Junge Leute pflegen alten Brauch

"Schütte" brüllt in Birkenbringhausen

Aus langen Strohwürsten wird der Birkenbringhäuser Schütteglowes gewickelt. Jannik Küthe, Jonas Möller, Kevin Gerke, Leon Raßbach und Jan-Niklas Paul (von rechts) drehen das Stroh zusammen. Der Nachwuchs für die Tradition ist auch bereits mit dabei.

Burgwald-Birkenbringhausen - Ein Rundballen Stroh, duzende Meter Strohseile und viele Jugendliche, die daraus ein Kostüm bauen. Das braucht es, um die Schütteglowes-Tradition zum Jahresende im Burgwalddorf aufrecht zu erhalten. Und die Jugendlichen tun dies mit großer Begeisterung. Seit Jahrhunderten gibt es den Brauch in Birkenbringhausen.

Regelmäßig zum Jahreswechsel wird der so genannte Schütteglowes - ein in Stroh eingewickelter junger Mann - durchs Dorf getrieben. Er ist in Ketten gelegt und wird von „mutigen“ Bändigern begleitet, die mit Peitschen und Glocken ausgestattet sind. Der heute etwas skurril wirkende Brauch hat jedoch einen ernsten Hintergrund. Früher wie heute war der Jahresabschluss auch gleichzeitig ein Abschluss mit dem Alten und ein Ausblick auf das Kommende.

Das neue Jahr wollten die Dorfbewohner in Ruhe und Frieden beginnen. Der Schütteglowes steht für das Unheil bringende und die jungen Burschen zeigen mit den Ketten und Peitschen, dass sie das Böse besiegt und gebannt haben.

Die Glocke hilft ihnen, es auch allen Dorfbewohnern Kund zu tun. Doch damit oftmals nicht genug. Bei vielen Häusern wird der „Schütte“ aufgefordert, zu tanzen - ein weiteres Merkmal dafür, dass das der Bann des Bösen nun komplett gebrochen ist. Und auch wenn heute natürlich niemand mehr daran glaubt, dass die Dorfbewohner damit für ein ganzes Jahr vor allem Bösen gefeit sind, hat der Brauch den Stellenwert eines aufwändigen und gut gemeinten Neujahrsgrußes.

Die Bewohner danken es den Burschen mit kleinen Spenden und oftmals auch einem wärmenden Getränk. Denn kalt wird es den jungen Männern bereits beim Wickeln des Strohmannes. Bereits kurz nach Mittag beginnen sie mit dem Binden zahlreicher, rund zwei Meter langer Strohwürste. Diese werden dann am Nachmittag um einen der Männer gebunden und mit Binderseilen verzurrt.

So entsteht schließlich eine komplett in Stroh eingewickelte, einem Bären ähnliche Figur. Früher nahm man langes Schüttestroh, wodurch auch der Name „Schütteglowes“ entstand. Traditionell wird der „Schütte“ normalerweise von den jungen Birkenbringhäusern organisiert. Geheim ist übrigens - ebenfalls traditionell - noch am Silvesterabend, welcher Mann im Strohkostüm steckt. Am Dienstagabend war es Timo Eitzenhöfer.

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