Ein Urteil ist noch nicht in Sicht

Schlagstock-Strafverfahren: Offenbar kein zweiter Streifenwagen in Röddenau

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Frankenberg. In dem Strafverfahren gegen einen Polizeibeamten, der einen 16-Jährigen mit einem Schlagstock ins Gesicht geschlagen haben soll, ist noch kein Urteil in Sicht.

Am Freitag war Ottmar Vöpel, Leiter der Frankenberger Polizeistation, als Zeuge geladen. Im Wesentlichen ging es um die Frage, ob ein zweiter Streifenwagen zur Tatzeit in Röddenau war.

Hintergrund: Der Angeklagte hatte am fünften Verhandlungstag behauptet, die angeklagte Straftat habe sich nicht im Bereich Mühlenweg/Wiesenweg zugetragen, sondern in den Straßen Am Mühlrain/Am Niederfeld. Danach behauptete der Anwalt des Angeklagten, Zeugen seien durch Fotos in der Berichterstattung der Presse beeinflusst worden. Außer dem Angeklagten hatten alle bisher Befragten den Streifenwagen der Polizei im Bereich Mühlenstraße/Am Mühlrain gesehen. Gab es einen zweiten Streifenwagen?

Er müsse sich auf die Dokumentation der Einsätze durch den jeweiligen Dienstgruppenleiter verlassen, sagte Frankenbergs Polizeichef Vöpel. Danach gehe er davon aus, dass zur Tatzeit „kein zweites Fahrzeug in Röddenau war.“

Es lasse sich belegen, dass die beiden an diesem Abend für die zweite Streife eingeteilten Beamten „noch mit schriftlichen Arbeiten befasst waren“. Um 20.13 Uhr sei in der Dienststelle ein Textdokument geöffnet worden. Die nächste Einsatzmeldung sei um 21.40 Uhr eingetroffen und habe die zweite Streife wegen Farbschmierereien nach Haina geführt. Der Tatzeitpunkt muss vor 21.40 Uhr liegen, weil dem geschädigten Jugendlichen um 21.40 Uhr im Krankenhaus eine Blutprobe entnommen wurde.

Auf eine Frage von Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier sagte Polizeichef Vöpel, dass der Einsatz eines Schlagstockes im Polizeibericht dokumentiert werden müsse. Die Androhung eines Stock-Einsatzes müsse dagegen „nicht explizit gemeldet werden“. Ob sich eine solche Androhung im Bericht wiederfinde, hänge vom jeweiligen Berichterstatter ab. Der eine Kollege fasse sich kurz, der andere schildere Vorfälle ausführlicher. „Ich achte darauf, dass Berichte ordentlich geschrieben werden“, betonte Vöpel. Kurz nach dem Vorfall habe ihm der nun angeklagte Kollege „auf Befragen gesagt, er habe nicht mit dem Schlagstock geschlagen“.

Eine erneut als Zeugin geladene 17-jährige Jugendliche machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Fortgesetzt werden soll die Verhandlung nun am 22. April. Während Richterin Andrea Hülshorst die Beweisaufnahmen beim nächsten Termin schließen möchte, kündigte der Rechtsanwalt des Angeklagten weitere Beweisanträge an - unter anderem eine Nachbarschaftsbefragung im Bereich Am Mühlrain/Am Niedernfeld. „Die Lokalisierung ist von entscheidender Bedeutung“, sagte der Rechtsanwalt.

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Quelle: HNA

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