Wanderer im Oberen Edertal auf geschichtsträchtigen Pfaden

Schon 1974 entlang der Grenzen

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Diese Schullandkarte ist fast 100 Jahre alt und zeigt die Grenzen des früheren Kreises Frankenberg Die Orte im oberen Edertal gehörten bis 1932 nicht zum Kreis Frankenberg, sondern zum Kreis Biedenkopf. Walter Sellmann zeigte sie den Wanderern beim Start der Grenzwanderung in der Dorfmitte Rennertehausens.Fotos: Ursula Strieder

Allendorf/Battenberg - Eine lange Tradition hat beim Gebirgs- und Wanderverein Oberes Edertal die Wanderung "An alten Grenzsteinen entlang". Immer war der jetzige Ehrenvorsitzende und Vereinsgründer Walter Sellmann Wanderführer.

Allendorf/Battenberg. Sellmann führte erstmalig 1981 eine Wanderung entlang alter Grenzen, nachdem bereits bei der Wandergruppe des TSV Battenberg, der Vorläuferorganisation des jetzigen Wandervereins, 1974 eine Grenzwanderung mit Rektor Heinz Brandt aus Frankenberg stattgefunden hatte. Seit 1981 findet beim Gebirgs- und Wanderverein Oberes Edertal jeweils im November eine Grenzwanderung statt. Viele Touren führten entlang der historischen Landesgrenze zwischen dem Kurfürstentum „Hessen Cassel“ und dem Großherzogtum „Hessen Darmstadt“, die 1650 gezogen wurde.

Am Sonntag führte Sellmann von Rennertehausen aus wieder zur alten Landesgrenze im Gerstenhügel und Buchwaldkopf. Die große Wandergruppe sah sich einige der gut erhaltenen Grenzsteine mit den Nummern 59 bis 66 an. Während der Stein Nummer 66 erst nach dem Wiener Kongreß im Jahre 1817 aufgestellt wurde, stammt der benachbarte Stein 65 noch von der ersten Serie, die 1650, zwei Jahre nach dem Ende des 30jährigen Krieges, aufgestellt wurde. Oberhalb der Ederstede kam die Gruppe an einem Stein vorbei, der ursprünglich in der Eder stand.

Sellmann beschäftigt sich bereits seit 1969 mit den alten Grenzsteinen der historischen Landesgrenze, die er alle aufsuchte, abzeichnete und kartierte. Entlang der Grenzen des ehemaligen „Amt Battenberg“ hat er 260 Grenzsteine gefunden. Er stellte Ende der 70er Jahre seine Arbeit dem Land Hessen zur Verfügung, seitdem wirkt er auch als ehrenamtlicher Obmann für die historischen Grenzsteine.

An den Grenzgängen der Gemeinde Allendorf und zuvor vom früher selbständigen Dorf Rennertehausen wirkte er als Organisator und Wanderführer seit 40 Jahren mit. Das berichtete Sellmann seinen Wanderfreunden bei einer Einkehr mit Kaffeetafel im Seniorentreff des Museums in Rennertehausen.

Während der Wanderung am Sonntag gab Sellmann zusätzliche heimatgeschichtliche Informationen zur alten Kölnischen Handelsstraße des Mittelalters und zum Verlauf der Wasserscheide zwischen Rhein und Weser im Segelsberg. Am Tag zuvor fand der „Nachmittag der Erinnerungen“ des Wandervereins im Gasthaus zur Post in Battenfeld statt. Für die meist älteren Vereinsmitglieder weckte Walter Sellmann mit Dias Erinnerungen an Wanderungen vor 30 und 20 Jahren.

Vorsitzender Erwin Strieder dankte seinem Amtsvorgänger für sein engagiertes Mitwirken bei den beiden Veranstaltungen des „Wochenende der Erinnerungen“. (ust)

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