Schweine in artgerechter Freilandhaltung für den Eigenbedarf

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Schweinemast in Freilandhaltung: (von links) Marco Stey, Gerd Wickenhöfer, Ralf Schmalfuß und Jörg Krumpholz-Pierre halten für den Eigenbedarf zwei Schweine.

Dodenau. Die quietschfidelen Schweine grunzen, quieken und stupsen mit ihren schlammverkrusteten Nasen neugierig und ohne eine Spur von Scheu ihre Besitzer an. „So sehen glückliche Schweine aus“, meinen die vier Halter Marco Stey, Gerd Wickenhöfer, Ralf Schmalfuß und Jörg Krumpholz-Pierre aus Dodenau und Allendorf.

Seit gut einem Monat laufen die beiden Schweine, übrigens ohne Namen, auf dem eigens dafür angelegten Freilandgehege in Dodenau herum.

„Die Idee, sich Schweine für die Freilandhaltung anzuschaffen, kam, weil wir ordentliches Fleisch haben wollen“, erklärt Gerd Wickenhöfer, hauptberuflich Fleischermeister. Da die vier Freunde aus dem gleichen Grund bereits ein Rind halten, wurde aus der „Schnapsidee“ ziemlich schnell ein konkreter Plan. „Im November ist das Ganze ins Rollen gekommen“, erinnert sich Wickenhöfer. Die Vier erkundigten sich erstmals beim Veterinäramt, welche Auflagen sie erfüllen müssen. Außerdem haben sie sich Beispiele für Schweine in Freilandhaltung angeschaut und Tipps eingeholt.

„Da gibt’s einiges zu beachten“, erklärt Marco Stey. „Wir mussten zum Beispiel einen doppelten Zaun gegen Wildschweine und einen Stall bauen, aber auch eine Suhle anlegen.“ In rund vier Wochen haben die vier Männer das 1,2 Hektar große Gelände in ihrer Freizeit aufgebaut. Mitte März nahm das Veterinäramt das Gelände ab. Alles in allem kostete es 5000 Euro. „Das sind aber nur einmalige Kosten“, sagt Gerd Wickenhöfer.

Im Gegensatz zur Verpflegung der beiden Schweine: Das Futter aus der Region, darunter Getreide, Mineralfutter und Kartoffeln, schlägt jährlich mit rund 600 Euro zu Buche, haben die Männer ausgerechnet. Nahrungs-Ergänzungsmittel oder gar Antibiotika würden sie auf keinen Fall nutzen: „Wir wollen ja gutes Fleisch haben“, betont Ralf Schmalfuß.

Außerdem seien bei einer guten Haltung nicht mehr als zwei Wurmkuren – durch das Veterinäramt vorgeschrieben – notwendig. Täglich schauen immer zwei Halter nach dem Rechten, einer morgens und einer abends. „Wir müssen den Futterautomaten kontrollieren und den Mist entfernen. Das war’s aber auch schon“, sagt Jörg Krumpholz-Pierre.

Bis Ende November etwa wollen sie die Schweine mästen, dann werden sie geschlachtet. „Damit haben die Schweine ein halbes Jahr länger gelebt als ein durchschnittliches Mastschwein“, sagt Gerd Wickenhöfer. Jedes Tier soll dann rund 120 Kilogramm Fleisch bringen. „Mit dem Marktpreis für das Kilo Schweinefleisch kommen wir natürlich nicht hin“, räumt Wickenhöfer ein. „Das ist uns gutes Fleisch aber wert.“

Zudem könnten ihre Kinder anhand der beiden Schweine sehen, wie Tiere richtig gehalten werden und wo das Fleisch überhaupt herkommt. „Den Fleischgenuss lernen wir dadurch deutlich mehr wertzuschätzen.“

Von Alexander Koch

Quelle: HNA

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