Strompreiserhöhung

Regionaler Strom ist kostengünstiger

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Zum neuen Jahr steigt die Ökostrom-Umlage um 0,963 Cent auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde. Der Strom wird damit bei vielen Anbietern für den Kunden wiederum teurer.Foto: Patricia Kutsch

Frankenberg - Zum neuen Jahr steigen die Kosten für Strom kräftig an, obwohl der Strompreis an sich sinkt - weil der Staat bei den Umlagen und Abgaben draufgeschlagen hat. Allein die Ökostrom-Umlage wird um 0,96 Cent angehoben. Die Energiegesellschaft Frankenberg gibt die Erhöhung nicht an ihre Kunden weiter.

Energie wird immer teurer. Im Frankenberger Land zahlen Stromverbraucher mittlerweile zwischen 24 und 26 Cent pro Kilowattstunde - immerhin noch unter dem Bundesdurchschnitt, der bei 28,74 Cent liegt. Das bedeutet nicht, dass die Produktion von Strom immer teurer wird. Laut Karl-Heinz Schleiter von der Energiegesellschaft Frankenberg (EGF) sind die Preise für den Einkauf von Strom beim Großhändler und an der Börse sogar ganz leicht gesunken.

Teurer wird im nächsten Jahr also nicht der Strom an sich, teurer werden die Abgaben und Umlagen, die der Stromverbraucher für jede Kilowattstunde zahlen muss. Allein die Ökostrom-Umlage steigt von 5,277 Cent auf 6,24 Cent. Hingegen sinkt die sogenannte „Paragraf-19-Umlage“ um 0,237 Cent. Diese Umlage zahlen alle Stromverbraucher, die nicht vom Netzentgelt befreit sind - als Ausgleich für die fehlenden Zahlungen der Firmen, die befreit sind. Unternehmen mit sehr großem Energiebedarf können sich von dieser Umlage befreien lassen. Laut Schleiter betrifft das im Netzgebiet der EGF keinen Kunden.

Auch von der Ökostrom-Umlage ist in Frankenberg keine Firma befreit. Die Befreiung verschiedener Unternehmen von dieser Umlage - wie etwa die Befreiung der Gemündener Alpla-Werke - erhöht die Ökostrom-Umlage für alle zahlenden Verbraucher nochmals um 1,5 Cent pro Kilowattstunde. Deutschlandweit handelt es sich dabei um Milliardenbeträge: 295 Millionen Euro sparen die Betriebe der Nahrungs- und Getränkeindustrie und die Futterbetriebe, weil sie keine Ökostrom-Umlage zahlen müssen. 150 Millionen Euro sind es beim Braun- und Steinkohlebergbau. Befreit sind ebenfalls die Recycling-, Zement- und Ziegelindustrie sowie Stahlwerke, Aluhütten und Straßenbahnen.

Zum nächsten Jahr führt der Staat zudem eine ganz neue Umlage ein: Die „Umlage für abschaltbare Lasten“ schlägt zwar nur mit 0,009 Cent zu Buche - auf ganz Deutschland umgerechnet kommt dabei allerdings eine große Summe zusammen, die bestimmte Firmen bekommen sollen. Schleiter erklärt: „Durch die erneuerbaren Energien ist die Menge an eingespeister Energie nicht regelbar. Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, haben wir viel Strom im Netz. Bei wolkigem Himmel und Windstille kann es passieren, dass nicht genug Strom da ist.“ Das betreffe nicht Frankenberg - sondern das überregionale Netz. Denn Kraftwerke könnten nicht sofort zugeschaltet werden, um die fehlende Energie zu produzieren. „Deshalb werden Betriebe gesucht, die bereit sind, in solchen Notfällen vom Netz zu gehen und sich entweder ganz abzuschalten oder selbst mit Notstrom zu versorgen.“ Allein für die Bereitschaft gebe es Geld, selbst wenn die Firmen nie vom Netz gehen müssen. Diese Vorsorge zahlt der Verbraucher.

Insgesamt gehen vom regulären Strompreis also allein 10,139 Cent an Umlagen und Abgaben ab - die Steuern noch nicht hinzugerechnet. Mehr als die Hälfte des Strompreises ist also schon weg, bevor ein Cent in den Händen der Versorger bleibt. Und davon muss der Energieversorger laut Schleiter den Strom produzieren oder einkaufen, Netzentgelte bezahlen sowie das Personal entlohnen. Im Fall der EGF sind von 26,81 Cent pro Kilowattstunde beim Basistarif noch 12,39 Cent.

Trotz der Erhöhung der Abgaben um insgesamt 0,787 Cent pro Kilowattstunde wird die EGF laut Schleiter für 2014 die Stromkosten nicht erhöhen. Die Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) prüft laut Sprecherin Heike Bayerköhler derzeit die Kosten. Der Aufsichtsrat wird am 19. November darüber entscheiden. Vermutlich werde ein Teil der erhöhten Kosten an die Kunden weitergegeben werden und der Basis-Strompreis von 24,31 Cent etwas ansteigen. Dabei spielen laut Bayerköhler auch die Netzentgelte eine Rolle. Denn da viel Geld in den Ausbau des Stromnetzes investiert werde, stünden dort ebenfalls Änderungen an. Die Höhe der Netzentgelte stehe allerdings erst in einigen Wochen fest.

Schleiter sieht eine Reform der Ökostrom-Umlage - das sogenannte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) - als unumgänglich an. „Eigentlich sollte bei der Umlage bei 3,5 Cent Schluss sein.“ Es müsse in regenerative Energien investiert werden. Diese sollten aber direkt vor Ort erzeugt werden. Dann entfallen die Kosten für überregionale Leitungen vom Windkraft-Seepark an der Nordseeküste bis in den Süden Deutschlands. „Sonst wird die EEG-Umlage immer höher“, befürchtet Schleiter. Im Bereich der Stromversorgung müsse wirtschaftlicher gedacht werden. Mit einem Marktanteil von 25 Prozent müssten die regenerativen Energien nun kosteneffizient produziert und verkauft werden. „Diese Themen wurden bis nach der Wahl liegen gelassen“.

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