Allendorf: In Ederauen wird 2012 Vogelbeobachtungsstand gebaut

Rast für Radler, Infos für Naturfreunde

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- Allendorf (da). Den Blick auf ein einmaliges Naturschutzgebiet wollen NABU, die Gemeinde Allendorf und die Region Burgwald-Ederbergland mit dem hölzernen Häuschen leiten. Die Eröffnung ist im Frühjahr geplant.

Die Ederauen bei Rennertehausen sind Heimat vieler seltener Vogelarten und deshalb seit Jahren Ziel von Ornithologen. Eine Beobachtungsstation zwischen dem Dorf und der Birkenbringhäuser Hatzbachmühle soll künftig allen Naturfreunden ermöglichen, das besondere Gelände in Augenschein zu nehmen. Im Frühjahr wird der Stand gebaut: Das kündigten gestern Vertreter von Landkreis, NABU, Gemeinde und Planungsbüro an.

Eine ähnliche Plattform war bereits vor einigen Wochen nahe der Walkemühle bei Frankenberg eröffnet worden (FZ berichtete). Der Stand bei Rennertehausen wird drei mal vier Meter groß. Wie sein Frankenberger Pendant befindet er sich am Ederradweg. Durch die Plattform in Höhe von 2,50 Metern würden sich neue Blicke auf die Ederaue ergeben, sagte Claus Nöbel vom Planungsbüro Bioline: „Wir schaffen einen Perspektivenwechsel.“ Wie genau der Stand aussieht, sei noch offen: Das werde sich aus der Form der verfügbaren Robinienhölzer ergeben, der Rest ist nach Nöbels Angaben „künstlerische Freiheit“. Einen Entwurf gibt es nicht. Bauherrin ist die Gemeinde Allendorf.

Die große Auenlandschaft besteht, weil Bauern aus Rennertehausen im Jahr 1870 ein einmaliges Bewässerungssystem geschaffen haben: Durch den Einsatz verschiedener Schleusen wird die Eder zur Bewässerung der Wiesen genutzt. Was früher der Landwirtschaft diente, nutzt heute vor allem den Vögeln – darunter auch bedrohten Arten. Unter anderem werden regelmäßig Bekassine, Kraniche, Braunkehlen und Blaukehlchen gesehen. Besonders seltene sibirische Zwergschwäne haben sich ebenso schon an der Eder niedergelassen. Günther Faust ist zuversichtlich, dass auch der Storch sich wieder im oberen Edertal niederlässt – der letzte Rennertehäuser „Adebar“ wurde 1937 gesichtet. Am Stand sollen zwei Schautafeln über das Bewässerungssystem und die Artenvielfalt in der Ederaue informieren. Eine Sitzgruppe lädt zum Verweilen ein. Über Stufen kann auch der Bach begangen werden.

Der Beobachtungsstand ist eines von 19 Projekten, die in diesem Jahr mit europäischen Leader-Mitteln in der Region­ Burgwald-Ederbergland geför­dert werden (siehe Hintergrund). Die Initiative dazu kam vom NABU. „Dadurch wird der Radweg aufgewertet“, ist Günter Faust vom Frankenberger NABU überzeugt. Auf die bereits eröffnete Station bei der Walkemühle habe es viele positive Reaktionen gegeben.

Das Gelände werde seit 1971 vom NABU betreut und beobachtet, sagte Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider. Zugvögel aus Nordosteuropa nutzen die Wiesen im Frühjahr und im Herbst, um zu rasten. „Es gibt in Hessen nur noch selten so große Auengebiete, die aus Grünland bestehen“, sagte er. Der Beobachtungsstand sei ein „Synergieeffekt von Naturschutz und Tourismus“. Der größte Anteil der Kosten in Höhe von 34 000 Euro fließt aus Leader-Fördermitteln, nämlich rund 17 000 Euro. Weitere 7000 Euro kommen von der NABU-Stiftung „Hessisches Naturerbe“, den Rest in Höhe von 10 000 Euro übernimmt die Gemeinde Allendorf.

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