Zeitdokument

Schulbuch von 1882 kehrte nach Gemünden zurück

Eines der letzten Fotos: Es zeigt Dina Joseph geb. Höxter mit ihrem Mann. Beide wurden von den NS-Mördern in Treblinka umgebracht. Repro: Völker

Gemünden. Das Stadtmuseum Gemünden hat ein Schulbuch aus der Zeit um 1882 des jüdischen Mädchens Dina Höxter, das in Gemünden geboren und später in Treblinka getötet wurde.

Der in Bonn lebende ehemalige Gemündener Karl-Heinz Klinge übergab es dem Museum.

Es hat eine lange Geschichte hinter sich: Mit deutscher Schreibschrift trug die kleine Dina Höxter damals auf der vorletzten Seite ihres Schullesebuchs Namen, Wohnort und Geburtsdatum ein. Die Feder kratzte etwas, sie machte auf der letzten Seite noch ein paar Schreibübungen für das „G“ wie „Gemünden“.

Gekauft hatte Dinas Vater, der jüdische Kaufmann Elias Höxter, das Werk voller Geschichten und Gedichte bei der „Buchbinderei und Buchhandlung A. Hoeck, Gemünden an der Wohra“, wie ein Stempel auf dem Inneren der Titelseite ausweist.

Jetzt kehrte dieses Schulbuch des jüdischen Mädchens, geboren am 21. Oktober 1876, wieder dorthin zurück. Der in Bonn lebende ehemalige Gemündener Karl-Heinz Klinge, der regelmäßig mehrmals im Jahr in sein Elternhaus in der Hainstraße 6 zurückkehrt und sich mit seiner nordhessischen Heimat noch sehr verbunden fühlt, übergab dieses Erinnerungsstück dem Stadtmuseum von Gemünden.

Buchseiten und ein Foto vom Elternhaus: Karl-Heinz Klinge (rechts) übergab das Lesebuch der jüdischen Gemündener Schülerin Dina Höxter an Museumsleiter Norbert Otto. Foto: Völker

Norbert Otto, Vorsitzender des Museumsvereins, übernahm das Lesebuch mit großer Freude: „Es ist ein wertvolles Zeitdokument.“ Er suchte in seinem digitalisierten Bildarchiv sofort ein Foto vom zugehörigen Elternhaus Höxter, heute Steinweg Nr. 9, heraus: ein Geschäftshaus mit Treppe zum Ladeneingang und zwei Schaufenstern rechts und links. Etwa im Jahr 1882 muss Dina Höxter in die israelitische Schule, wie sie damals hieß, gekommen sein, hat Uta Opper-Fiedler, Mitglied des Beirats im Museumsverein, ausgerechnet. Sie erforscht seit Längerem die Geschichte der jüdischen Familien in Gemünden und konnte für Dina Höxter auch Daten über drei Generationen ermitteln.

„Dina ist bei Lehrer Joseph Spier zur Schule gegangen“, berichtete Uta Opper-Fiedler. „Er war als Lehrer und Vorbeter in der Synagoge ein sehr anerkannter Mann in Gemünden.“

Von Karl-Hermann Völker 

Wie Karl-Heinz Klinge das Buch entdeckte, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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