Neujahrsempfang von Battenberg und Allendorf

"Schinderei gehört zum Leistungssport"

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Der frühere Spitzenathlet Sven Fischer beeindruckte die rund 400 Zuschauer im Allendorfer Bürgerhaus mit Berichten über den Profisport und Erinnerungen an seine Karriere.Foto: Mark Adel

Allendorf (Eder) - Der elfte gemeinsame Neujahrsempfang von Allendorf und Battenberg folgte dem seit Beginn eingehaltenen Konzept - doch der Gastredner hob sich ab. Es ging mal nicht um Wirtschaft, nicht um Autobahnanschlüsse und nicht um Politik.

Sven Fischer plauderte aus seinem Leben. Der frühere Biathlon-Star, der seit dem Karriereende als Wintersport-Experte fürs Fernsehen arbeitet, erzählte von der Kindheit, von der Zeit ab dem zwölften Lebensjahr in der Sportförderung der DDR, von der schweren Verletzung 1989, die das Karriereende hätte bedeuten können. 18 Jahre alt war Fischer damals. „Ich habe geheult, weil die Mannschaftskollegen Erfolg hatten und ich nicht“, erinnerte der heute 42-Jährige sich an die Zeit im Krankenhaus. Doch er kämpfe sich zurück. Die eigenen Grenzen zu erfahren und zu erweitern, ist für ihn nichts ungewöhnlich: „Schinderei gehört zum Leistungssport dazu.“ Er verfolgte auch die steigende Bedeutung der einstigen Randsportart.

1993 kam er in Kontakt mit den Allendorfer Viessmann-Werken: Sein Vater fragte nach Unterstützung und wollte Rabatt auf einen neuen Heizkessel. Das Unternehmen wurde Sponsor, und der junge Sven Fischer kam zum ersten Mal nach Allendorf. Er bekam auch Einblicke in die Produktion: „Das war eine wichtige Erfahrung“, berichtete er. Schließlich arbeiteten dort Menschen, damit er unterstützt werden konnte.

Gerade diese Förderung durch Sponsoren sei wichtig. „Ohne Unterstützung geht es nicht.“ Dabei dürfe man sich aber nicht zu sehr unter Druck setzen lassen. Ihm sei wichtig gewesen, sich nur um den Sport kümmern zu müssen. „Meine gute Seite war zwischen Start und Ziel.“ Viele Male ist er inzwischen im Oberen Edertal gewesen, „das Navi habe ich heute nicht gebraucht“.

Sven Fischer sprach offen über die Vergangenheit. Er sei das gewohnt, „wir mussten ja als Sportler gläsern sein“. Doping sei für ihn kein Thema gewesen, auch nicht zu DDR-Zeiten, als er noch nicht zur Elite gehörte. „Wer weiß, was gewesen wäre, wenn man es mir angeboten hätte“, sagte er mit Blick auf sein junges Alter. 2007 beendete er seine Karriere. Pfarrer Gerald Rohrmann sprach über die Jahreslosung „Gott nahe zu sein ist mein Glück“ und bezog sich dabei besonders auf das Glück.

Bürgermeister Claus Junghenn hatte die 400 geladenen Gäste aus Allendorf, Battenberg, Bromskirchen und Hatzfeld zu Beginn begrüßt: Vertreter aus Wirtschaft, Vereinen, Banken und Sparkassen, Kirchen sowie Kommunalpolitiker waren in das Bürgerhaus gekommen. Erstmals beteiligte sich die Gemeinde Bromskirchen finanziell. Junghenn verwies auf die angestrebte Verwaltungsgemeinschaft zwischen Allendorf und Bromskirchen.

Die musikalische Umrahmung übernahm das Ensemble Mountbatten-Brass unter der Leitung von Peter Becker.

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