Traditionsfest in Laisa

Rückersfigur kommt in zwei Wochen

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Beim Rückersstecken am 9. März tragen Laisaer Burschen die Rückersfigur vom Dorfgemeinschaftshaus zum alten Rathaus, dem heutigen Heimatmuseum.

Battenberg-Laisa - Von der Versteigerung lediger Mädchen bis hin zum großen Umzug am Ostersonntag: Das Rückersfest in Laisa ist einmalig in der Region. Der Startschuss fällt in genau zwei Wochen. Dann wird die Rückersfigur aufs Dach gesetzt.

Alle sieben Jahre feiern die Laisaer mit vielen Gästen aus der Region das Fest, das auf einen alten Brauch zurückgehen soll. In seiner heutigen Form wird es vermutlich seit 1842 begangen (siehe Stichwort). Zwar wird den Laisaern das Fest sozusagen in die Wiege gelegt: „Über die Bedeutung müssen sich viele aber auch alle sieben Jahre neu einlesen“, sagt Ortsvorsteher Jörg Paulus.

Die Rückersfigur auf dem Dach des alten Rathauses ist sichtbares Zeichen für das Fest. Sie wird nur alle sieben Jahre an die Öffentlichkeit geholt. Im Heimatmuseum ist lediglich die alte Figur zu sehen, die 1971 ersetzt wurde. Es mag aussehen wie altmodische Geheimniskrämerei, doch eben damit bewahren die Laisaer den Charme des Rückersfests. Und ebenso mit alten Geschichten wie von jenem völlig verregneten Festzug im Jahr 1978, als Rückers wegen der 1200-Jahr-Feier ausnahmsweise an Pfingsten gefeiert wurde. Und dann war da noch der Rückersklau im gleichen Jahr, als die Figur vom Dach des Rathauses gestohlen und erst am Festabend wiedergebracht wurde - bis heute ein amüsantes Thema.

Der Termin für das Rückersstecken - also das Setzen der Figur auf das Dach des alten Rathauses - ist immer der 9. März. Und sie bleibt immer bis Ostern, wenn das eigentliche Fest gefeiert wird. „In diesem Jahr ist der Rückers über zwei Wochen kürzer zu sehen als vor sieben Jahren“, sagt Jörg Paulus.

Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Festausschusses hat er das Programm erarbeitet. Während Punkte wie das Stecken, die Mädchenversteigerung oder das eigentliche Fest mit dem Umzug und dem Webetanz seit Jahrzehnten unverändert sind, rücken die Laisaer in diesem Jahr erstmals die Zeit zwischen Stecken und Ostern stärker in den Blickpunkt.

Bedeutung näherbringen

Am alten Milchhäuschen nahe der Kirche halten die Laisaer seit 1985 Nacht für Nacht Wache, um einen Rückersklau zu verhindern. Mit verschiedenen Aktionen sollen Bewohner aus Laisa und den Nachbardörfern in der Zeit zwischen dem Stecken und dem Osterwochenende auf das eigentliche Fest eingestimmt werden: Vom Chorabend über das Burschenschaftstreffen bis zum Seniorennachmittag. „Wir wollen mit jeder Veranstaltung auf unterhaltsame Weise die Bedeutung des Fests näherbringen“, sagt Jörg Paulus. An jedem der Termine werde eine kleine Szene vorgespielt - beginnend mit dem Stecken der Figur am 9. März.

Eine besondere Wirkung nach außen hat stets die Mädchenversteigerung: Die erste Auktion findet traditionell in der Nacht zum 10. März statt - wenige Stunden, nachdem die Rückersfigur aufs Dach des Museums gesetzt wurde, die letzten Gebote werden bei der zweiten Versteigerung am Gründdonnerstag abgegeben.

113 Nummern beim Festzug

Höhepunkt ist aber der Festsonntag. Dann schlängelt sich ein 113 Gruppen langer Festzug durchs Dorf, der im Zelt am Sportplatz endet. Dort wird nicht nur die Versteigerung aufgelöst, wenn die Burschen die von ihnen ersteigerten Mädchen auffordern (siehe Hintergrund), sondern auch der Webetanz von der Burschenschaft präsentiert. Er steht ursprünglich nicht im Zusammenhang mit dem Fest, wird aber seit 1933 bei jedem Rückersfest vorgeführt. Damals wurde noch in und bei Wirtschaften im Dorf gefeiert.

Dieses Jahr sind 21 Paare beim Webetanz dabei - eine stattliche Zahl, doch für die Burschen und Mädchen ist die Teilnahme Ehrensache. „Die ziehen alle mit, für die ist das etwas Besonderes“, sagt Paulus. Ähnlich sei es bei der Versteigerung - auch da ist es für Mädchen im Dorf eine Selbstverständlichkeit, sich für einen Tanz „kaufen“ zu lassen.

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