Er ruft auch im Frühling an: Michael Gaul nimmt Rolle als Nikolaus ernst

Mit langem Rauschebart: Michael Gaul in seinem Nikolaus-Kostüm. Foto:  Paulus

Laisa/Allendorf. Alle, die noch nicht über den Nikolaus aufgeklärt sind, bitte jetzt NICHT weiterlesen, denn wir verraten ein Geheimnis.

In Nikolaus-Kostüm steckt - zumindest in Laisa - seit zehn Jahren Michael Gaul aus Allendorf/Eder. Im „echten“ Leben Papiermacher in Hatzfeld und Vorsitzender des Männergesangvereins in Laisa. Der HNA hat der 43-Jährige erzählt, wie er zur Rolle des Nikolaus kam und was er darin schon alles erlebt hat.

Wie alles angefangen hat 

Der Nikolaus kommt jedes Jahr am 1. Advent zum Laisaer Weihnachtsmarkt und bringt Geschenke für die Kinder. Als vor gut zehn Jahren der bisherige Nikolaus-Darsteller aufhörte, haben die Organisatoren Michael Gaul gefragt, der damals noch in Laisa wohnte. „Ich habe die passende Figur dafür“, sagt er.

Sein erster Auftritt

„Mir war gar nicht bewusst, dass der Andrang so groß ist. Mit so vielen Kindern hatte ich nicht gerechnet“, erzählt Gaul von seiner Premiere als Nikolaus beim Weihnachtsmarkt. Als er noch nicht selbst in dem Kostüm steckte, hatte er am Sonntagnachmittag, wenn der Nikolaus kommt, meistens im Getränkestand oder beim Würstchenbraten Dienst für einen der vielen Laisaer Vereine, in denen er Mitglied ist.

Sein Kostüm 

Der Mann hinter dem Bart.

Es dauert ein paar Minuten, bis aus Michael Gaul der Nikolaus wird, denn der 43-Jährige legt großen Wert darauf, möglichst echt auszusehen und nicht erkannt zu werden. Zum Kostüm gehören eine rote Hose, ein roter Mantel, die rot-weiße Mütze, der weiße lange Bart, weiße Handschuhe, schwarze Stiefel („meine Feuerwehrstiefel“) und ein grüner Sack. Für seine Auftritte wechselt er sogar die Brille, damit ihn nicht doch Kinder daran entlarven. Und außer von einigen älteren Kindern sei er noch nie erkannt worden.

Die Verkleidung gehört der Laisaer Vereinsgemeinschaft, die den Weihnachtsmarkt veranstaltet, den Bart hat sich Michael Gaul selbst gekauft. „Der alte war nur aus Watte, der war nicht so schön.“

Wie er seine Rolle sieht 

„Ich bin kein böser Nikolaus, kein Bestrafer“, sagt Michael Gaul. Er verzichtet auf die Rute, bei ihm wird niemand in den Sack gesteckt. „Man kann die Kinder mal ermahnen, sollte aber das Positive herausstellen und sagen, was sie gut gemacht haben. Darum geht es doch, nicht um die Geschenke, bei denen sich jeder übertrumpfen will.“ Beim Laisaer Weihnachtsmarkt gibt es immer eine kleine Tüte für jedes Kind, dieses Jahr mit Nüssen, einer Süßigkeit und einem Leuchtball.

Ein gefragter Mann

Weil er den Nikolaus offenbar so gut spielt, bekam er schon im ersten Jahr Anfragen von Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen, auch für ihre Kinder zu Hause als Nikolaus aufzutreten. Mittlerweile ist er damit am 6. Dezember ausgebucht. Die Eltern geben ihm vorher die Geschenke und schreiben auf, was er über die Kinder sagen soll. „Es beeindruckt die Kinder natürlich, wenn ich sie persönlich anspreche und Dinge aus ihrem Leben weiß.“ Den Sohn seiner Cousine hat er als Nikolaus sogar mal im Frühjahr angerufen und ermahnt, nachdem er sein Spielzeug kaputt gemacht hatte. „Der Nikolaus sieht alles“, sagt Gaul.

So reagieren die Kinder 

Grundsätzlich seien die Reaktionen positiv, manche Kinder sagen Gedichte auf, andere schenken ihm gemalte Bilder. „Es hat noch nie ein Kind geweint, aber jüngere wollen manchmal nicht zu mir. Ich knie mich dann zu den Kindern und versuche, sie zu beruhigen“, sagt Gaul, der sich noch erinnert, wie er selbst als Kind sich vor dem Nikolaus hinter dem Sofa versteckt hat.

Seine Motivation 

Ihn selbst beeindrucke immer wieder, wie gespannt die Kinder auf den Nikolaus sind. „Es war schon schön, wie die Kinder am Sonntag beim Weihnachtsmarkt in der Kirche auf mich gewartet haben.“ Ein Kind hat sich danach sogar in einem Video, das ihm die Eltern bei Whats-App geschickt haben, für das Geschenk bedankt.

Geld will er für seine Auftritte übrigens nicht haben. „Ich spiele den Nikolaus, weil es mir Spaß macht.“

Quelle: HNA

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