Sichere Schifffahrt bei Hann. Münden: Neuer Streit um Edersee-Pegel in Sicht

Wasserabfluss an der Edersee-Sperrnauer. Foto: Schuldt

Edersee. Trotz des nassen Sommers hatten Schiffe in der Oberweser „gefährliche Grundberührung“, teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt mit. Das Heikle: Hier handelt es sich um keine Momentaufnahme, sondern die Weser braucht wahrscheinlich auf Dauer bei Hann. Münden einen höheren Zielpegel als die seit vielen Jahren geltenden 1,20 Meter.

Aktuell erhöhte das Amt auf 1,27 Meter. Der volle Edersee verkraftet es zur Zeit, doch was passiert in trockenen Jahren, wo erst 2015 für wasserarme Zeiten ein Pegel von 1,15 Meter als Ziel ausgegeben worden war?

Wie ein Blitz aus heiterem Sommerhimmel an der vollen Talsperre traf diese Botschaft aus dem Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden (WSA) viele Edersee-Fans:

In der Weser hatten Schiffe Berührung mit dem Flussgrund. Bei näherem Hinsehen diagnostizierte das WSA kein rasch vorübergehendes Problem, sondern ein tiefer liegendes mit der Konsequenz: Der seit Jahren geltende Zielpegel von 1,20 Meter bei Hann. Münden wird vorläufig auf 1,27 Meter angehoben. Es sei nicht auszuschließen, dass der Pegel auch auf Dauer höher liegen muss, heißt es auf Nachfrage aus dem WSA.

Sieben Zentimeter höher: Das ist ein echtes Brett, denn seit Jahren kämpfen die Edersee-Anrainer darum, dass in wasserarmen Zeiten der Spiegel in Hann. Münden unter 1,20 Meter gesenkt wird, um die Talsperre nicht zur Hauptsaison leer laufen zu lassen. Seit 2015 gelten im Rahmen eines Modellprojekts 1,15 Meter als Richtschnur in trockenen Jahren. Das WSA hatte dieses Konzept erarbeitet nach lang anhaltenden Diskussionen zwischen Edersee-Anrainern und Oberweser-Anliegern.

2015/16 wurden in Waldeck-Frankenberg vermehrt Stimmen laut, der Interessengemeinschaft Oberweser eine neu zu gründende, eigene IG Edersee gegenüber zu stellen. Die Nachricht leitet Wasser auf die Mühlen der Befürworter. Aktuell stellen die 1,27 Meter in Hann. Münden die heimische Tourismuswirtschaft zwar vor keine Probleme, denn die Talsperre ist voll und verkraftet den Abfluss leicht.

Doch was passiert im nächsten, wasserarmen Jahr? Eine gesicherte, seriöse Auskunft, ob tatsächlich künftig noch mehr Wasser aus dem Edersee fließt oder nicht, kann das WSA noch nicht erteilen.

Es gibt aufwendige Messungen in Auftrag, um dem Problem an der Oberweser im Wortsinn auf den Grund zu gehen.

Ob das Problem durch eine Anpassung des Pegels Hann. Münden gelöst wird oder ob es sinnvoller ist, den Fluss an ausgewählten Stellen auszubaggern, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Von Matthias Schuldt

Quelle: HNA

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