Sitzenbleiben: Psychologin gibt Tipps für Schüler und Eltern

Dominique Peipert

Waldeck-Frankenberg. Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu. Die Sommerferien stehen kurz bevor. Bei manchen Schülern und Eltern ist die Stimmung allerdings getrübt, wenn die Versetzung ins nächste Schuljahr nicht erreicht wurde. Wie sprachen mit Schulpsychologin Dominique Peipert über das Thema Sitzenbleiben.

Die Stadt Hamburg hat das Sitzenbleiben 2009 schon abgeschafft. In Hessen wird darüber diskutiert. Was halten Sie vom Sitzenbleiben?

Dominique Peipert: In Studien hat man untersucht, wie Sitzenbleiber sich im Vergleich zu ähnlich schlechten Schülern, die aber versetzt wurden, entwickelt haben. Oft zeigten die Sitzenbleiber auch in der neuen Klasse nach einer gewissen Zeit wieder Schwächen. Nach meiner ganz persönlichen Auffassung ist Sitzenbleiben keine Fördermaßnahme. Ich halte vom Sitzenbleiben nicht immer etwas, vor allem, wenn die Ursachen nicht parallel angegangen werden.

Wie meinen Sie das?

Peipert: Ich empfehle, genau hinzusehen, sich den Einzelfall betrachten. In besonders begründeten Ausnahmefällen – wenn Krankheit oder andere Umstände, die der Schüler nicht zu vertreten hat, als ursächlich angenommen werden können – kann auch ohne Ausgleich nicht ausreichender Leistungen eine Versetzung erfolgen. Das ist jedoch meiner Meinung nach nur dann sinnvoll, wenn es sich um isolierte Schwächen in einzelnen Fächern handelt, die der Schüler wieder aufholen kann. Mit der Versetzung aus pädagogischen Gründen kann man unter diesen Umständen verhindern, dass die Motivation des Schülers nachlässt.

Aber Sie sind nicht generell gegen das Sitzenbleiben?

Peipert: Nein, ich persönlich glaube, die Wiederholung einer Klasse kann auch eine Chance sein. Bisher schwächere Schüler können durch die Wiederholung des Lernstoffes aufholen und besser mithalten. Das steigert das Selbstbewusstsein. Manchmal ist auch der Wechsel in eine neue Klasse mit neuen Lehrern eine Chance.

Die Eltern werden ja im Vorfeld informiert, dass Versetzungsgefahr besteht. Früher nannte man das Blaue Briefe. Was raten Sie zu tun, wenn Eltern und Kinder um die Versetzung bangen müssen?

Peipert: Meine Erfahrung zeigt, dass es wichtig ist, nach den Gründen der Leistungsschwäche zu fragen. Die können sehr vielfältig sein. Ist der Schüler in der Schulform überfordert? Hat er familiäre oder gesundheitliche Probleme? Hat er die falschen Lernstrategien? Hat er vielleicht eine Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche? Wird das Kind gemobbt?

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Von Martina Biedenbach

Quelle: HNA

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