Frankenberger Realschüler sammeln Erfahrungen in Betrieben

Schüler lernen das Berufsleben kennen

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Frankenberg - Betriebspraktika erleichtern nicht nur die Entscheidung bei der Berufswahl, sie ermöglichen auch einen Einblick in die alltägliche Arbeitswelt. Seit mehr als zwei Wochen sammeln die Neuntklässler der Burgwaldschule praktische Erfahrungen.

Das Schulpraktikum hat an der Burgwaldschule eine lange Tradition. Es soll den Schülern bei der Berufsorientierung behilflich sein. Deshalb absolvieren rund 180 Realschüler seit zweieinhalb Wochen in Betrieben des Landkreises Waldeck-Frankenberg ein Praktikum. Ob sich alle Jugendlichen später für den gewählten Berufszweig entscheiden, muss sich noch zeigen. Doch ein Blick in die Unternehmen zeigt: Einige der Schüler haben Gefallen an der Arbeit gefunden.

So zum Beispiel der 14-jährige Mexhit Brava, der durch seinen Vater den Einfall hatte, sein Schulpraktikum in der Kfz-Werkstatt Emini zu absolvieren. Gleich am ersten Tag sei er von den Mitarbeitern freundlich aufgenommen worden. Sein zuständiger Betreuer teile ihm jeden Tag abwechslungsreiche Aufgaben zu. In den ersten Wochen half er bei Inspektionen, dem Ölwechsel, der Reifenmontage und beim Fahrwerkwechsel. „Mir macht die Arbeit Spaß, weil ich selbst mit anfassen kann“, sagt Mexhit Brava. Viele seiner Erwartungen an das Praktikum hätten sich erfüllt. Ob er diesem Job auch später nachgehen möchte, hält er sich offen. „Ich könnte mir gut vorstellen, in diesem Bereich zu arbeiten, aber entschieden habe ich mich noch nicht.“

Büroarbeit statt Handwerk

Im Gegensatz zu Mexhit Brava muss Theresa Pleger keine spezielle Arbeitskleidung tragen. Die 14-Jährige sollte lediglich souverän gekleidet sein. Sie macht ihr Praktikum bei FingerHaus in drei verschiedenen Abteilungen. Jeweils eine Woche wird sie in der Zentrale, im Verkauf und im Marketing eingesetzt. Unter anderem frankiert und beschriftet die Praktikantin Briefe, sie packt Pakete ein, bringt diese weg und prüft Lieferscheine.

Beim „Tag der Ausbildung“ in der Ederberglandhalle ist Theresa Pleger auf den Betrieb gestoßen und war schnell überzeugt. Daraufhin bewarb sie sich schriftlich im Bereich Marketing und Kommunikation.

„Meine Erwartungen haben sich alle erfüllt“, stellt die Schülerin zufrieden fest. Die Wünsche, dass ihr etwas zugetraut werde und sie selbst tätig werden dürfe, hätten sich verwirklicht. „Ich kann mir gut vorstellen, bei FingerHaus einen dieser Berufe auszuüben“, wagt sie einen Blick in die Zukunft.

Der Umgang mit Kunden

Theresas Mitschülerin Fabienne Hartmann befasst sich derweil mit dem Beruf der Buchhändlerin in der Buchhandlung Jakobi. Sie sei freundlich von ihren Kollegen aufgenommen worden. So bekomme sie große Unterstützung bei der Anfertigung der Praktikumsmappe, und auch bei Fragen würden sich die Mitarbeiter viel Zeit für sie nehmen.

Die Aufgaben der 15-Jährigen sind vielseitig. Schon nach etwa zwei Wochen durfte Fabienne eine Grundschulklasse durch den Buchladen führen. Ansonsten sind ihre Aufgaben das Kontrollieren des Wareneinganges, das Kassieren, das Einpacken von Geschenken - ab und zu berät die Praktikantin auch die Kunden. Außerdem bereitet sie jeden Morgen den Verkauf der Ware vor, indem sie den Kartenständer und den Tisch mit den Büchern vor dem Laden platziert.

„Mein Ziel ist es, später mal im Labor zu arbeiten, aber ich möchte auch in andere Berufe einen Einblick gewinnen“, verrät die 15-Jährige. Sie hält den Beruf der Buchhändlerin aber für eine gute Alternative.

Regina Heinz entschied sich für ein Praktikum in der Kieferorthopädie-Praxis von Dr. Alexandra und Dr. Alin Boboc. Dort macht sie sich ein Bild vom Beruf der zahnmedizinischen Fachangestellten. Auf die Idee kam die Schülerin, weil sie selbst dort in Behandlung war.

Bei neuen Aufgaben würde ihr alles genau erklärt und geholfen. Sie empfängt Patienten, assistiert beim Anlegen einer Zahnspange, gießt Abdrücke und sterilisiert die Instrumente. Da sie viel Kontakt mit Patienten hat, gelten besondere Hygienevorschriften. Regina Heinz muss Handschuhe und weiße Kleidung tragen. „Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich später in diesen Beruf einsteigen möchte“, sagt sie. Die 15-Jährige will noch in andere Berufe reinschnuppern, bevor sie sich festlegt.

Besser als gedacht

„Ich hätte nicht gedacht, dass der Beruf mir so viel Freude bereitet“, ist der 15-jährige Mario Fleck begeistert von seinem Praktikum. Durch sein Interesse für große Maschinen kam ihm der Einfall, sein Praktikum bei Raiffeisen als Landmaschinenmechaniker zu absolvieren. Dank seines Onkels, der Landwirt ist, hat er einen Vorteil bei der Arbeit. Denn auch zu Hause war Mario in diesem Bereich schon tätig. Bei Raiffeisen baut er zum Beispiel Maschinen zusammen oder er wechselt das Öl. Der Schüler kann sich durchaus vorstellen, später eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker zu machen, doch festlegen möchte auch er sich noch nicht.

Am Freitag endet die Zeit für die Neuntklässler in den Betrieben, ab Montag heißt es dann wieder Mathe statt Zahnmedizin und Geschichte statt Mechatronik.

Von Tabea Longo

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