Mehr zum Thema: Bürgermeister Gleim bedroht – Gericht glaubte den Zeugen

„Seine Art, Frust abzubauen“

Gemünden. Für Richterin Andrea Hülshorst war die Sache am Ende klar: „Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass sich das alles so zugetragen hat“, sagte sie in der Verhandlung gegen einen 52-jährigen Gemündener. Weil er seinen Bürgermeister Frank Gleim und einen Bauhof-Mitarbeiter bedroht sowie einen Autofahrer mit dem „Stinkefinger“ beleidigt hatte, wurde er zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt.

Der Mann gab die Bedrohungen im Prinzip zu, er wiederholte vor Gericht sogar die Sätze, die er im Februar 2012 gesagt hatte: „Da kommt ja das Arschloch, den bringe ich um“ und „Eines Tages haue ich dir auf dein verlogenes Maul, dass du es 14 Tage nicht mehr aufmachst“, hatte er Frank Gleim aus seinem Wohnungsfenster zugerufen. Laut Anklage hatte er auch gesagt: „Ich brauche jetzt was zum Draufhauen, dich schlage ich tot.“ Und dem Bauhof-Mitarbeiter habe er gedroht: „Dich mache ich platt.“

„Mir ist der Kragen geplatzt, ich habe mir in den letzten Jahren genug gefallen gelassen“, sagte der Angeklagte, der zur Tatzeit in einer städtischen Mietwohnung wohnte und sich geärgert habe, dass die Wasserleitung eingefroren war. Wie Mitarbeiter des Bauhofs aussagten, sei der Mann aber selbst schuld daran gewesen, weil er bei minus 18 Grad die Haustür längere Zeit für seine Katze offen gelassen hatte.

Als sich Bürgermeister Frank Gleim die Sache ansah, bedrohte ihn der 52-Jährige aus seinem Wohnungsfenster. „Ich habe das ernst genommen“, sagte Gleim als Zeuge. „Seine Gestik deutete auf Gewaltbereitschaft hin.“ Der Bürgermeister und der Bauhof-Mitarbeiter erwirkten sogar, dass sich der Mann ihnen nicht mehr nähern und keinen Kontakt zu ihnen aufnehmen darf. Diese Gewaltschutz-Maßnahme endete erst kurz vor der Gerichtsverhandlung.

Mit Auto dicht aufgefahren

Dritter Anklagepunkt war eine Beleidigung: Der 52-Jährige hatte einem Rentner aus Haina auf der Kreisstraße bei Lehnhausen den Mittelfinger gezeigt – auch wenn das laut des Angeklagten genau umgekehrt gewesen sei. Wie der Rentner aussagte, war der Angeklagte zuvor sehr dicht aufgefahren. Bei der anschließenden Diskussion auf der Straße habe der Beifahrer den Angeklagten zurückgehalten, sagte der 72-Jährige. „Sonst hätte ich wahrscheinlich an Ort und Stelle Schläge bekommen.“ Der Beifahrer, der selbst unter einer Bewährungsstrafe steht, machte von seinem Recht Gebrauch, die Auskunft zu verweigern.

Die Verteidigerin des Angeklagten – zufälligerweise Katharina Tils, die für die CDU im Gemündener Parlament sitzt – räumte ein, dass ihr Mandant impulsiv und aufbrausend sein könne. „Allerdings nur, wenn er das Gefühl hat, ungerecht behandelt zu werden. Das ist seine Art, Frust abzubauen.“ Sie glaube ihm, dass er nie zugeschlagen hätte oder gar töten würde. „Ich habe noch nie angefangen, jemanden zu schlagen. Das, was ich brülle, habe ich nie umgesetzt“, sagte der Angeklagte.

Der Mann galt vor Gericht als nicht vorbestraft, obwohl er unter anderem wegen Körperverletzung zwei Einträge im Bundeszentralregister hatte. Die Strafen sind aber verjährt, die Einträge gelöscht.

Quelle: HNA

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