Aussichtsturm auf der Sackpfeife:

Seit 100 Jahren beliebtes Ausflugsziel

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Hatzfeld-Biedenkopf - Im Jahr 1913 ist der Kaiser-Wilhelm-Turm auf der Sackpfeife erbaut und eröffnet worden.Besitzer ist die Biedenkopfer Sparte des Oberhessischen Gebirgs- und Wandervereins. Für die Mitglieder ist das Jubiläum zwar ein Grund zum Feiern - doch Behörden, sinkende Helferzahlen und immer neue Sanierungen machen dem Verein schwer zu schaffen.

Seit genau 100 Jahren ist der Kaiser-Wilhelm-Turm auf der Sackpfeife ein beliebtes Ziel bei Ausflüglern. Vor allem Biedenkopf wirbt mit dem Turm um Touristen, wenngleich das steinerne Bauwerk in der Gemarkung Eifa steht. Die Mitglieder des Oberhessischen Gebirgs- und Wandervereins (OHGV) in Biedenkopf putzen derzeit den Turm und die daneben stehende Hütte heraus. Am Himmelfahrtstag findet am Turm ein ökumenischer Gottesdienst statt, am langen Wochenende werden besonders viele Wanderer erwartet. Die Bänke werden gestrichen, Türen gesäubert, die Treppen hinauf zur Aussichtsplattform gefegt, die Innenwände gestrichen: Es sind Kleinigkeiten verglichen mit dem Sanierungs-Marathon, der hinter dem Verein liegt: Arbeiten „im Wert eines schmucken Einfamilienhauses“, wie es die Vorsitzende des Biedenkopfer OHGV-Zweigvereins Anneliese Ihle-Hampel umschreibt.

Trotzdem kümmern sie und die anderen Mitglieder sich engagiert um die Pflege und Erhaltung des historischen Bauwerks. Als Aussichtspunkt spielte die Lichtung auf der Sackpfeife schon im 19. Jahrhundert eine große Rolle: Im Jahr 1880 wurde ein Holzturm errichtet, der aber schon Ende des Jahrhunderts baufällig war. Ursprünglich diente er der Landvermessung. Schon damals gab es Pläne, einen steinernen Turm zu bauen. Der Antrag wurde 1911 gestellt und zwei Jahre später genehmigt. Putz gegen Wasser Im Juni 1913 begannen Maurer aus Biedenkopf mit dem Bau. Bauern aus den umliegenden Dörfern waren am Bau beteiligt; deren Kuh-Gespanne wurden zum Transport der Steine genutzt. Am 21. September 1913 wurde der 22 Meter hohe Turm eingeweiht und nach Kaiser Wilhelm benannt. Seitdem trotzt das Bauwerk dem Wetter – mehr oder weniger. „Schon 1953 ist der obere Teil verputzt worden“, berichtet Ihle-Hampel. Das sollte das Eindringen von Wasser verhindern.

Von der Aussichtsplattform reicht der Blick über große Teile des hessischen Berglands vorbei am Fernsehturm auf der Angelburg bis hin zum Feldberg im Taunus, aber auch zu Kellerwald, Knüll und Vogelsberg. In nördlicher und westlicher Richtung blickt man weit ins Rothaargebirge hinein. Doch der Zahn der Jahrzehnte nagte weiter am Gemäuer. Ende der 90er-Jahre wurde der Turm schließlich komplett verputzt. Seit dem Jahr 2000 schützen Kupferbleche die Zinnen an der Plattform, seit 2005 ein Dach. 2006 schließlich wurde die Plattform komplett verglast – all das soll das Eindringen von Wasser verhindern.

„Es kam immer wieder Regen rein“, erklärt Anneliese Ihle-Hampel. Kampf mit den Behörden Doch auch das Innengeländer der Wendeltreppe – bislang ein einfacher eiserner Handlauf – musste nach aktuellen gesetzlichen Vorgaben ersetzt werden. Der OHGV stieß allerdings auf Widerstand bei Denkmalschützern. Ende 2011 schrieb der Vorstand einen Brief an die Landräte in Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg, Robert Fischbach und Reinhard Kubat: „Wir haben angekündigt, die Haftung nicht mehr zu übernehmen“, erinnert sich Ihle-Hampel.

Ein Mitarbeiter des Fachdiensts Bauen der Korbacher Kreisverwaltung habe das Geländer daraufhin begutachtet – und den Turm sofort schließen lassen. „Innerhalb von 14 Tagen hatten wir die Genehmigung für ein neues Geländer.“ Wegen des Winters dauerte es bis Ende April 2012, dass der Aussichtsturm wieder geöffnet war. 20?000 Euro investierte der Verein allein in das neue Geländer und eine neue Eingangstür. Zuschüsse wurden bislang keine gezahlt. Die restliche Sanierung hat 60?000 Euro gekostet, für die der Verein auch Zuschüsse erhalten hat. Der Verein finanziert die Sanierungsarbeiten und die Unterhaltung des Turms auch über Spenden, die Wanderer vor Ort leisten können. An Wochenenden ist auch oft die angrenzende Hütte bewirtschaftet – aber nicht mehr so oft wie früher, denn dem Verein fehlen laut Ihle-Hampel auch hierfür die Helfer.

Der ökumenische Gottesdienst am Turm beginnt am Himmelfahrtstag, 9. Mai. Am Sonntag, 9. Juni, findet eine Sternwanderung mit Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Turms statt.

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