Ursula Zagar kümmert sich um Vögel

Rindertartar für kleine Blaumeisen

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Battenberg - Neun kleine Meisenbabys päppelt Tierfreundin Ursula Zagar derzeit auf. Urlaub oder Unternehmungen sind damit erstmal gestrichen - ihre Schützlinge haben alle zwei Stunden Hunger. Da müssen sie sogar mit an die Arbeit kommen.

Es herrscht ein großes Gezwitscher und Gepiepe in den Räumen der Tagespflege im DRK-Seniorenzentrum: Die kleinen Meisenbabys, die in einem Vogelkäfig und einer Transportbox sitzen haben Hunger; das geben sie lautstark bekannt.

Die Vögelchen rufen nach ihrer „Mama“ - und Ursula Zagar, die die Kleinen in Pflege genommen hat, steht sofort bereit, packt rohe Hackfleischbällchen aus und füttert die fünf Blaumeisen mit einer Pinzette. Gierig picken ihre Schützlinge nach dem rohen Fleisch und schlingen es runter. Daneben sitzen die Senioren, die die eigentlichen Gäste in der Tagespflegeeinrichtung sind. Sie schauen gespannt bei der Fütterung der winzigen Vögelchen zu und reichen Zagar auch schon mal eine helfende Hand.

Zagar arbeitet in der Tagespflege, privat kümmert sie sich um Tiere in Not. Gerade zur Brutzeit kommt es häufig vor, dass sie sich rund um die Uhr um Vogelbabys kümmern muss. Die darf sie mit an die Arbeit bringen und dort zwischendurch immer wieder versorgen. Anders könnte Zagar ihrer Tierliebe auch nicht nachgehen: Die fünf Blaumeisen und drei Kohlmeisen, die ihr vor 14 Tagen gebracht wurden, weil sie aus dem Nest gefallen waren, haben ziemlich viel Hunger. Konkret heißt das, dass die Tierschützerin die Vögel anfangs jede Stunden füttern musste.

Jetzt sind sie etwas größer, tun ihren Hunger aber nach zwei Stunden lautstark kund. Die kleinsten Meisen, die noch nicht fliegen können, wohnen daher noch bei Zagar im Haus und kommen tagsüber mit zur Arbeit.

Die drei Kohlmeisen, die sie soweit aufgepäppelt hat, dass sie alleine fliegen können, bleiben mittlerweile alleine in einem großen Käfig in der Garage von Zagar. Aber sie haben auch Hunger - deswegen geht die „Vogelmama“ am Vormittag mehrmals nach Hause, um die Tiere zu versorgen. Am Nachmittag übernehmen die beiden Schülerinnen Andrea und Dorothea Dönges die Versorgung der größeren Meisen. Sobald die Vögel fliegen und sich selbst versorgen können, siedeln sie in die „Auswilderungsvoliere“ in Zagars Garten um. In der nächsten Woche werde es laut der Tierschützerin wohl soweit sein. Wiederum etwa eine Woche später lässt sie dann die Tür der Voliere einige Tage offen stehen - damit die Meisen in die Freiheit fliegen können, aber noch Futter in der Voliere finden. „Es ist noch nie ein Vogel wieder zurück gekommen.“ Bis zur Auswilderung ist es aber ein langer Monat für Zagar - sie muss ihren Schützlingen sogar beibringen, lebende Insekten zu fangen. Dazu stellt sie ihnen eine Schale mit Heimchen und Mehlwürmern in den Käfig, setzt die Meisen daneben und pickt selbst immer wieder mit der Pinzette nach den Insekten, um den Vögeln vorzumachen, wie es geht. „Eine Kohlmeise ist sehr pfiffig - sie nimmt die Heimchen schon zwischen die Krallen und reißt daran.“

„Es ist ein großes Glück, dass mein Arbeitgeber mir erlaubt die Vögel daheim zu füttern und ich auch die kleinen Tiere immer mitbringen darf“, sagt Zagar. Auch ihren Shi-Tsu-Hund Peppi hat sie immer dabei. „Er ist schon sowas wie unser Maskottchen“, sagt Daniela Ernst, Leiterin des Seniorenzentrums und zeigt ein Foto von Peppi auf dem Schoß einer Senioren, das eine Broschüre über die Tagespflege ziert. „Wenn ich mal nicht da bin, dann fragt keiner nach mir, sondern alle fragen, wo Peppi ist“, erzählt Zagar lachend.

„Die Bewohner und Tagesgäste fiebern aber auch mit und hoffen immer, dass ich die Tiere durchbekomme“, sagt Zagar. Zwei Meisen haben es in diesem Jahr nicht geschafft. Auch ein Eichhörnchen hatte die Tierschützerin schon mit an der Arbeit - das sie aber auch nicht durchbekam. „Nach dem Wochenende muss ich den Tagesgästen immer Rede und Antwort stehen, welche Tiere ich über das Wochenende wieder aufgenommen habe und wie es ihnen geht.“

Am vergangenen Samstag erst hatte die Battenbergerin einen aufgeregten Anruf von einer Bewohnerin des Seniorenzentrums. Diese hatte vor der Einrichtung eine Meise auf dem Boden gefunden. „Sie hat gleich gesagt, dass wir sofort die Ursel anrufen müssen“, erzählt Ernst. Für sie ist es kein Problem, dass Zagar ihre Pflegetiere mit zur Arbeit bringt - im Gegenteil: Es sei eine schöne Beschäftigung für die Senioren. „Die meisten finden es toll. Viele haben es in ihrer Jugend nicht miterlebt, dass Vögel aufgezogen werden, die aus dem Nest gefallen sind.“ Zagar sei in Battenberg für ihre Tierpflege schon „bekannt wie ein bunter Hund“ - jedes Wochenende rufen Menschen bei ihr an, wenn sie keine Tierschutzorganisation erreichen können und ausgesetzte oder verletzte Tiere gefunden haben.

„Jetzt hatte ich erst einen Anruf aus Elsoff. Paul der Waschbär sucht ein neues zu Hause“, erzählt Zagar. Er sei handzahm und sechs Jahre alt; den könne sie aber nicht aufnehmen, weil sie keinen Platz mehr habe und eher auf Vögel spezialisiert sei. „Aber eins steht fest: Wenn ich mal in Rente bin wird mir nicht langweilig.“

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