Antrittsrede des neuen Schulleiters der Edertalschule

Schule entdecken, neue Ziele definieren

Erster Schultag für den neuen Leiter der Edertalschule: Leitender Schulamtsdirektor Rainer Walenzik (links) und Bürgermeister Rüdiger Heß (rechts) begrüßten Stefan Hermes am Frankenberger Gymnasium. Der neue Schulleiter versprach der Schulgemeinde ein Kli

Frankenberg - Eine Schultüte hat Stefan Hermes am ersten Schultag nach den großen Ferien nicht bekommen, dafür viele gute Wünsche für seine neue Aufgabe als Leiter der Edertalschule. In der Aula stellte Leitender Schulamtsdirektor Rainer Walenzik dem Lehrerkollegium den neuen Chef des Gymnasiums vor.

Zum 1. August wurde Hermes vom Schulamt in Fritzlar mit der kommissarischen Leitung der Edertalschule beauftragt. Eine Interimszeit habe es somit nicht gegeben, sagte Walenzik und erinnerte an das Ausscheiden des Vorgängers Winfried Deichsel zum 31. Juli. Ein solcher nahtloser Übergang sei für eine Schule sehr gut, aber keineswegs selbstverständlich. Der Leitende Schulamtsdirektor skizzierte den Werdegang des 51-Jährigen (FZ berichtete bereits ausführlich), der Fachbereichsleiter an der König-Heinrich-Schule in Fritzlar war.

Vor seinem Lehramtsstudium hatte der gebürtige Oldenburger drei Semester Jura studiert. Diese Erfahrung sei nicht verkehrt, sagte Walenzik. „Eine gute Rechtskenntnis ist von Vorteil, sie gibt Ihnen als Schulleiter Sicherheit, zum Beispiel bei Personalentscheidungen.“ Doch Juristen und Pädagogen würden sich im Denken sehr stark unterscheiden. „Um es ganz deutlich zu sagen: mit Verwaltungsvorschriften kann man keine Schule entwickeln und voranbringen, kann man keine Lehrkräfte motivieren und Schwung in die Schule bringen.“

„Das Kollegium begeistern“

Walenzik stellte die Renovierung und bauliche Erweiterung des Gymnasiums in den vergangenen Jahren heraus. Stefan Hermes müsse sich nicht mehr auf die äußere, sondern könne sich auf die innere Schulentwicklung konzentrieren. Aber auch diese Herausforderungen seien vielfältig. Er verwies auf die wieder entfachte Diskussion über acht oder neun Schuljahre an Gymnasien, die auch die Edertalschule beschäftigen werde. Er erinnerte an die mit dem Schulamt geschlossenen Zielvereinbarungen und die Nachinspektion im nächsten Jahr. Aber auch der musikalische Schwerpunkt, das Projekt „YEA“ mit der Kooperation mit der regionalen Wirtschaft, die Kinderakademie, das Medienbildungskonzept und die Theaterarbeit seien bewahrenswert. „Diese etwas grob umrissene Schulentwicklung muss strukturiert erfolgen, die Umsetzung muss verbindlich werden, sie muss in der Schule akzeptiert werden, es dürfen keine Königreiche entstehen, die isoliert sind.“

Sein primärer Auftrag sei die Menschen- und Personalführung, das Management der organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen hingegen sekundär. „Management ist etwas Praktisches, Führen hat etwas Visionäres, etwas Mitreißendes an sich“, sagte Walenzik. Dennoch appellierte er an Hermes: „Schulleitung ist keine Einzelleistung, es ist immer eine Teamleistung.“ Er forderte den Deichsel-Nachfolger auf: „Begeistern Sie Ihr Kollegium, da-mit es mitgeht und rudert, auch wenn kein Wind weht.“

Nach seiner ersten kurzen Einarbeitungsphase während der Sommerferien sei er neugierig, die Edertalschule im Schulalltag und vor allem im persönlichen Kontakt mit Lehrern, Eltern und Schülern besser kennenzulernen, sagte Stefan Hermes in seiner Antrittsrede. Winfried Deichsel habe ihm eine Schule übergeben, „die in der Öffentlichkeit eine hohe Reputation genießt“. Die beruhe auf einem breit gefächerten Unterrichtsangebot sowie exzellenten außerschulischen Kontakten und Partnerschaften.

„Gemeinsam auf den Weg“

Aber auch am Frankenberger Gymnasium gebe es „Baustellen“, Bereiche, die der Entwicklung oder der Neuorientierung bedürften. Zudem wolle er auch eigene Initiativen starten, um langfristig eigene Spuren zu schaffen. Doch eine ausgearbeitete Agenda wolle er am ersten Schultag nicht präsentieren: „Bevor ich konkrete Entwicklungs- und Veränderungsprozesse anstoße, möchte ich eine genaue und systematische Analyse vornehmen.“ Sicher könne sich die Schulgemeinde jedoch sein, dass bei ihm wie bei seinem Vorgänger der Unterricht der Kern aller schulischen Bestrebungen sei. „Herausfordernder Unterricht, der in einem wertschätzenden und unterstützenden Klima stattfindet, ist für mich die Grundvoraussetzung für das Anliegen einer umfassenden und fundierten gymnasialen Bildung.“

Außerschulische Angebote

Entwicklungsziele werde er keineswegs im Alleingang bestimmen. „Schulentwicklung heißt für mich, engagiert Dinge anzupacken, von denen man überzeugt ist, sich dabei auf fundierte Kenntnisse und Daten zu stützen und einen realistischen Blick für das Machbare zu haben, systematisch und kooperativ zu arbeiten, unaufgeregt und undogmatisch.“ Das Ziel müsse sein, dass die Edertalschule auch künftig ein Gymnasium ist, das den sie besuchenden Schülern einen Unterricht auf hohem inhaltlichen sowie didaktisch-methodischen Niveau anbiete. Ein Gymnasium, das durch hochwertige außerschulische Angebote dokumentiere, „dass wir keine Anstalt sind, die nur um sich selbst kreist, sondern die sich der Welt um sich herum öffnet, diese zu sich hineinholt oder Schritte auf sie hinzu macht, damit eben genau dieses für die Schüler möglich wird: Sich selbstbewusst die Welt anzueignen und andererseits sich kritisch-reflektiert in sie einfügt.“ All dafür sehe er an der Edertalschule gute Voraussetzungen. Er freue sich darauf, „mich mit Ihnen allen zusammen auf den Weg zu machen“.

Hermes kündigte den Lehrern, Eltern und Schülern ein Klima des regen und offenen Austauschs an. Und diesen Worten will der neue Schulleiter schnell Taten folgen lassen: „Ich werde umgehend beginnen, Kennenlerngespräche zu führen, um meine Eindrücke über die Edertalschule weiter zu vertiefen.“

Im Namen des Lehrerkollegiums wünschte Cornelia Jordan dem Schulleiter ein glückliches Händchen. Die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit mit der Schule wünschte sich Bürgermeister Rüdiger Heß.

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