Berufseinstieg für Schüler

Schülern Wege in die Arbeitswelt ebnen

+

Frankenberg - Mit einem weiteren Projekt unterstützt die Ortenbergschule ihre Hauptschüler beim Übergang in die Berufswelt.

Was macht die Bewerbungsmappe? Wie war‘s im Praktikum? Gibt‘s Probleme mit einem Ausbilder? Unzählige Gespräche führt Jana Arnold jeden Tag. Ihre Tür gleich neben dem Sekretariat steht eigentlich immer offen - sofern nicht vertrauliche Gespräche mit den Jugendlichen erforderlich sind. Jana Arnold ist Berufseinstiegsbegleiterin an der Ortenbergschule. Seit Dezember 2010 ist sie für die wichtige Schnittstelle am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt verantwortlich, sie soll dazu beitragen, dass Jugendliche diesen Weg erfolgreich beschreiten.

Hilfen erforderlich

Das ist nicht immer der Fall. Trotz der beiden Pflichtpraktika in Betrieben und der regelmäßigen Berufsorientierung im Unterricht entwickeln manche Jugendliche keine Vorstellung, wie ihre berufliche Karriere einmal aussehen könnte. Sie benötigen daher gezielte Hilfestellungen. Grund genug, um das Projekt an der Schule zu starten. Beschäftigt wird Arnold über das Bildungszentrum für Handel und Dienstleistungen.

Am Anfang waren einige Abstimmungen in der Schule erforderlich, um Kompetenzen etwa mit den anderen Sozialarbeitern zu klären. Seitdem läuft das Programm. Mit den Lehrern und mit dem Frankenberger Berufsberater Harald Rudolph wählt Arnold Hauptschüler der achten Klasse aus, die für eine Begleitung von bis zu drei Jahren in Frage kommen. Meist haben sie einen besonderen Förderbedarf. Für die Jugendlichen ist die Teilnahme freiwillig.

Zunächst muss Arnold mit den Jugendlichen grundlegende Fragen klären: Was für einen Beruf will ich? Was kann ich? Wie bewerbe ich mich? Arnold hilft bei der Suche nach Betriebspraktika und begleitet ihre Schüler auch dort. Sie hakt nach, fragt nach Bewerbungen.

Bei Problemen der Schüler steht Arnolds Tür den immer offen, sie ist jeden Vormittag in der Schule. Außerdem gibt sie im Rahmen des Wahl-Pflicht-Unterrichts einen Kurs zur Berufswahl. Die Herausforderung sei, bei den Schülern das Interesse an Berufswahlfragen“ zu wecken, sagt sie. In manchen Fällen fehle den Jugendlichen auch einfach die Ernsthaftigkeit. Diese Erfahrung hat auch der am Donnerstag verabschiedete Rektor Erhard Wagner gemacht: Viele Jugendliche könnten sich nicht an den Gedanken gewöhnen, den „Schutzraum“ Schule zu verlassen, um ins doch fremde Berufsleben mit neuen Pflichten einzusteigen.

Wichtig ist auch das Elternhaus - doch oft genug kümmern sich gerade bei Problemfällen die Väter und Mütter nicht genug um ihren Nachwuchs. Dabei wissen Fachleute, dass bei der Berufswahl noch immer die Eltern ein entscheidendes Wort mitzureden haben. „Wo sie nicht mitmachen, wird es ganz schwierig“, berichtet Arnold. „Sie müssen mitspielen.“ Deshalb bemüht sie sich auch da um den Kontakt, versucht, bei ihnen „Interesse zu wecken“.

Im vorigen Jahr hat sie zehn Schüler des Abschlussjahrgangs betreut. Drei von ihnen haben im August eine betriebliche Ausbildung begonnen. Zwei sind zur Berufsfachschule gewechselt und streben die Mittlere Reife an - mit guten Aussichten, betont Arnold. Drei Schüler haben „berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen“ begonnen, die Kreishandwerkerschaft und das Berufsförderungswerk für Handwerk und Industrie helfen ihnen, den Hauptschulabschluss nachzuholen und sich auf eine Lehre vorzubereiten. Und die übrigen drei Schüler wiederholen das letzte Jahr, um dann den Sprung in die Berufswelt zu schaffen. „Die Quote ist ganz gut“, erklärt sie.

Aber auch nach der Vermittlung einer Lehrstelle ist für Jana Arnold die Arbeit noch nicht zu Ende: Sie betreut ausgewählte Jugendliche auch bis zu ein Jahr nach Ausbildungsbeginn. Das soll dazu beitragen, einen für Betriebe teuren und für Jugendlichen frustrierenden Abbruch der Lehre zu vermeiden.

Arnold baut auch auf der Arbeit von Birgit Huft von der Kreishandwerkerschaft auf, die an der Schule einige Jahre Ansprechpartnerin in Sachen Berufswahl und Betriebspraktika war. Damals haben sich die Kontakte zu heimischen Firmen gefestigt. Auch der Kontakt zum Frankenberger Arbeitskreis Schule-Wirtschaft sei „wunderbar“ - Sprecherin ist die neue kommissarische Leiterin der Schule, Cornelia Schönbrodt.

Arnold setzt zudem auf eine enge Zusammenarbeit mit den Betrieben. Zum einen muss sie wissen, wer in welchen Berufen ausbildet, wer Leute sucht und welche Anforderungen bestehen. Zum anderen versucht sie, die Ausbilder „für die Schüler zu sensibilisieren“: Sie sollen eine Chance bekommen, sich im Betrieb zu beweisen.

Firmen denken um

Sie macht bei Firmen durchaus ein Umdenken aus: In Zeiten des Facharbeitermangels bilden sie zunehmend auch Schüler aus, die nicht mit Bestnoten glänzen können. Nicht selten überzeugen sie dennoch durch Motivation und Leistung. Weiterer Aspekt für Arnold: „Viele Betriebe nehmen lieber einen Hauptschüler als einen Gymnasiasten - der nach der Ausbildung studieren geht.“

„Derzeit betreue ich 15 Jugendliche intensiv“, berichtet sie. Und weiterer Bedarf wäre da: „Das Programm müsste ausgeweitet werden“, findet die gelernte Sozialarbeiterin. Dabei hat sie selbst kaum Planungssicherheit, sie bekomme nur Jahresverträge - soll Schüler aber bis zu drei Jahre betreuen. „Wie soll ich da eine Beziehung zu Jugendlichen aufbauen?“ Die Ortenbergschule ist dennoch froh, die Berufseinstiegsbegleiterin zu haben.

Kommentare