Zehnte historische Rundfahrt in Battenberg

Von Schnapsgläsern und Schmiermaxen

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Historische Kulisse: Auf der Marburger Straße befand sich Anfang der 1950er-Jahre auch der Start- und Zielbereich der Motorradrennen „Rund um Battenberg“. Damals ging es allerdings in die entgegengesetzte Richtung.

Battenberg. - Benzingeruch in der Luft und „heiße Öfen“ in den Straßen der Bergstadt - mehrere Hundert Besucher haben sich bei der zehnten historischen Rundfahrt an die Zeiten der Battenberger Motorradrennen in den 1950er-Jahren erinnert. Die Rundfahrt bot für FZ-Volontär Marco Steber die Gelegenheit, einmal selbst „Rennluft“ zu schnuppern.

Die Rennen auf den Strecken „Rund um Battenberg“ und „Battenberg-Ring“ sind ein Stück Rennsporthistorie. Der Battenberger Motorsportclub (MSC) erinnerte am Sonntag mit der zehnten historischen Rundfahrt und einer Fahrzeugausstellung an jene Zeit, in der junge Rennsporttalente in der Bergstadt an den Start gingen und auf ihren Motorrädern und Gespannen um den Sieg kämpften.

Im Gegensatz zu den Rennen in den 1950er-Jahren ging es für die rund 60 Teilnehmer aber in die entgegengesetzte Richtung. Aus einem einfachen Grund: Denn würden die Fahrer in Richtung Schwimmbad starten, müssten sie nach einem Gefälle sehr stark bremsen, um die Kurve zu kriegen. So habe man dieses Problem nicht, sagt Lothar Guth vom MSC, der als Moderator durch die Veranstaltung führte. Außerdem ging es nicht im Renntempo durch die Straßen, sondern in gemäßigter Geschwindigkeit. „Es geht um den Spaß an der Freude“, sagte Guth in der Fahrerbesprechung - und daran hielten sich die Teilnehmer.

Das Fahrerfeld beschränkte sich nicht nur auf Zweiräder. Auch Old- und Youngtimer sowie Gokarts drehten ihre Runden. Den Hauptteil allerdings bildeten die Motorräder. Den Anfang machten dabei die „Schnapsgläser“. Der Name bezieht sich dabei nicht etwa auf den Zustand der Fahrer, sondern auf den geringen Hubraum der Maschinen, der gerade einmal so groß wie ein Schnapsglas ist. Aber auch Maschinen bis 250 Kubikzentimeter Hubraum und darüber hinaus gingen an den Start.

Was von außen eher gemächlich wirkte, erschien auf der Strecke selbst umso schneller: Mit einer BMW R50, die zu einer R60 umgebaut wurde, machte ich mich selbst als „Schmiermaxe“ - so werden die Beifahrer im Gespannrennsport genannt - daran, die 3,3 Kilometer lange Strecke aus Sicht der Fahrer in Augenschein zu nehmen. Mein „Chauffeur“: der 79-jährige Walter Schäfer aus Berghofen. 32 PS hat das Zweirad, das Schäfer als sein Lieblingsmotorrad bezeichnet. „Eine BMW glänzt nicht, wenn man sie geputzt hat, eine BMW glänzt beim Fahren“, sagt er.

An vier Punkten ist der Beiwagen am Motorrad befestigt. Wenn Schäfer ohne Passagier fährt, müsse er immer etwas Gewicht in den Beiwagen legen, sonst hebe sich das Gespann in den Kurven leicht vom Asphalt. Der Beiwagen muss aber nicht zwingend montiert sein: Die Maschine aus dem Jahr 1955 ist auch als Solomaschine fahrbar.

Zwar ist unser Tempo kaum mit der Geschwindigkeit zu vergleichen, mit der Größen wie die Gespannweltmeister Wilhelm Noll und Fritz Cron einst über die Straßen im Oberen Edertal rasten, aber ich bekomme doch ein ungefähres Gefühl dafür, wie es sich angefühlt haben muss.

Den Fahrtwind im Gesicht

Im Gegensatz zum komfor­tablen Fahrerraum eines Autos, der den Fahrer von der Außenwelt abschirmt, bin ich im Beiwagen mitten im Geschehen. Der Fahrtwind bläst mir direkt ins Gesicht und ohne Brille fangen die Augen schnell an zu tränen. Der Geruch von Benzin steigt mir in die Nase und in jeder Kurve merke ich, wie es das Motorrad - trotz der vergleichsweise geringen Geschwindigkeit - nach außen zieht. Automatisch beginne ich mich mit in die Kurve zu legen, um das Gespann in der Spur zu halten, obwohl ich weiß, dass dies nicht zwingend nötig ist. Als einzige Streckenbegrenzung dienen Strohballen und das rot-weiße Absperrband, das rund um die Strecke gespannt wurde. Die Zuschauer rasen an uns vorüber, oder viel mehr rasen wir an ihnen vorbei. Einige winken, andere machen Fotos und dann liegt der Start- und Zielbereich schon wieder hinter uns. Wir biegen in die erste Kurve ein und ich lehne mich erneut leicht nach rechts.

Nach drei Runden ist es auch schon wieder vorbei - und das schneller, als mir lieb ist. Gerne hätte ich noch einige weitere Runden gedreht. Aber auch so kann ich mir vorstellen, was den Reiz des Motorradrennsports ausgemacht hat und immer noch ausmacht.

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