Im Siebenjährigen Krieg wäre das gotische Gotteshaus fast zerstört worden

Schlachtfeld und Lazarett

Idylle an der Marienkapelle: Im 19. Jahrhundert sah man an auf dem Kirchengrundstück keine Festungsgräben mehr, die im Siebenjährigen Krieg zerstörte Treppe zur Marienkapelle war repariert worden.

Frankenberg. Der Siebenjährige Krieg zog Frankenberg mit seinen damals etwa 2500 Einwohnern mit Einquartierungen und Durchzügen arg in Mitleidenschaft. Die Liebfrauenkirche war zeitweilig akut von Zerstörung bedroht. 1759 besetzten Franzosen die Stadt und errichteten in der Stadtkirche ein Lazarett, in dem mehr als 200 Soldaten starben, die in einem Massengrab an der Nordseite der Kirche beigesetzt wurden.

„Ein Jahr später kampierte in und vor der Stadt ein angeblich 100000 Mann starkes französisches Heer, dessen Soldaten nicht nur die Stadtbevölkerung ausplünderten, sondern auch die Hospitalkirche zum Lazarett, ein Jahr später dann zum Mehlmagazin und Gefängnis machten, einen Holzplatz an der Liebfrauenkirche anlegten und das Hospital zur Kaserne umfunktionierten“, schreibt der Historiker Hans Becker.

Ein Festungsgraben wurde ausgehoben, dem sechs Häuser und neun Scheunen weichen mussten, Kirche, Schule und Pfarrhaus wurden verwüstet. Am 7. Juli 1760 brachen Franzosen den Eingang zur Orgel auf, spielten auf ihr, bis sie nicht mehr ging, und schleppten Pfeifen fort. Entstandener Schaden: 150 Gulden. Am 10. Juli benahmen sie sich „auf der Kanzel ungebührlich“, vernichteten die dort hängende Sanduhr und raubten das Altartuch, so Pfarrer Stausebach.

Im Juli 1761 wurde der Burgberg mit der Kirche zum Schlachtfeld, als der hessische Hauptmann Lange mit 100 Soldaten, zwölf Reitern und zwei „drei Pfund schießende Kanonen“ einer französischen Übermacht zwei Tage lang erbitterten Widerstand leistete und in einem dramatischen Gefecht das Dach des lutherischen Pfarrhauses durchlöcherte, bevor er überwältigt werden konnte. Die Sieger plünderten Kirche und Pfarrhäuser endgültig aus. Zum Glück blieb die Kirche heil, aber durch das Geschützfeuer wurde auch die Kirchentreppe stark beschädigt. Ein Sandstein von 1766 rechts vom Treppenaufgang zur Marienkapelle berichtet heute noch: „Anna Martha Caspar Dieterichs Witwe giebt zu Widerherstellung derer Anno 1761 von denen Franzosen ruinierten Treppen 50 Taler.“

Da der Kirchhof damals noch als Totenacker diente, war es in den Kriegsjahren manchmal schwierig, dort Beerdigungen zu halten. Die Witwe Anna Elisabeth Arnold musste 1760 zum Beispiel morgens um 5 Uhr in aller Stille beerdigt werden. 1759 wird allerdings auch von einem französischen Kommando berichtet, dessen Soldaten bei der Beerdigung eines dreijährigen Kindes sogar die Glocken „tapfer von Anfang bis Ende läuten halfen“.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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