Holz rücken am Tag der Forstwirtschaft in Bottendorf

Wie sich die Waldarbeit verändert hat

Ralf Finke vom Frankenauer Archehof führte mit seinem 800 Kilogramm schweren Rheinisch-Deutschen Kaltblut „Jule“ vor, wie früher Holz im Wald gerückt wurde. Hunderte Zuschauer verfolgten am Samstagabend die Vorführungen in Bottendorf.

Burgwald-Bottendorf - Groß war das Interesse am ersten "Tag der Forstwirtschaft", den das Forstamt und die Gemeinde organisiert haben. Für Arno Süßmann kein Wunder: "Bottendorf ist das Dorf mit den meisten Holzfuhrleuten in Hessen, vielleicht sogar deutschlandweit", sagte der kommissarische Forstamtsleiter.

Rund 400000 Euro kostet ein Harvester, eine Holzerntemaschine. Und die Zuschauer staunten auch, als der „grüne Riese“ bei einer Vorführung zeigte, was in ihm steckt: fällen, entasten und Sortimente bilden, also die 20 oder noch mehr Meter langen Stämme auf die gewünschte Länge bringen. Und das alles halbautomatisch und in bis zu 35 Grad steilem Gelände. Bis zu 30 Festmeter Holz arbeiten Vollernter in der Stunde auf.

Der absolute „Star“ der Vorführungen auf dem Festgelände hinter dem Burgwalder Forstamt an den Wolkersdorfer Teichen war jedoch eine „Maschine“ mit nur einer Pferdestärke: das Rheinisch-Deutsche Kaltblut „Jule“ von Besitzer Ralf Finke aus Frankenau. Das Rückepferd wiegt 800 Kilogramm. Und bei den Demonstrationen am Samstagnachmittag zog es die Stämme scheinbar mühelos über das Gelände. Bevor mit einem solchen Pferd im Wald gearbeitet werden könne, sei eine mindestens zweijährige Ausbildung des Tieres nötig, berichtete Finke und stellte klar, dass die Pferde aber quasi lebenslang lernen.

Erläutert wurden die Vorführungen auf dem historischen Gelände, dem einstigen Standort des Jagdschlosses von Wolkersdorf, vom kommissarischen Leiter des Burgwalder Forstamtes, Arno Süßmann. Er erklärte den Zuschauern die Veränderungen in der Forstwirtschaft und vermitteltete ihnen Hintergrundwissen über die tägliche Arbeit im Wald. Rund 120 000 Festmeter Holz werden jährlich in dem zum Burgwalder Forstamt gehörenden Wald eingeschlagen. Maximal 30 Festmeter darf ein Langholzzug laden. „Jährlich verlassen also 4000 Züge das Forstamt.“ Hauptabnehmer des Fichten- und Kiefernholzes sind Sägewerke in der Region. Im mit 20 000 Hektar Waldfläche größten zusammenhängenden Waldgebiet Hessens wächst allerdings auch qualitativ hochwertiges Laubholz: Seit vielen Jahren verlässt Eichenholz den Lagerplatz zwischen Bottendorf und Ernsthausen in Richtung Frankreich. Dort wird es zu den weltbekannten Barriquefässern verarbeitet, in denen dann Rotwein reift.

Viele dieser Touren zu den Sägewerken übernehmen die Bottendorfer Fuhrunternehmer Müller und Mengel. Deren Gewerbe habe in dem Dorf eine lange Tradition. „Bottendorf ist das Dorf mit den meisten Holzfuhrleuten in Hessen, vielleicht sogar in Deutschland“, erzählte Süßmann. Das Forstamt sei deshalb in der glücklichen Lage, fast zu jeder Tages- und Nachtzeit nur kurz zum Telefonhörer greifen zu müssen, um wenig später Transportkapazitäten zur Verfügung zu haben. Abgefahren wird das Holz entweder mit Kurz- oder Langholzwagen, auch deren Funktion war mehrmals am Nachmittag zu bestaunen. „Doch bis vor 35 oder 40 Jahren ist das Holz ohne Kran verladen worden.“ Und zwar mithilfe von Seilwinden auf sogenannte Rungewagen. Vorgeführt wurden außerdem PS-starke Forstspezialfahrzeuge, die mit ihren Rückezangen das Holz im Wald manövrieren.

Rede und Antwort standen den Nachmittag über auch die Mitarbeiter des Forstamts Burgwald: Themen waren die Ausbildung der Forstleute, der richtige Umgang mit der Motorsäge – wobei die Besucher auch Elektrosägen testen durften. Dicht umlagert war das Reich von Frank Kleinwächter aus Ernsthausen: einem „Künstler“ mit der Motorsäge. Der „schnitzte“ Herzen, Burgwald-Pilze und Tiere aus Holz und bot sie auch zum Verkauf an.

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