Historischer Ort im Burgwald erhielt neue Tische und Bänke aus Douglasienholz

Rast an Herrenbänken

Historischer Platz: Als dieses Bild mit den beiden Heimatfreunden Dr. Gustav Hammann (Bottendorf) und Horst Rink (Roda) Ende der 1960er-Jahre aufgenommen wurde, waren noch Steinreste der „Herrenbänke“ vorhanden. Sie wurden später gestohlen. Fotos: Völker

Roda. Dort, wo vor Jahrhunderten die landgräflichen Jagdgesellschaften im Burgwald Rast machten, stehen nun für Wanderer wieder neue „Herrenbänke“ bereit: In den vergangenen Tagen hat das Forstamt Burgwald an dem historischen Ort zwischen Rosenthal und Roda, an dem sich mehrere überregionale Wanderwege kreuzen, zwei stabile Tische und vier Bänke aus Douglasienholz aufgestellt.

Nachdem eine der alten Fichten und ihre Nachbarbäume, die früher den Rastplatz weithin sichtbar markierten, 2007 durch einen Blitzschlag und Borkenkäferbefall bis ins Wurzelwerk geschädigt worden waren, musste sich im Jahr darauf Helmut Gerke, Leiter der Revierförsterei Roda, dazu durchringen, aus Sicherheitsgründen die Baumgruppe fällen zu lassen (HNA berichtete). Er ließ aber gleich drei bereits relativ große Douglasien neu anpflanzen, die jetzt bereits Windschutz und grüne Kulisse für die Sitzgruppe an der Weggabelung bieten.

Überhaupt hat sich das Waldbild an dieser Stelle des Burgwaldes stark verändert, nachdem 2008 Sturm „Emma“ in einem angrenzenden Waldstück einige Fichten zu Fall gebracht hatte. Auch dort wurden damals Douglasien angepflanzt, die mit dem Klimawandel wesentlich besser zurechtkommen und schneller wachsen.

Aus einer etwa 300 Meter entfernten Abteilung „Am Mellnauer Weg“ holten nun die Forstwirte Norbert Ruckert, Lars Bettenhausen und Peter Salzmann auch das massive Douglasien-Holz, aus dem sie die neuen Ruhebänke und Tische zimmerten. „Die erste Garnitur aus Fichte war morsch geworden, und wir wollten an den Herrenbänken wieder einen einladenden Platz für Wanderer schaffen“, erklärte Revierleiter Gerke. Ende der 1980er-Jahre war die vermutlich aus der Landgrafenzeit stammende steinerne Tischplatte mit den Sandsteinbänken von Dieben entwendet worden.

Besonders für die von der Region Burgwald ausgewiesene, etwa 20 Kilometer lange „Extratour Franzosenwiesen“, die an der Segerteichhütte bei Rosenthal beginnt, sind die Herrenbänke einer der vielen historischen Hinweise auf die Zeit, als die hessischen Landgrafen mit ihren Jagdgesellschaften durch den Burgwald zogen. Als Flurbezeichnung und im Volksmund haben sich noch viele weitere Spuren aus jener Zeit wie „Herrensaustall“ oder „Landgrafenborn“ erhalten.

Ein Infopult nahe der Sitzgruppe Herrenbänke informiert mit Text und Bildern die Wanderer über ein Stück Jagdgeschichte des Burgwaldes. Auf einer Insel in der Weggabelung steht die Kanzel, um die herum sich die Kirchengemeinden aus Rosenthal und Roda seit Jahren zu ihren Waldgottesdiensten treffen.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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