Geismar

Schneidermeister Battefeld hilft seinem Verein aus

- Frankenberg-Geismar. Die Fahne des Geismarer Männergesangvereins war einmal ein echtes Schmuckstück: Eine Förstersfrau, die im Forsthaus bei Louisendorf lebte, hatte sie von Hand bestickt. Doch mehr als 100 Jahre haben ihre Spuren auf dem Stoff und in den Fäden hinterlassen.

Auch Schneidermeister Karl Battefeld, der selbst Sänger im Chor ist, kann nichts mehr für das gute alte Stück tun. Eine erneute Restauration wäre aufwändig und viel zu teuer für einen Verein. Der Männergesangverein hat deshalb entschieden, eine neue Fahne in Auftrag zu geben. Was genau darauf zu sehen sein wird, entscheidet der Verein. Doch wenn Farben und Motive beschlossen sind, wird Karl Battefeld wieder eine wichtige Rolle spielen: Er wird die einzelnen Bestandteile zu einer Fahne vernähen. Der Schneidermeister ist 81 Jahre alt. Sein ehemaliger Beruf ist heute nur noch ein Hobby. Er mag seine Werkstatt nicht aufgeben, und so verbringt er noch immer ein wenig Zeit an Nähmaschine und Bügeleisen. Aufträge nimmt er nicht mehr an, nur ab und zu erfüllt er den Vereinen aus dem Dorf einen Wunsch.

Die Fahne des Geismarer Heimat- und Kulturvereins ist ein besonderes Beispiel: Sie ist aus Leinen genäht, das auf den Webstühlen des Vereins entstanden ist. Die Geismarer Friedenseiche, ein Rapsfeld und das Schiffchen eines Webstuhls zieren die Fahne. Für die neue Fahne hat der Geismarer dem Männergesangverein, in dem er seit 60 Jahren aktiv mitsingt, seine Hilfe versprochen. Die neue Fahne wird jedoch nicht handbestickt werden – es gibt niemanden mehr, der diese Aufgabe wie die Förstersfrau vor mehr als 100 Jahren ehrenamtlich übernehmen könnte, erläutert der Schneidermeister. Zwar gibt es Fahnenstickerinnen – aber die zu beauftragen, kann sich kaum ein Verein leisten. Deshalb werden die Motive maschinell aufgestickt werden.

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