Frankenberger Kantorei bot großartigen Kantatenabend zum Ende des Kirchenjahres

Singen von der Ewigkeit

Großer Beifall am Ende: Das Publikum in der Liebfrauenkirche dankte (von links) Alexander Meyer (Gesamtleitung und Orgel), Thomas Wiegand (Bass), Johannes Klüser (Tenor), Annegret Hoos (Alt) und Christhild Dietz (Sopran).

Frankenberg. Das dunkle Tor des Todes tat sich weit auf, aber hinter irdischem Totentanz und Seelennot leuchtete die Ewigkeit hervor, das himmlische Jerusalem „mit Harfen und mit Zimbeln schön“: Vergänglichkeit des Menschen und Hoffnung auf ein ewiges Leben thematisierte die Frankenberger Kantorei am Samstagabend in der Liebfrauenkirche mit zwei Kantaten aus dem Werk Johann Sebastian Bachs (1685-1750). Das Konzert bestach durch sehr viel spirituelle Reflexion, Textausdeutung und vollendete Klangschönheit.

Wie souverän die etwa 80 Kantorei-Sänger und -Sängerinnen auf Bachs Bewegungsduktus und Kontrapunktik eingestellt waren, zeigte sich gleich bei der figurenreichen Passacaglia des Eingangschors zu „Jesu, der du meine Seele“. Hier wie auch später bei der bekannteren Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ gelang dem Ensemble unter Leitung von Alexander Meyer in den plastisch durchgeformten Choralsätzen („Gloria sei dir gesungen“) ein Hochmaß an Diktion und musikalischer Homogenität. Es wurde erneut sichtbar, über welch reiches Potential an gut ausgebildeten Stimmen die Kantorei verfügt und welche Leistungskraft der Kantor in den vergangenen neun Jahren mit ihr entwickelt hat.

Das Marburger Kammerorchester fügte sich in die polyphone Bewegtheit und den Wohlklang mühelos ein, bestach durch die Kraft von Violinen- und Oboen-Soli bei Arien und Rezitativen. Ein geradezu tänzerisch beschwingtes Continuo mit Bass-Pizzicato begleitete die Arie „Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten“.

Unter den Solisten, die Alexander Meyer für das Konzert gewonnen hatte, waren den Frankenbergern zwei vertraut: Tenor Peter Klüser, der den gotischen Kirchenraum kraftvoll und mit spürbarer Oratorienerfahrung füllte, sowie Thomas Wiegand, ein Bassist voll warmer Intensität. Christhild Dietz gefiel mit ihrer schön gefärbten, lebendigen Sopranstimme, Annegret Hoos (Alt) stand ihr im Duett in wohltuender Balance zur Seite.

Das, was bei dem „Rostlicht“-Konzert mit seinen Orgel-Improvisationen kürzlich fehlte, tat die Kantorei: Sie stellte mit drei Strophen in einstimmiger Klarheit noch einmal das Choralthema „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“ vor, bevor Meyer an der Böttner-Orgel die Toccata und Fuge über diesen Choral von Ernst Pepping (1901-1981) in prachtvoller Form ausbreitete: expressiv, mit Einsatz von tänzelnden Zungenstimmen und Tremulanten, donnernd wogenden Basslinien und feinen rhythmischen Nuancen in der Fuge, das Thema filigran herausgearbeitet.

Theologisch durchdacht

Es gab am Ende für alle Mitwirkenden und Kantor Meyer langen, herzlichen Beifall nach einem theologisch durchdachten, musikalisch großartig gelungen Konzert zum Ende des Kirchenjahres.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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