Hatzfeld

Schüsse auf den Festwirt

- Hatzfeld (pk). Weil er einen Festwirt bedroht und mit einer Schreckschusspistole herumgeballert hat, muss ein 22-jähriger Mann aus Hatzfeld eine Geldstrafe in Höhe von 2090 Euro zahlen.

Im Juli fand ein Kinderfest in Hatzfeld statt. Nachdem der Festwirt die letzten Gäste verabschiedet und das Zelt geschlossen hatte, bemerkte er drei Betrunkene, die im Zelt randalierten. „Die waren voll und sagten, sie suchen ein Handy“, berichtete der 57 Jahre alte Zeuge. „Wir haben sie aus dem Zelt herausgedrängt und wurden von ihnen böse tituliert.“

Mit einer Holzlatte sei der Angeklagte dann auf den Festwirt und dessen Sohn losgegangen, wurde aber von seinen beiden Begleitern zurückgehalten. „Er drohte mir damit, mir eine Kugel in den Kopf zu jagen und meinen Wohnwagen zu durchlöchern“, sagte der Zeuge. Dann seien die drei Randalierer verschwunden – bis der Festwirt, sein Sohn und seine Frau etwa eine halbe Stunde später Schüsse hörten.

„Die beiden Begleiter konnten mein Sohn und ein Mitarbeiter überwältigen und festhalten, aber der Angeklagte schoss zweimal auf mich und verschwand dann.“ Getroffen hatte der 22-Jährige den Festwirt nicht. Der Angeklagte entschuldigte sich beim Festwirt für die Vorfälle. Allerdings blieb er bei seiner Aussage, dass er sich nicht an die Nacht erinnern könne. Dies wiederum glaubte die Vorsitzende Richterin Andrea Hülshorst nicht so recht.

Der Angeklagte habe am Morgen nach der Tat bei der Polizei einen Atemalkoholtest verweigert. Der richterlich angeordnete Bluttest ergab einen Promillewert von 1,29. Hochgerechnet bedeute dies, dass der 22-Jährige während seiner Schießerei maximal 2,14 Promille hatte. Laut Gutachten reiche dies „im Allgemeinen nicht für einen Vollrausch“ – daher seien auch die Erinnerungslücken unglaubwürdig. Der Blutwert zeuge ebenfalls davon, dass der Hatzfelder regelmäßig Cannabis rauche, führte die Richterin aus. Aber auch dieser Wert reiche nicht für Erinnerungslücken aus.

Weil der Angeklagte die Tat aber nicht abstritt, sondern dem Festwirt glaubte und sich entschuldigte, schickte Hülshorst die beiden weiteren Zeugen ungehört nach Hause. Dreimal ist der Angeklagte bereits wegen Gewaltdelikten vorbestraft – die letzte Verurteilung erhielt er wegen einer Tat im Jahr 2007. „Ich hatte schon mit Ihnen zu tun“, erinnerte sich die Richterin. „Damals sagten Sie, dass Sie Ihre Aggressionen jetzt im Griff haben.“ Das Gericht verurteilte den 22-Jährigen zu einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu je 19 Euro. Weil der Festwirt die Situation ruhig und zurückhaltend geschildert habe, zweifelte Hülshorst nicht an dem Tatgeschehen. „Das war nicht mal eben Kaugummi klauen“ – daher habe sie dem arbeitslosen Angeklagten eine „saftige Geldstrafe“ verpasst.

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