Platanen in der Altstadt

Rüdiger Heß: "Bäume sollen alle weg"

Frankenberg - Die Bäume in der Altstadt sterben nach dem Befall mit Platanen-Blattbräune ab - die Arbeitsgruppe „Begrünungskonzept Altstadt“ arbeitet bereits an für Anwohner, Touristen und Natur verträglichen Alternativen.

Es gab heftige Proteste, als im vergangenen Jahr zwei Platanen auf dem Untermarkt gefällt wurden. Ein Gutachten belegte Sinn und Zweck der Aktion, ein weiteres bezweifelte den vom ehemaligen Bürgermeister Christian Engelhardt genannten Grund der Verkehrssicherung trotz der Erkrankung der Bäume (FZ berichtete mehrfach). Jetzt sind die nächsten Bäume derart erkrankt, dass die Fällung unmittelbar bevorsteht: Bis Freitag sollen zwei Bäume auf dem Untermarkt und der Baum direkt vor der EGF auf dem Obermarkt gefällt werden.

„Es ist wichtig, mit dem Thema offen umzugehen“, sagt Bürgermeister Rüdiger Heß. Er wolle die Bevölkerung informieren, bevor die drei Bäume aus dem Stadtbild verschwinden. Martin Hecker, Betriebshofleiter der Stadt, ergänzt: „Weitere Bäume sind gefährdet - da wird es erst einmal einen Baumschnitt geben“. Er zeigt exemplarisch auf die Platane vor der Tourist-Info, weist in die Krone, erklärt, dass die dunklen Stellen im Blattwerk auf die Platanen-Blattbräune (siehe Hintergrund) zurückzuführen sei. „Die Bäume sollen möglichst alle weg, auch wenn vielleicht ein, zwei oder fünf stehen bleiben“, sagt der Bürgermeister. „Das schließt die Birken und Linden mit ein“, erklärt der Betriebshofleiter. Die Arbeitsgruppe „Begrünungskonzept Altstadt“ bereite derzeit ein Konzept vor, das dem Magistrat, dann der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt werden soll. „Wir sind auf der Suche nach einer angepassteren Baumart“, sagt Hecker.

Fortgeschrittene Schäden

„Wir sind davon ausgegangen, dass wir etwas mehr Zeit hätten“, beklagt Rüdiger Heß. Die Arbeitsgruppe hätte in den vergangenen zwei Wochen die Bäume auf Obermarkt, Untermarkt und den Seitenstraßen sowohl aus der Ferne als auch aus der Nähe begutachtet. Mitglieder sind Hecker selbst, seine Kollegin Stefanie Neussel, Frank Seumer vom Naturschutzbund, Bauamtsleiter Karsten Dittmar und Frank Roebert von Hessen Forst. Bei der Begutachtung sind laut Hecker „Schädigungen im fortgeschrittenen Stadium“ aufgefallen, „wie bei den Bäumen im vergangenen Jahr auch“. Besonders betroffen seien die Pflanzen, die 2011 nicht gefällt, aber wegen der Krankheit gestutzt worden waren. Die Platanen-Blattbräune sei der Erstschädling, aber auch weitere Schädlinge seien nachgewiesen. „Es ist offensichtlich, dass die Bäume im Absterben sind“, fasst Hecker zusammen.

Die Blätter sind braun, die Rinde löst sich ringförmig ab. „Das sind keine Anfahrschäden“, sagt Hecker, auch wenn die Vermutung wegen der geringen Höhe der Schäden nahe liege. Unten, wenige Zentimeter oberhalb des Bodens, bilden sich neue Triebe am Stamm. „Das macht kein gesunder Baum, das sind Nottriebe; der Baum versucht zu retten, was zu retten ist“, erklärt der Leiter des Betriebshofes.

Belastbarer Ersatz

„Wir müssen unserer Verkehrssicherungspflicht nachkommen“, sagt der Bürgermeister: Die geschädigten Bäume bekommen morsche Äste, die gefährden den Verkehr, die Passanten, die parkenden Autos - deshalb sollen die drei Platanen noch diese Woche gefällt werden. Als Ersatz müssten Bäume gepflanzt werden, die den Belastungen in der Altstadt gerecht werden: wenig Platz, viel Verkehr - gerade auf den Wurzeln -, wenig Wasser wegen eines hohen Versiegelungsgrades. Zudem soll auf die Bedürfnisse der Anwohner geachtet werden, die über das lichtschluckende Blattwerk der Platanen klagen. „In diesem Jahr wird das aber nichts mehr“, umreißt Heß grob einen Zeitrahmen: Die Bäume sollen nach und nach ersetzt werden. Zuerst müsse das Thema die politischen Gremien passieren.

Die Grünen jedoch haben bereits einen Vorschlag in der Tasche: Ende Mai hatte die Fraktion erklärt, dass es sinnvoll sei, die Platanen durch Hainbuchen zu ersetzen. Die Pflanze sei widerstandsfähiger, die Krone kleiner und damit trockenresistenter. Eine Präferenz hat die AG „Begrünungskonzept Altstadt“ laut Hecker jedoch noch nicht. Doch er gibt bereits eine grobe Richtung aus, wie die Altstadt künftig aussehen könnte: „Es wird tendenziell weniger Bäume geben“, sagt er - fest stünde allerdings auch das noch nicht.

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