Hatzfeld

Radeln von Dodenau bis Beddelhausen

- Hatzfeld (gl). Während eines Ortstermins mit Magistrat und Ausschüssen der Stadt Hatzfeld erläuterte Bürgermeister Uwe Ermisch den Baufortschritt des Radweges von Westfalen nach Dodenau.

Der Blick fällt auf die Eder, auf deren Oberfläche die Sonne glitzert. Die Hatzfelder Stadträte, Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses und des Bauausschusses stehen um Bürgermeister Uwe Ermisch versammelt auf der ehemaligen Bahntrasse, die Hatzfeld und das obere Edertal bis 1982, teilweise bis 1993, mit Westfalen verband.Noch besteht der Boden, auf dem die etwa zwei Dutzend Offiziellen dem Bürgermeister zuhören, aus Schotter. „Wir haben hier den glücklichen Fall vorgefunden, dass das Schotterbett der Bahntrasse noch fast vollständig weitergenutzt werden kann“, erläutert Ermisch. Bis zum November sollen die Bauarbeiten an diesem ersten, 8,1 Kilometer langen Bauabschnitt von Beddelhausen nach Holzhausen beendet sein. Bis dahin müssen noch etwa 20 000 Quadratmeter Asphalt gelegt werden – jeder einzelne 250 Kilo schwer. Der Abschnitt war Anfang 2010 ausgeschrieben worden, die Firma Herzog hatte den Zuschlag erhalten. Die Kosten werden auf etwa 940 000 Euro beziffert, der geplante Kostenrahmen von etwas über eine Million Euro wird also voraussichtlich nicht voll ausgeschöpft.

Zu dem kurzfristig anberaumten Ortstermin hatte Uwe Ermisch auch Ralph Urban und Winfried Roolf vom Kasseler Ingenieur-Büro RNT eingeladen, das für den Radwegebau verantwortlich zeichnet. Roolfs Erläuterungen erlauben eine Vorstellung, wie der Radweg in wenigen Monaten aussehen soll: Das 2,5 Meter breite Teerband zieht sich dann entlang der Eder, immer der alten Bahntrasse aus dem frühen 20. Jahrhundert folgend. Diese Fläche von insgesamt 330 000 Quadratmetern, die sich bis in die Gemarkung Battenberg zieht, musste die Stadt Hatzfeld komplett kaufen – für 175 000 Euro. Der Weg führt über 54 Durchlässe und Brückenbauwerke, die im Vorfeld allesamt auf ihren Zustand geprüft wurden – 20 wurden bereits saniert. Rund 600 Meter Geländer sollen in den kommenden Monaten zur Sicherung der Radler und Spaziergänger angebracht werden. Die beiden größten Eisenbahnbrücken gehören zum zweiten Bauabschnitt, der nach Dodenau führt. Ein 34 Meter langes Stahlbauwerk überspannt dort die Eder, eine kürzere Brücke ist vorgebaut. Ermisch erläuterte, dass diese Brücken weiter genutzt werden können: „Die Brücke für den Radweg kann in die bestehende Konstruktion eingehängt werden.“ Winfried Roolf ergänzte, die Statik sei bereits geprüft worden, die zusätzliche Last durch den Radweg und seine Nutzer stelle für die denkmalgeschützten Eisenbahnbrücken kein Problem dar.

Ein anderes „Sonderbauwerk“ im zweiten Bauabschnitt ist ein 300 Meter langer Tunnel auf Reddighäuser Gebiet, der laut Ermisch in „gutem Zustand“ ist und durch den der Radweg führen soll. Die Obere Naturschutzbehörde fordert jedoch, dass dieser Tunnel von November bis April geschlossen wird – da er von Mopsfledermäusen als Überwinterungsquartier genutzt wird. Für diese Zeit steht als Ausweichroute der bisherige Radweg bei Dodenau zur Verfügung. Der im Bau befindliche Weg mit einer Gesamtlänge von etwa zwölf Kilometern soll, sobald er fertiggestellt ist, an den Hessischen Fernradweg R 8 angeschlossen werden, der in Frankenberg beginnt und 310 Kilometer weit bis an die Bergstraße führt. Veranschlagt sind nach Angaben von Bürgermeister Uwe Ermisch Kosten von 2,3 Millionen Euro. Davon würden – zumindest im ersten Bauabschnitt – 70 Prozent vom Land Hessen und 10 Prozent vom Bund getragen, gezahlt in drei Raten. Für den zweiten Abschnitt, dessen Bau im Frühjahr 2011 beginnen soll, geht Ermisch von ähnlichen Zahlen aus. Den Anteil der Stadt Hatzfeld an den Kosten beziffert der Rathauschef auf gut 400 000 Euro, zuzüglich Vorfinanzierung. Bereits in die Kalkulation eingeflossen seien Rastplätze für die Radler an landschaftlich reizvollen Punkten, an denen auch Schutzhütten aufgestellt werden sollen. Günstig auf die Kosten wirke sich aus, dass die Eder die alte Bahntrasse – anders als erwartet – in den Jahren seit der Stilllegung kaum angegriffen habe. „Im Gegenteil, wir mussten sogar eine Gabionenwand einziehen“, erläutert Roolf, also eine Wand zur Absicherung des Hangs oberhalb des Radweges. Auch eine Stützwand zur Landesstraße sei nötig gewesen. Ende November soll der erste Bauabschnitt bereits fertig sein. Vom Bad Berleburger Stadtteil Beddelhausen ausgehend können Radfahrer dann entlang der Eder bis zum Hatzfelder Ortsteil Holzhausen fahren, auch wenn einige kleinere Arbeiten, wie etwa die Geländer, unter Umständen erst später vollendet werden. Das ist abhängig von der Witterung. Spätestens in einem Jahr soll die neu erschlossene Route komplett freigegeben werden.

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