Wintervergnügen der Burgwaldspatzen

Aus Schmerz wird Scherz

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Gesungene Peinlichkeiten: So charmant wie die Burgwaldspatzen erinnert wohl niemand ein ganzes Dorf an die größeren und kleineren Fehlschläge des vergangenen Jahres.

Burgwald - Einige unangenehme Situationen hat das Jahr 2014 für die Birkenbringhäuser bereitgehalten. Und weil Lachen befreit, nahmen sich die Burgwaldspatzen der Missgeschicke ihrer Mitbürger wieder ganz ungeniert an.

Wer den Schaden hat muss für den Spott nicht sorgen – denn das machen in Birkenbringhausen seit Jahrzehnten die Burgwaldspatzen. „Wir können ruhig zum Wintervergnügen, über mich gibt es nichts zu berichten“, wird sich wohl der eine oder andere Dorfbewohner gedacht haben – und machte dann große Augen, als die singenden Herren zu einem Lied über jenes Missgeschick anstimmten, dass man am liebsten vergisst.

Davon gab es am Samstagabend im Burgwalder Dorfgemeinschaftshaus reichlich. Gleich zwölf mal holten sie zum liebevollen Spott, zu guten Ratschlägen an ihre Nachbarn und Freunde aus. Sie sangen von wildgewordenen Rasenmähern die das Dorf terrorisieren, von Autos die die Scheibe der Ausstellungshalle eines Autohauses durchschlagen, von viel zu kurzfristig geplanten Hochzeiten sowie von der einen oder anderen durchzechten Nacht und den bitteren Folgen am nächsten Tag. Verlorene Schlüssel, erloschener TÜV, überteuerte Wintermäntel, Selbstüberschätzung am Steuer und weitere Missetaten trieben dem einen oder anderen die Schamesröte ins Gesicht –die sich dann durch befreites Lachen in eine gute Geschichte für den nächsten Stammtisch auflöste.

Daniel Ayora Escandell kommt, Helmut Steiner geht

Den Anfang des Abends hatte, nach der Begrüßung durch den Vorsitzendes des gastgebenden Sportvereins, Oliver Junk, der ehemalige Gemeindebrandinspektors Karl-Heinz Bornscheuer gemacht. Offenbar nicht ausreichend: Belehrend trat Daniel Ayora Escandell, Sohn von Bornscheuers Nachfolger, auf die Bühne – und wurde sogleich in die reihen der Burgwaldspatzen aufgenommen. Später machte er eine ausgezeichnete Figur als Mickie Krause und sang dessen Mallorca-Hit „Nur noch die Schuhe an“.

Wie üblich überhäuften die Burgwaldspatzen das gut gefüllte Dorfgemeinschaftshaus mit einer ganzen Reihe von Sketchen. Im Jahr der Zukunftsreise von Marty McFly lautete das Motto dem Film entsprechend „Zurück in die Zukunft“. Statt DeLorean nutzen die Zeitreisenden ein neues Feuerwehrauto russischer Produktion. Im Jahr 2038 staunten die Reisenden nicht nur über das goldene Mario-Tschirner-Denkmal, sondern auch über das „Kreisfeuerwehrhaus auf der Trift“. Zuvor, noch im „Jetzt“, hatte Leo Walter als Ortsvorsteher Tschirner bereits weitere Ideen für die nahe Zukunft vorgestellt: Hochhäuser, ein Gewerbegebiet, ein Stadion für 150000 Besucher, ein Nachbau des Weißen Hauses als Amtssitz. Der gefoppte nahm es gelassen und mit Humor.

Es folgten Ausflüge ins Jahr 2000 wo Karl-Heinz Bornscheuer als „Martin von und zu Poppen“ ökologische Dildos an die Damen des Dorfes zu verkaufen versucht, ins Jahr 1249 wo der Kutschen-TÜV eine Inspektion des Gefährtes anordnet und dabei einen über den Durst trinkt und schließlich ins Jahr 1898, wo Michael Wickenhöfer als Kelner bei „Bilse“ an den nicht enden wollenden Sonderwünschen der weiblichen Gäste zu scheitern droht.

Wehmütig wurde es kurz bevor die Tanzband „Extra3“ aus Wetter übernahm: Von den Spatzen wurde Helmut Steiner verabschiedet, der bei seinem 19. Auftritt letztmalig Schifferklavier spielte.

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