Mitglieder der „Komödie Frankenberg“ räumen die Kleiderkammer auf

Je schräger und bunter, desto besser

+

- Frankenberg (apa). Abendkleider mit Rüschen und Volants, ausgefranste Zylinder, Krawatten aus den 70er-Jahren, ein blauer Samtumhang neben einem Jackett mit breiten roten Streifen oder auch ein Hut in Form eines Tannenbaums samt Weihnachtskugeln – die Kostümsammlung der „Komödie Frankenberg“ ist quietschbunt.

Die Theatergruppe hat mit den Jahren (und Stücken) einen ganzen Reigen schriller, schräger, bunter und höchst amüsanter Kleidungsstücke gesammelt. Am Dienstag trafen sich einige Mitglieder zum Aufräumen und Ausmisten, zum Sichten und Sortieren. Denn der Fundus der „Komödie“, für den die Ortenbergschule einen Raum zur Verfügung gestellt hat, quillt schier über. Deshalb wurden erst einmal Kisten, Wäschekörbe, Taschen und Tüten voller Kleidung und Accessoires ausgeräumt. Jedes einzelne Stück wurde begutachtet und sortiert. „Entscheidend ist, wie es auf der Bühne wirkt“, sagt Heike Höhl, die die Darsteller der „Komödie“ für die Aufführungen einkleidet.

Auf der Theaterbühne wird die Wirkung von Kleidung oft ins Gegenteil verkehrt: Was im Alltag schlicht und elegant wirkt, ist im Scheinwerferlicht farblos und langweilig. Was an der Kleiderstange dagegen noch schrill und geschmacklos erschien, sorgt für das gewisse Etwas im Stück. Bei der Aufräumaktion landeten deshalb nur Stücke im Altkleidersack, die unscheinbar, zeitlos und unauffällig sind. Die Bandbreite der Kleidung ist ebenso groß wie die der gespielten Stücke. Ob das Freilufttheater „Die Bürger von Frankenberg“, das im Jahre 1373 spielte, Oskar Wildes Stücke mit Handlungen im 19. Jahrhundert oder zuletzt Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ mit Geschehnissen um 1950: Für große und kleine Ensembles müssen Kleider und Ausstattung herbei. Als oberste Regel für jedes Kostüm gilt: Darsteller dürfen nie verkleidet wirken – es sei denn, es ist für die Rolle so vorgesehen.

Rund 60 Jacketts, teils mit passenden Hosen, 40 Mäntel sowie eine stattliche Anzahl Kleider bilden den Grundstock des Fundus: Vom Abendkleid mit Rüschen und Volants über ein schlichtes 60er-Jahre-Brautkleid bis hin zu Cocktailkleidern aus den 80ern reicht die Palette. Hinzu kommen Hemden, Blusen, T-Shirts, Korsagen, Schürzen, Tücher, Gürtel, Schuhe und Taschen in allen Größen. Weitere Kisten sind gefüllt mit Hüten, Krägen, Westen, Federboas, Fächern und Fliegen. In anderen Boxen finden sich Kleidungsstücke und Accessoires mit Pailletten und Glitzersteinen, in den nächsten Hawaii-Hemden, eine andere trägt den Schriftzug „1001 Nacht“, in der nächsten sind Dirndl.Viele Kleider hat die Komödie als Spenden bekommen.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Mittwoch, 28. Dezember

Kommentare