Renate Buchenauer zeichnet im Festvortrag ein Bild von den Umständen der Hugenotten

Die "Réfugiés" und ihr unerwünschter Glaube

Frankenau-Louisendorf - Nein, die Hugenotten wurden nicht vertrieben. Sie waren sogar erwünscht in ihrer Heimat Frankreich - nur ihr protestantischer Glaube passte den Obrigen nicht. Das erläuterte Dr. Renate Buchenauer in ihrem Festvortrag am Freitagabend.

Sie zeichnete im brütend warmen Festzelt vor mehreren Hundert interessierten Zuhörern ein Bild von den Hintergründen und Umständen, die die einen Teil der Glaubensflüchtlinge bis nach Louisendorf brachten. Buchenauer stellte klar, dass die Hugenotten alles andere als unerwünscht waren, weder in ihrer Heimat Frankreich noch in den Regionen, in denen sie später ankamen. Denn es handelte sich zumeist um gebildete und handwerklich geschickte Menschen. Doch war es ihnen nicht erlaubt, ihren protestantischen Glauben auszuleben: Der Katholizismus wurde ihnen aufgezwängt. Weigerten sie sich, wurden sie auf Galeeren verbannt oder eingekerkert.

Deshalb blieb vielen nur die Flucht aus ihrer Heimat. Der Verlust von bis zu 250.000 „Réfugiés“ habe Frankreich sehr geschadet. In der neuen Heimat hingegen seien die Hugenotten geschätzt gewesen: „Die französische Sprache und die Kultur galten als schick“, begründete Buchenauer. Zudem hätten sie wertvolles Wissen mitgebracht.

Buchenauer verband in ihrem Vortrag geschichtliche Daten mit Einblicken in das Schicksal der Glaubensflüchtlinge. Die Projektleiterin des Fernwanderwegs „Hugenotten- und Waldenserpfad“, an den auch eine Route nach Louisendorf anknüpft, machte deutlich, wie beschwerlich die Flucht für die Franzosen war: „Manche Familien waren eine ganze Generation lang unterwegs“, sagte sie.

Immer wieder kam sie auf die Louisendorfer Geschichte zurück. Sie nannte auch den Begriff des „Dorfs der kleinen Mütter“ für Louisendorf: Denn oft mussten sich die älteren Schwestern um Babys kümmerten, weil die Mutter die Geburt nicht überlebt hatte. Einen weiteren Aspekt ihres Vortrages machte der Weg der Hugenotten und Waldenser aus, an dem sich der nun als „Europäische Kulturroute“ anerkannte Wanderweg orientiert.

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