Sommer im Sattel: Idylle, kleine Abenteuer im Dickicht und ein Abstecher für Ambitionierte

Rundtour im Lichtenfelser Norden

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Lichtenfels - Eine Radtour durch den Norden der Stadt Lichtenfels, gut 25 Kilometer lang mit wenig Steigungen: Das klingt nach einer gemütlichen Runde. Streckenweise muss der wackere Pedalritter allerdings aufpassen, dass er die Orientierung nicht verliert.

Der Weg ist das Ziel – vor allem gilt es, den richtigen zu finden. Eine aktuelle Radwanderkarte gehört deshalb bei diesem Ausflug unbedingt zur Grundausstattung, am besten in griffbereiter Form, mit Kartentasche am Lenker befestigt. Profis verwenden ein GPS-Gerät oder das mit einer entsprechenden App ausgestattete Mobiltelefon. Aber wie dem auch sei, Zwischenstopps an einigen Kreuzungen und Wegepunkten sind bei dieser Tour obligatorisch.

Als Start und Ziel bietet sich Goddelsheim an. Dort gibt es genügend Parkplätze und Gelegenheiten, um die Rucksackverpflegung einzukaufen oder zu ergänzen. Von der Ortsmitte führt die Strecke über die Sachsenberger Straße in den Aarweg. Kurz hinter der Bebauung geht die Gemeindestraße in einen asphaltierten Wirtschaftsweg über. Nach etwa 400 Metern zweigt ein Feldweg nach Süden ab und führt am Waldrand entlang bis zu einer Gabelung, an der man rechts abbiegt. Nach einem kurzen Anstieg kommt die Grillhütte in Sicht. Der Weg führt dann links an der Anlage vorbei und weiter in einem Bogen um den Großen Kohlknapp herum. An der nächsten Abzweigung geht es dann wieder nach links, Richtung Rhadern. Ein kurzes Stück muss dann auf der Landesstraße zurückgelegt werden. Vor dem Rhaderner Ortseingang biegt man dann nach links in die Straße Zum Mainholz ein und fährt am Seniorenzentrum vorbei durch Felder und Wiesen, auf denen Schatten suchende Rindergruppen unter großen Bäumen liegen. Noch idyllischer wird es im nächsten Abschnitt, der hinter der Fuchsmühle beginnt, die nach etwa vier Kilometern erreicht wird. Leicht bergauf führt der befestigte Waldweg östlich des Heimbachs um den Schulenberg (427 Meter) herum. Der Weg bietet eindrucksvolle Blicke in die nördlichen Ausläufer der Waldeckischen Schweiz.

Als Rastplatz zu empfehlen ist Gassels Eiche. Hier erinnert ein nicht sofort zu entdeckender Gedenkstein vor einer recht betagten Ruhebank an Dr. Kurt Gassel. Der Sohn des langjährigen Fürstenberger Jagdpächters aus Bochum fiel im Zweiten Weltkrieg, am 27. September 1943 in Russland. Seine Mutter ließ den Baum pflanzen und den Stein mit Bronzetafel aufstellen, um an dieser Stelle ihrem verstorbenen Sohn nahe zu sein.

Am Fürstenberger Forsthaus vorbei führt der Weg dann in die Igelstadt (Einkehrmöglichkeiten) hinein, bergab bis auf die Hauptstraße und dann auf dieser wieder ansteigend Richtung Osten. Am Ortsausgang führt die Strecke am Picknick- und Wanderparkplatz „Tor zum Kellerwald“ vorbei. Links zweigt dann die Straße Am Stepel ab. Dort geht es dann für etwa vier Kilometer auf dem Lichtenfelser Panoramaweg weiter. Das geschwungene „L“ auf blauem Grund markiert zunächst einen gemächlich ansteigenden Wirtschaftsweg, der auf der Anhöhe einen weiten Blick nach Norden freigibt. In der Ferne lassen sich bei klarem Wetter von hier aus die Kirchtürme Korbachs und die Windräder auf der Helmscheider Höhe gut erkennen. Schlecht erkennbar ist allerdings dann der weitere Verlauf des Weges. Teilweise überwuchern prachtvolle Disteln und üppige Brennnesseln selbst die Markierungspfosten.

War bis hierher ein Trekkingrad durchaus ausreichend – für diesen etwa einen Kilometer langen Abschnitt gilt diese Empfehlung nicht mehr. Selbst das Mountainbike muss zwei-, dreimal über umgestürzte Bäume gehoben werden, die den „Weg“ queren. Wenn die Stadt Lichtenfels, wie beabsichtigt, 2013 diese Strecke als eine von drei Radwegen einheitlich ausschildern will (wir berichteten), sollten diese Hindernisse beseitigt sein. Hat der ambitionierte Radler das kleine Abenteuer im Dickicht hinter sich gebracht, wartet am Fuße der Heckelsburg (407 Meter) die nächste Entscheidung: Rechts auf rund drei Kilometern Gefällstrecke bis nach Herzhausen und damit zum Edersee hin­abrollen oder lieber – den Gedanken an einen schweißtreibenden Wiederaufstieg im Hinterkopf – eine Rast an der Klosterruine einlegen. Die rückt nach einem kurzen Steilstück und der Abfahrt auf der Kreisstraße 50 Richtung Immighausen in greifbare Nähe.

Vor dem letzten Stück zurück nach Goddelsheim lockt eine ausgiebige Mittagspause im Schatten jahrhundertealter Klostermauern. Die Benediktinerinnen-Abtei wurde 1189 von der Reichsabtei Corvey zunächst in Goddelsheim, das seit 888 zu Corvey gehörte, gegründet, aber 1223 nach Schaaken verlegt. Das Kloster bestand bis 1591. Danach war es bis 1848 protestantisch-freiweltliches Frauenstift für weibliche Angehörige des Adels. Die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete spätromanisch-frühgotische Klosterkirche brannte 1518 aus, wurde aber in teilweise geänderter Form wieder aufgebaut. Nach 1848 wurde sie, ebenso wie das ehemalige Konventsgebäude, als Scheune des Stiftsgutes genutzt. 1913 brannte sie nach einem Blitzeinschlag erneut vollkommen aus. An einem Ort wie diesem relativiert sich vieles, auch bei der Überlegung, wie das Fazit dieser Tour ausfällt. Etwas anstrengend war es ja schon, aber doch nichts im Vergleich zum Pensum, das die Weinbergschnecke zurückgelegt hat, die nebenan auf zwei Metern Höhe pausiert. Und das nicht bloß mit Rucksack, sondern mit Wohnmobil.

von Thomas Kobbe

Die Karte zur Tour zum Download gibt es hier:

Karte Lichtenfels

495,72 kB

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