60 Jahre Rosenthaler Landjugend

Mit Schimanski zum Sieg beim Tanzen

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Im Jahr 1971 wurde die Rosenthaler Landjugend Sieger beim Hessischen Volkstanztunier – das Besondere: Sie waren auch Ausrichter des Turniers. Zwei Jahre später wiederholten sie den Erfolg.

Rosenthal - Als Marlies Mengel vor 60 Jahren die Rosenthaler Landjugend gründete, legte sie den Grundstein für einen ganz besonderen Verein, der das Leben in der kleinen Stadt bis heute prägt.

Der Bändertanz gehört zu den Markenzeichen der Rosenthaler Landjugend. Bei großen Festen wird er aufgeführt und wirkt, als hätte er schon immer zu der Stadt gehört. Dabei hat ihn vor etwa 60 Jahren die österreichische Ehefrau des damaligen Lehrers Möller aus ihrer Heimat mitgebracht. Als wenig später die Landjugend gegründet wurde, Gründungsvorsitzende war Marlies Mengel, übernahmen die Jugendlichen den Tanz in ihr Programm, wo er bis heute seinen festen Platz hat.

Wie den Bändertanz hat sich die Landjugend aus Rosenthal immer wieder „geliehen“, wofür sie im Dorf bekannt ist - etwa ihre Trachten: „Wir tragen nicht die Marburger oder die hessische Tracht“, erklärt der heutige Vorsitzende Michael Lerch - und eine eigene Tracht gibt es in Rosenthal ohnehin nicht. Also „basteln“ sich die Jugendlichen seit Jahrzehnten aus verschiedenen Trachten zusammen, was sie für modisch halten.

Ihrem Erfolg tat das keinen­ Abbruch. Besonders die 1970er-Jahre waren eine „goldene Zeit“ für die Rosenthaler Jugend. Zweimal errang die Gruppe beim hessischen Volkstanzturnier Rang zwei. Ebenso häufig wurde die Gruppe Erster: 1973 in Borken und 1971 beim Turnier in der Heimat - ein Ereignis, das bis heute im Gedächtnis der Mitglieder verankert ist und besonders in den vergangenen Jahren die Jugendlichen anspornte, alles zu geben. Zum erneuten „Heimsieg“ hat es im Jahr 2007 in der Sport- und Kulturhalle allerdings nicht gereicht.

Maßgeblichen Anteil an den tänzerischen Erfolgen der frühen Jahre hatte Tanzlehrer Hans Schimanski. Er über-nahm die Übungsstunden nach der Hochzeit der Gründungsvorsitzenden Marlies Mengel und leitete sie lange Jahre. Dem heute 84-Jährigen hat die viele Bewegung nicht geschadet: Er ist noch immer so fit, dass er am Jubel-Wochenende selbst nicht teilnehmen kann, da er in Singapur weilt.

Mit ihren Tänzen erfreut die Landjugend bis heute Gäste bei Seniorennachmittagen, dem Heimatfest, städtischen Veran-staltungen, Turnieren und anderen Anlässen. Besonders in der Frühzeit hatte der Verein auch die Aufgabe, den jungen Menschen auf dem Lande eine Beschäftigung zu bieten. Damals gab es wenig Abwechslung - kaum Autos, erst recht kein Internet: Die Jugend musste für ihr Vergnügen selbst sorgen. Sie tat dies etwa mit Tanzvergnügen - aus dem heute die „Après-Ski-Partys“ geworden sind.

Hinzu kam und kommt die Pflege von ländlicher Tradition, selbst wenn laut Lerch von derzeit 60 Mitgliedern und rund 20 Kindern im Verein nur ein Bruchteil tatsächlich aus landwirtschaftlichen Haushalten stammt. Zur Traditionspflege gehört etwa das Flechten der Erntekrone. Zweimal haben die Jugendlichen ihr Werk bereits Landespolitikern aus Wiesbaden überreicht - zuletzt im Jahre 2008 an den damaligen Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel, einen Diemelstädter.

Auf dem Programm der Jugendlichen steht seit jeher auch der Austausch mit Gleichgesinnten im Landkreis und darüber hinaus. „Zu den anderen Kreisgruppen pflegen wir ein freundschaftliches Verhältnis“, sagt Michael Lerch - so unterstützen sich die Jugendlichen etwa gegenseitig bei Auftritten. Oftmals geht es aber weiter als bis nach Laisa, Geismar oder Basdorf: In den 1960er-Jahren fuhren die jungen Rosenthaler nach Österreich, in den 1980er-Jahren nach Ungarn. Auch Finnland und Frankreich erhielten bereits Besuch aus dem kleinen Städtchen - ganz abgesehen von Berlin, München, Hamburg und anderen deutschen Städten.

Auch am Hessentag nimmt die Landjugend häufig teil - dieses Jahr hilft sie am Stand des Landesverbands.

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