Startschuss für Laisaer Traditionsfest

Der "Rückers" thront auf dem Dach

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Stolz präsentieren die Laisaer die Rückersfigur. Sie war nur kurz am Boden zu bewundern. In den nächsten 40 Tagen ist sie auf dem Dach des alten Rathauses, dem heutigen Heimatmuseum, befestigt.Fotos: Mark Adel

Battenberg-Laisa - Pünktlich um 20.15 Uhr am Samstagabend verkündete Ortsvorsteher Jörg Paulus: "Der Rückers ist auf dem Dach." In einer feierlichen Zeremonie vor rund 600 Besuchern wurden die hölzerne Figur auf das alte Rathaus "gesteckt" und das Geheimnis des Diebstahls von 1978 gelüftet.

Nur alle sieben Jahre wird die rund 150 Kilogramm schwere, 1971 geschnitzte hölzerne Figur hervorgeholt. Jeweils ab dem 9. März weist sie auf das Rückersfest am Osterwochenende hin.

Nicht erst seit Samstag sind die Laisaer im „Rückers-Fieber“. Doch beim „Stecken“, also dem Setzen des hölzernen Pferdegespanns aufs Dach des alten Rathauses, wurde die Begeisterung für die jahrhundertealte Tradition deutlich. Kaum ein Laisaer, der nicht mithilft und eine Aufgabe beim Fest übernimmt. Doch Ortsvorsteher Jörg Paulus betonte, dass das Rückersfest auch ein Fest der Region sei. Unter den Zuschauern waren schon am Samstag auch zahlreiche Bewohner der Nachbarorte. „Das Rückersfest ist ein einzigartiges Fest“, betonte Schirmherr Bürgermeister Heinfried Horsel.

In der Zeremonie gelang es den Laisaern auch, die Bedeutung des Fests näher zu bringen: Beispielsweise mit einem kurzen Sketch von Michael Grings und Erika Seipp oder mit dem Gedicht „Frühlings Ankunft“, das die Schwestern Anne, Luisa und Alina Schäfer vortrugen.

Der „Rückers“ soll bei den Göttern für eine gute Ernte sorgen - und auch darüber hinaus die Fruchtbarkeit steigern. Verbunden mit dem Fest war die Versteigerung lediger Mädchen. Dazu trafen sich die Burschen um Mitternacht und boten Geld. Die 25 Mädchen erfahren erst am Ostersonntag im Festzelt, wer sie ersteigert hat. Verbunden damit ist ein Tanz mit dem steigernden Jungen. Die Auktion ist streng geheim.

Zu Beginn des Rückerssteckens trugen Laisaer Burschen die Figur vom Dorfgemeinschaftshaus zum alten Rathaus. Hunderte Menschen nahmen das hölzerne Pferdegespann in Augenschein. Die Figur, die 1971 erstmals aufs Dach des Rathauses kam, wird nur alle sieben Jahre zum Vorschein geholt und ansonsten versteckt.

Ein anderes, allerdings „offenes“ Geheimnis wurde am Samstagabend gelüftet: Im Jahre 1978 waren es Burschen aus Wollmar, verriet der frühere Ortsvorsteher des Nachbardorfs, Johannes Wagner. Was längst gemunkelt wurde, ist damit offiziell. In diesem Jahr waren die Wollmarer allerdings auch dafür zuständig, dass der Rückers aufs Dach kam: Die Aufgabe übernahm die Zimmerei Becker. Sie erhielten am Samstag vom Vurschafts-Vorsitzenden Sebastian Brühl den Auftrag, die Figur aufs Dach zu bringen - kein einfaches Unterfangen, das die Männer jedoch meisterten. Die Zuschauer sangen dazu „Jeder Tag bringt neue Hoffnung“.

Ein Gutes hat der Diebstahl: Seitdem wird die Figur bewacht und das bietet Gelegenheit für viele Feiern. In diesem Jahr hat der Festausschuss erstmals ein offizielles Rahmenprogramm erarbeitet, das am Heimatmuseum - dem früheren alten Rathaus - gezeigt wird. „Der Rückers ist zwar ein altes un dtraditionelles, aber genauso ein modernes und zeitgemäßes Fest“, sagte Jörg Paulus. Der Sieben-Jahres-Rhythmus mache das Fest zu etwas Besonderem.

Der MGV Laisa, die Kindertrachtengruppe des Heimatvereins sowie Musiker des Battenberger Musikzugs und des Kasseler Heeresmusikkorps umrahmten das Rückersstecken. Neben Eiern als Symbol neuen Lebens gab es fürs leibliche Wohl erstmals das berühmte „Laisaer Wasser“, ein Schnaps, zu kaufen.

Nach dem Rückersstecken, um Mitternacht, begann die geheime Versteigerung, zu der nur ledige Laisaer Burschen zugelassen sind. Sie ersteigern Laisaer Mädchen - ein symbolischer Akt, denn verbunden ist damit „nur“ ein Tanz.

Die historische Bedeutung: Früher durften keine Unverbundenen an Fruchtbarkeitsfesten teilnehmen. In diesem Jahr lassen sich 25 junge Frauen versteigern - eine mehr als beim letzten Mal vor sieben Jahren. Sie erfahren erst am Ostersonntag, wer sie ersteigert hat.

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