Kinderuni macht Station in Frankenberg

Selber forschen gegen Klimawandel

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Stefan Rötzel ist Referent der Kinderuni. Gemeinsam mit den Kindern der Frankenberger Schulen geht er dem Phänomen des Klimawandels auch durch Experimente auf den Grund.

Frankenberg - Rund 450 Schüler aus ganz Frankenberg sind am Dienstag in die Welt der Wissenschaft eingetaucht. Sie wissen jetzt, wie der Mensch das Klima und damit den Planeten beeinflusst.

Stefan Rötzel geht behutsam vor mit den Grundschülern. Würde er von Kohelndioxid, von Methan und Ozon sprechen, würden seine kleinen Zuhörer möglicherweise sofort abschalten. Dabei geht es genau darum am Dienstagmorgen in der Ederberglandhalle: Um den Klimawandel, seine Ursachen und Folgen und Möglichkeiten, ihn zu verhindern oder zumindest abzumildern.

Rötzels Leitsatz für diese etwas andere Unterrichtsstunde: „Jeder hier in der Halle ist cool“ - das muss gesagt sein, denn so lässt sich die Nervosität überwinden. Die Kinder müssen - und wollen - mithelfen, dem Referenten bei Experimenten zur Hand gehen, Fragen stellen und beantworten. Es gibt viel zu entdecken auf der Reise durch das Klima, die vom Fachzentrum für Klimawandel im Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie präsentiert und von Stadt und Landkreis unterstützt wird. „Ich gehe das Thema fächerübergreifend an. Das kommt im Alltag manchmal zu kurz“, beschreibt Rötzel seinen Ansatz am Rande der Veranstaltung. Tatsächlich geht es vordergründig um zwei große Themen: Die Rodung der Wälder und ihre Folgen sowie die Nutzung von Energie und ihre Folgen.

Doch der Referent, der eigentlich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität in Kassel tätig ist, schafft es, den Kreislauf zu beschreiben, den die Klimaproblematik - grob dargestellt - darstellt: Täglich verschwinden riesige Waldflächen. Gleichzeitig steigt der Ausstoß an Treibhausgasen, insbesondere von Kohlendioxid. Die Bäume könnten die Luft filtern - wenn sie nicht Ackerland, Wohnraum, Industriegebieten weichen würden.

Wege aus dem Dilemma

All das erklärt Rötzel anschaulich. Filme fesseln die Schüler. Bei Experimanten gibt es immer wieder lautes Staunen und Gemurmel. Das Kohlendioxid etwa produzieren die Kinder, indem sie Backpulver in Essig kippen. Ein Luftballon über dem Reagenzglas bläst sich wie aus Geisterhand von selbst auf - und wie von Geisterhand erlischt eine Flamme, wenn man das unsichtbare Gas über ihr verschüttet. Phasenweise gleicht der Vormittag so einer kleinen Zaubervorstellung.

Dramatischer wird es jedoch, als Stefan Rötzel erklärt, wie viel Luftballon voller Kohlendioxid jeder Mensch durchschnittlich durch seine Lebensweise am Tag produziert - es sind 5000. In 20 Jahren, verrät er den Kindern, dürfen es nur noch 2000 sein, in 50 Jahren gerade zehn. Gemeinsam entwickeln sie Strategien und Wege aus der Krise: Energiesparlampen, mehr Bewegung per Bahn, Rad, zu Fuß. Es geht um die Begrünung von Städten und die Erfindung nachhaltiger Produkte - Gebiete, in denen die jungen Frankenberger später einmal beruflich tätig sein können.

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