Frankenberg

Reizende Vielfalt, harmonische Kontraste

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- Frankenberg (ahi). Italienische Kostbarkeiten lautete der Titel des Programms. Italienische Köstlichkeiten hätte ebenso gut gepasst, denn Dirigent Arndt Heyer verglich das Programm vor der Zugabe mit einem Menü, das auch einen stilechten Nachtisch verdient hätte.

Tatsächlich erwies sich Ottorino Respighis „Siciliana“ mit seiner Verbindung von alter Form und neuerer Tonsprache sogar als Synthese des Konzerts, in dem jeweils ein lebhaftes barockes Meisterwerk einem neueren, spannungsvollen Streicherstück gegenübergestellt wurde.Und da sich Antonio Vivaldi (1678–1741) bei der Eröffnung seines Oboen-Konzerts in a-Moll auf das absolut Notwendige an Orchestereinsatz beschränkt hatte, ließ der erste Gipfel des Genusses keine halbe Minute auf sich warten: denn mit Nicolas Cock-Vassiliou wurde ein hochkarätiger Solist verpflichtet, der mit seinen quirligen Läufen gleich die erste leicht verdauliche Klangdelikatesse servierte.

Der erfrischend klare Ton, den der Solo-Oboist des HR-Sinfonie-Orchesters seinem Instrument entlockte, prägte auch das Larghetto, in dem das Cembalo noch ein paar Akzente setzen konnte. Und auch das Finale geriet zum maximalen Oboenvergnügen, da Vivaldi beim Beginn des Schluss-Satzes ebenso lakonisch zu Werke ging und den Solisten so schnell wie möglich ins Spiel brachte. Giacomo Puccinis (1858–1924) „Crisantemi“ erwiesen sich dagegen als wirkungsvoller Kontrast zum heiteren Auftakt. Denn das Fin-de-Siècle-Streicherstück, mit dem der Opernkomponist den Impressionismus vorwegnahm, atmet Schwermut pur vom ersten gewichtigen Cellotakt an, noch ehe die lang gezogenen tristanesken Geigen mit ihrem wehmütigen Klang einsetzen.

Arndt Heyer kostete die Klangdelikatessen der düsteren Eröffnung nicht zu sehr aus und umging dabei das Risiko, eine allzu dicke Streichertunke anzurühren.Allerdings lag das rhythmische Mittelstück, mit seinen von Wellenbewegungen im Cello getragenen zweiten Thema, seinen Musikern doch besser im Bogen. Tomaso Albinonis (1671–1751) Concerto a cinque erwies sich als angenehmes Oboenpendant zu Vivaldi, bei dem Solist Nicolas Cock-Vassiliou einmal mehr mit seiner Spielkultur brillieren konnte und im Marburger Kammerorchester einen ebenbürtigen Partner fand.

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