Frankenau

600 Rekruten haben ihr feierliches Gelöbnis abgelegt

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- Frankenau (apa). Etwa 1500 Angehörige und Freunde junger Rekruten waren am Donnerstagabend Zeugen, als die jungen Männer und Frauen gelobten, ihrem Heimatland treu zu dienen und tapfer für die Freiheit zu kämpfen.

„Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ – insgesamt 590 Soldaten im Grundwehrdienst aus Frankenberg, Rotenburg an der Fulda und Neustadt haben sich am Donnerstagabend mit diesen Worten an ihre Pflichten im Dienst der Bundeswehr gebunden.

Am Sternberg in Frankenau verfolgten rund 1500 Familienmitglieder, Freunde und Partner das feierliche Gelöbnis der jungen Menschen, die am 1. Juli ihren Dienst bei der Bundeswehr angetreten haben. Sie sind Rekruten der 6. Kompanie des Feldjägerbataillons 251 aus Rotenburg, der 3. und 4. Kompanie des Führungsunterstützungsbataillon 286 in Neustadt (Hessen) und der 7. Kompanie des Bataillons für Elektronische Kampfführung (EloKaBtl) 932 der Frankenberger Burgwaldkaserne.

Nach der Meldung der Aufstellung schritten der Kommandeur des EloKa-Bataillons Oberstleutnant Thomas Mauer und Bürgermeister Dr. Reinhard Kubat traditionell zu den Klängen des Präsentiermarsches die Front ab. Danach traten die Fahnenabordnungen, bestehend aus zwei Begleitoffizieren und einem Unteroffizier mit Portepee in die Mitte des Platzes.

Kommandeur Thomas Mauer begrüßte dort die Rekruten und ihre Familien, darunter den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Dr. Jürgen Rüttgers mit seiner Ehefrau, die als Eltern anwesend waren: Ihr Sohn gehört zu den Rekruten. Zu den Gästen gehörten auch der Erste Kreisbeigeordnete Peter Niederstraßer sowie die Bürgermeister einiger umliegender Städte und Gemeinden und die Kommandeure der anwesenden Verbände der Bundeswehr.

Der Kommandeur dankte den zahlreichen Zuschauern für ihr Kommen: „Ihre Anwesenheit zeigt für mich nicht nur eindrucksvoll Ihre Verbundenheit mit uns Soldaten, sondern sie verleiht dem Gelöbnis darüber hinaus den würdigen Rahmen, den es zweifellos verdient.“ Mauer unterstrich die Bedeutung des Gelöbnisses: „Dieses öffentlich und verbindlich abverlangte Treuebekenntnis ist mit seiner bedingungslosen Tragweite wohl einmalig.“

Dr. Reinhard Kubat bezeichnete das Gelöbnis in seiner Ansprache als einen bewegenden Moment, „denn es wird deutlich, dass sich diese Generation mit ihrem Staat identifiziert und dass sie bereit ist, einen wesentlichen Beitrag zum Funktionieren unserer Gesellschaft zu ­leisten“.

Kubat erinnerte an die Gründung der Bundeswehr vor 53 Jahren. „Sie war ein Indiz dafür, dass Deutschland von dessen Territorium Jahre zuvor der Zweite Weltkrieg ausgegangen war, wieder als akzeptierter Partner in die internationale Staatengemeinschaft zurückgekehrt war“, sagte der Frankenauer Bürgermeister. Er betonte, wie sehr sich die Aufgaben der Bundeswehr seitdem verändert haben, hin zu internationalen Einsätzen zur Krisenbewältigung und Konfliktprävention. „Nach dem Ende des Kalten Krieges, nach Perestrojka und Glasnost, und besonders nach dem 11. September 2001 hat sich die Welt verändert und damit letztendlich auch die Wertschätzung der Bundeswehr.“ Längst ist die Bundeswehr nicht mehr nur zur „Wehr“ gedacht. „Soldaten leisten Aufbauhilfe in krisenhaften Staaten, sie tragen zur Stabilisierung bei oder sorgen schlichtweg dafür, dass Kinder wieder zur Schule gehen können und Bauern ihre Felder bewirtschaften“, zählte Kubat die Aufgaben auf, die deutsche Soldaten erfüllen. Dazu gehören viele gefährliche Einsätze. In Somalia, Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und in Afghanistan war auch das Frankenberger EloKa-Bataillon beteiligt, wie Kubat betonte.

Der Bürgermeister erinnerte daran, dass diese Einsätze wahrlich „keine Vergnügungsreisen“ waren und verwies auf das Attentat in Kabul Pfingsten 2003, als deutsche Soldaten ums Leben kamen. „Solche Ereignisse sind aber auch eine ganz klare Mahnung an die Politik“, sagte der Bürgermeister. „Unser Land muss wissen, dass nur maximal gute Ausrüstung, Material und Logistik den bestmöglichen Schutz der Soldaten gewährleisten kann.“Er dankte den Rekruten für ihre Bereitschaft, ihrem Land zu dienen. „Das ist keineswegs selbstverständlich. In einer Zeit, in der unser Leben immer mehr vom Konsum bestimmt wird, stehen Pflichten nicht hoch im Kurs. Umso anerkennenswerter ist es, dass Sie sich dieser Pflicht stellen“, sagte Kubat.

Mit dem Gang durch das Kasernentor habe sich die Welt für die Rekruten grundlegend verändert. „Sie müssen lernen, in einer Gemeinschaft zu leben und sich in ein System von Befehl und Gehorsam einzufügen. Das ist nicht immer leicht und bringt viele Einschränkungen mit sich“, sagte der Bürgermeister. „Der Dienst, der vor Ihnen liegt, wird nicht immer leicht sein. Er wird Ihren ganzen Einsatz erfordern und Sie manchmal vielleicht bis an die Leistungsfähigkeit führen. Er wird Ihnen aber auch Freundschaften und das gute Gefühl von Kameradschaft bringen. Oft halten solche Verbindungen ein Leben lang.“

Kommandeur Thomas Mauer unterstrich anschließend noch einmal die Bedeutung der Wehrpflicht und zeigte sich überzeugt davon, dass nur durch diese die Bürgernähe erhalten und die Bundeswehr ein wahrnehmbarer Teil der Gesellschaft bleibe. Er betonte, dass die Rekruten im Grundwehrdienst nicht für Auslandseinsätze herangezogen werden. „Aber jeder Auslandseinsatz ist nur realisierbar durch den Beitrag von Grundwehrdienstleistenden im Inland“, fügte der Kommandeur hinzu.

Die vorgetretenen Rekruten legten – stellvertretend für alle Soldaten – ihre linke Hand auf die Fahne und sprachen gemeinsam mit allen anderen Rekruten die Gelöbnisformel.

Mit der Nationalhymne und der Bekräftigung des Treuebekenntnisses per Handschlag endete die feierliche Zeremonie, die vom Heeresmusikkorps II aus Kassel musikalisch umrahmt wurde.

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