Austauschjahr in Altenlotheim

Ein schwerer Abschied von Louisa

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Louisa

Frankenau-Altenlotheim - Gemüseauflauf ist mittlerweile ihr Leibgericht. Deutschland findet sie "cool". Am Samstag ging es für die 16-jährige Louisa nach zehn Monaten wieder zurück nach China.

Louisa sprach kein Wort Deutsch, als sie im vergangenen September in Frankfurt landete. Nach zehn Monaten bei Familie Rau ist sie von Deutschland begeistert und will nach ihrem Schulabschluss in ihrem Gastland Jura studieren. Die Landschaft, neue Freunde in der Schule, gutes Essen und der Hund Whisky bleiben ihr in Erinnerung.

Die 16-jährige Louisa hat sich wohlgefühlt in Altenlotheim. Bei Familie Rau wurde sie wie die vierte Tochter aufgenommen und wählte die Anrede „Mum“ für Antje Rau, die mit ihrem Ehemann Bernhard und den drei Töchtern Anna (18), Sophia (14) und Catharina (7) am Dorfrand lebt. Die Familie hat bereits Erfahrung mit Gastschülern. In den vergangenen Jahren hat sie Jugendliche aus Frankreich, Chile, Kirgistan oder Weißrussland aufgenommen. „Das macht die eigenen Kinder viel weltoffener, fremde Sprachen werden normal und andere Kulturen akzeptiert“, sagt Antje Rau. Ihre 18-jährige Tochter Anna hat ebenfalls ein Jahr in Costa Rica verbracht, organisiert von der Organisation American Field Service (AFS).

Louisa hat nach ihrer Ankunft in Deutschland einen einmonatigen Sprachkurs mit anderen AFS-Schülern in Marburg besucht. Danach integrierte sie sich schnell in den deutschen Schulalltag und besuchte die Jahrgangsstufe neun an der Edertalschule. In der Klasse 9c wurde sie herzlich aufgenommen. „Die Schule in Deutschland ist viel kürzer, man hat viel mehr Freizeit als in China“, erzählt Louisa. Während sie die Grammatik der deutschen Sprache kritisiert, hat sie in den Fächern Englisch, Biologie, Mathematik und Religion sogar Arbeiten und Tests geschrieben. Gemeinsam mit ihren Mitschülern hat sie eine Woche auf der Insel Sylt verbracht, Klassen- und private Geburtstagsfeiern besucht.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Nikolausbescherung in Altenlotheim. Auch Weihnachten und Ostern kannte sie nicht. Die Rotmilane über den Altenlotheimer Dächern und die Mehlschwalbennester direkt am Haus haben sie beeindruckt. In China wohnt sie in einer Großstadt mit nur wenig Grün. Besondere Erlebnisse waren Ausflüge und Urlaube auf Rügen, nach Paris, Dresden, Köln und Wiesbaden. Auch die von AFS organisierten Camps und Freizeiten aller Gastschüler in Deutschland besuchte Louisa. Die deutsche Hauptstadt Berlin hat sie sich aber aufgehoben: „In zwei Jahren möchte ich gern wiederkommen.“

„Die Deutschen sind sehr freundlich und hilfsbereit“, sagt sie und lobt die Gastfreundschaft. Zum Abschluss organisierten ihre Gasteltern und Freunde sogar eine Überraschungs-Abschiedsparty für die sympathische Chinesin.

„Louisa ist sehr selbstständig und selbstbewusst geworden“, bilanziert Antje Rau. Viele Abschiedsgeschenke nimmt die junge Frau mit auf den 14-stündigen Heimflug mit Zwischenstopp in Doha: Fotobücher, Flagge mit Unterschriften, Schokolade, eine Krawatte für den Vater und Kosmetik für die Mutter.

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