Für Vanessa Plett aus Willersdorf ist die Fotografie mittlerweile mehr als eine Freizeitbeschäftigung

Schöne Momente im Foto festhalten

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Frankenberg-Willersdorf - Vanessa Plett ist begeisterte Fotografin, und von ihren Fotos sind auch andere begeistert. Das gibt der jungen Frau aus Willersdorf Hoffnung, dass sich irgendwann ihr Traum erfüllt: als hauptberufliche Fotografin zu arbeiten. Derzeit richtet sie den Fokus hauptsächlich auf Gesichter - die dann bei „Facebook“ zu sehen sind. Das soziale Netzwerk nutzt sie, um bekannter zu werden.

Fotografieren kann jeder, ist eine ziemlich weit verbreitete Meinung. Und ganz falsch ist dies auch nicht: Automatikprogramme moderner Digitalkameras helfen bei Wahl von Blende und Verschlusszeit. Viel mehr, als das Knöpfchen einmal durchzudrücken, ist nicht nötig, um ein Motiv auf der Speicherkarte zu sichern und damit den Moment für die Ewigkeit festzuhalten.

Exakt solche „Knipps-Knipps-Bilder“ hat auch Vanessa Plett geschossen, damals, als Fünftklässlerin, als sie mehr oder weniger das erste Mal eine Kamera in der Hand hielt. „Ob auf Klassenfahrten oder Feten, meistens war ich diejenige, die für die Fotos zuständig war“, erzählt die junge Frau aus Willersdorf. Es habe ihr einfach Spaß gemacht zu fotografieren.

Erst Partyfotos, dann Porträtbilder für Freunde

Der Spaß am Fotografieren ist bis heute geblieben, doch die Qualität der Fotos hat sich verändert - auch wenn die Bewertung von Bildern immer sub-jektiv ist. Was ist schon ein gutes, was ein schlechtes Bild? Diese „Knipps-Knipps-Bilder“ sind jedenfalls nicht der Maßstab der 19-Jährigen. Ihr Anspruch ist höher - und die Qualität ihrer Arbeit ebenfalls. Sie liefert (Handwerks-)Kunst, denn nicht weniger als dies ist Fotogra-fie auf professionellem Niveau.

Bislang hatte Vanessa Plett noch keinen Lehrmeister, doch sie beherrscht schon weit mehr als das kleine Einmaleins der Fotografie. Lernen durch Ausprobieren sei ihre Devise. „In Bedienungsanleitungen oder andere Handbücher habe ich eigentlich auch noch nie geguckt“, sagt sie. „Mit den Fachbegriffen kenne ich mich eigentlich auch nicht so aus.“ Doch dafür probiert sie seit 2010 fast täglich aus. Und hin und wieder „googelt“ sie im Internet, um sich Tipps und Anregungen für Motive zu holen.

Für ein nordhessenweit erscheinendes Magazin hat Vanessa Plett zunächst in Disco-theken Partyfotos gemacht, seit vergangenem Jahr befasst sie sich mit der „Königsdisziplin“: der Porträtfotografie. „Freunde haben mich gefragt, ob ich von ihnen Porträtbilder mache“, erzählt die Willersdorferin, die ihre Ausbildung als kaufmänni-sche Angestellte abgeschlossen hat und momentan Bewerbungen schreibt. Von den Ergebnissen seien sie begeistert gewesen. Dass sie gute Arbeit abliefert, sprach sich schnell rum - und wurde wahrgenommen, auch von anderen Freunden und Bekannten, denn die meisten der „Auftraggeber“ stellten die Porträtbilder von sich im Netzwerk „Facebook“ ein. „Ich habe dann immer mehr und mehr Anfragen bekommen“, erzählt sie, und so wurde aus dem Hobby zwar noch kein Beruf, aber immerhin schon weit mehr als nur ein Zeitvertreib: Im November vergangenen Jahres meldete sie ein Gewerbe an: „VP Photography“. Ihrem großen Traum ist sie damit zumindest ein ganzes Stück näher-gekommen: „Ich würde schon gerne eine richtige Ausbildung zur Fotografin machen.“ Doch sie weiß, dass diese Stellen selten sind und dass es dauerhaft nur wenigen Fotografen gelingt, von ihrer Passion zu leben.

Mit Gedanken wie diesen will sich Vanessa Plett aber nicht zu sehr beschäftigten. Sie will lieber fotografieren, weil „es mir so viel Spaß macht“. Besondere Freude habe sie bei „Pärchen-Shootings“, die „mache ich am liebsten“. Ihre „Motive“ hole sie immer zu Hause ab, um gemeinsam nach den „passenden Locations zu gucken“, denn auf den passenden Hintergrund legt sie Wert, auch wenn eigentlich das Pärchen das zentrale Motiv ist: Ein guter Hintergrund verstärkt schließlich den Ausdruck. Mal fotografiert sie ihre Kunden auf der grünen Wiese, andere vor Industriebrachen, auf Brücken, vor Wohnhäusern.

Ihr Arbeitsgerät ist eine Digitalkamera von Canon, ein Gerät, das viele Hobby-Fotografen benutzen. „Wenn ich es mir leisten kann, will ich mir eine bessere kaufen“, sagt sie. Doch auch ohne Profi-Ausrüstung sind die Fotos profimäßig - vielleicht ein weiterer Beleg, dass eben doch der Fotograf und nicht die Technik für das Ergebnis entscheidend ist.

„Bekomme gesagt, dass ich ein ,Eisbrecher‘ bin“

Knipps-Knipps kann jeder, ein Auge für das Motiv haben wenige. Vanessa Plett hat es. Und sie hat noch mehr: das offensichtliche Talent, dem „Modell“ die Scheu vor der Kamera zu nehmen, denn viele Menschen verkrampfen, wenn sie vor der Kamera stehen. „Die Leute müssen Spaß dabei haben“, sagt die Fotografin. Und es gelinge ihr sehr gut, diesen Spaß zu vermitteln, „wird mir jedenfalls immer wieder gesagt. Ich habe schon oft gesagt bekommen, dass ich ein ganz guter ,Eisbrecher‘ bin“.

Und in der Tat sind ihre Fotos alles andere als unterkühlt: Ob Mädchen oder Junge, Frau oder Mann, ob in der Blumenwiese oder vor dem Sportwagen, die Gesichter zeichnet eine Lockerheit. Die Motive sind alle „gestellt“, doch so wirken sie nicht. Sie sind schön, besonders, und doch irgendwie mitten aus dem Leben. „Ein bis zwei Stunden dauert in der Regel so ein Shooting“, erzählt Vanessa Plett. Das Ergebnis sind dann in der Regel 500 Aufnahmen. Viele davon sind nicht zu gebrauchen, weil sie nicht ihren Maßstäben entsprechen. Mal ist ein Auge zu, mal lenkt ein winziges Detail im Hintergrund zu sehr vom Hauptmotiv ab. „50 bis 70 Bilder bearbeite ich dann zu Hause am Computer nach.“ Drei bis vier Tage nach den Aufnahmen händigt sie dann eine CD mit den Bildern aus.

Besonderen Spaß hat ihr vor kurzem ein Foto-Shooting mit einem Pferd bereitet. „Das hat fast drei Stunden gedauert, da wir lange warten mussten, bis das Pferd auch richtig gestanden hat“, - gute Arbeit dauert ihre Zeit: „Gerade bei Bildern mit Tieren muss man auf den passenden Moment warten.“ Auch bei Menschen hat sie es auf diesen einen Moment abgesehen. „Schöne Momente sollte man festhalten“, lautet ihr Credo.

Etliche Fotos hat Vanessa Plett auf ihrer „Facebook“-Seite abgelegt. Kontakt außerdem per E-Mail: vannelsche@yahoo.de.

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