Frankenberg

Rüdiger Heß gibt sich siegessicher

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- Frankenberg (jos). Seit etwa zwei Monaten schon habe er geplant, am 2. Dezember seine Kandidatur in einem Pressegespräch bekannt zu geben. „Ich gebe zu, dass ich Sie angelogen habe“, sagte Rüdiger Heß gestern gegenüber der FZ.

 Vor wenigen Tagen noch hatte Heß behauptet, eine Kandidatur komme für ihn „nicht infrage“. Gestern erklärte er der FZ: „Es tut mir Leid. Das habe ich nur gesagt, um Sie wegzubeißen.“ Er habe schlichtweg nicht gewollt, dass seine Kandidatur vor dem Weggang von Christian Engelhardt bekannt wird.

Schon bei der Wiederwahl von Engelhardt vor zwei Jahren sei er von vielen Frankenbergern angesprochen worden, ob er nicht kandidieren wolle, sagte Heß. „Ich habe mich damals entschlossen, nicht gegen meinen Nachfolger anzutreten.“ Als dieses Frühjahr dann bekannt wurde, dass Engelhardt vorzeitig aus dem Amt ausscheiden will, habe das Telefon bei Familie Heß Sturm geklingelt.

„Ich bin so oft angesprochen worden. Das Nachfragen, ob ich noch einmal antreten würde, ist immer intensiver geworden“, betonte der 55-Jährige. Ein Wahlkampfbüro sei ihm angeboten worden und auch für die Pressearbeit habe sich schon jemand bei ihm gemeldet. „Die Nachfragen kamen aus allen politischen Lagern“, sagte Heß. Selbst SPD-Leute hätten ihre Unterstützung zugesagt. Zunächst habe er abgewiegelt. Doch mit der Zeit sei die Entscheidung für eine Kandidatur gereift.

Was motiviert den 55-Jährigen? „Ich habe mich 2004 bewusst nicht zur Wiederwahl gestellt“, erklärte der 55-Jährige, der von 1998 bis Anfang 2004 Bürgermeister der Stadt Frankenberg war. Der Grund dafür, dass er nicht mehr angetreten sei, trage einen Namen: Helmut Eichenlaub. Der damalige Landrat habe genau wie einige weitere CDU-Mitglieder gegen ihn gearbeitet, sagte Heß. Um sich und seine Familie zu schützen, habe er sich für den Rückzug aus der Politik entschieden.

Und nun das plötzliche Comeback? „1998 habe ich angekündigt, dass ich für drei Wahlperioden Bürgermeister sein möchte. Das kann ich jetzt noch machen“, erklärte Heß schmunzelnd. Oft, wenn er in der Stadt unterwegs sei, bekomme er Sympathien entgegengebracht. „Ich bin als Vertrauensperson bei vielen Menschen immer noch angesehen. Ich weiß, dass ich mit meinem Aufhören damals viele enttäuscht habe“, sagte Heß.

In der Zwischenzeit sei der Öffentlichkeit aber klar geworden, „wer damals mit Dreck geworfen hat“. Denn nach dem Weggang von Eichenlaub als Landrat und der „Aufarbeitung“ von dessen Amtszeit sei mittlerweile bekannt, „dass Eichenlaub viele Marionetten hatte, die gegen mich gearbeitet haben“.

Auch die CDU habe ihn enttäuscht, sagte Heß. Seit 2004 sei er bewusst bei keiner Parteiversammlung mehr gewesen. Mitglied ist er aber laut Auskunft des Stadtverbandsvorsitzenden Rainer Hesse noch. „Ich werde als unabhängiger Kandidat antreten. Eine Direktwahl ist keine Parteienwahl“, betonte Heß. Der Protest gegen das Bahn-Projekt Stuttgart 21 habe gezeigt, dass Bürger mitreden und mitbestimmen wollen. Die Städte hätten sich zwar immerhin bereits von „Ordnungskommunen“ zu „Dienstleistungskommunen“ entwickelt. Doch heute soll Frankenberg aus Sicht von Heß eine „Bürgerkommune“ werden. Das gehe nur mit einem unabhängigen Bürgermeister.

Nicht ohne Stolz verwies Heß auf seinen Erfolg bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 1998, als er im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit mit einem Ergebnis von knapp über 50 Prozent erreicht hat. Sein Ziel für den 26. Februar 2012? „Ich trete an, um in der ersten Runde zu gewinnen.“

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 3. Dezember.

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