewährt wurde. „Es war super, dass wir täglich auf Leute trafen, die in dieses Projekt mit kleinen Museen, Kirchen und Denkmalen so viel Arbeit gesteckt haben“, lobte Heidrun Bellon. Letzte Wanderziele sind für die Bellons in dieser Woche Wollmar, der Christenberg und Schwabendorf, in Marburg endet dann ihre Sommertour auf dem europäischen Fernwanderweg.

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