Kreisbauernverband zog Bilanz – Landrat weist auf demografische Probleme hin

Sorge um ländlichen Raum

Jahreshauptversammlung des Kreisbauernverbands: (von links) Vorsitzender Heinrich Heidel, Gastredner Landrat Dr. Reinhard Kubat, Geschäftsführer Matthias Eckel, Fachbereichsleiter Landwirtschaft Axel Friese und Kreislandwirt Fritz Schäfer. Foto: Battefeld

Frankenberg/Ellershausen. „Der ländliche Raum ist für mich in akuter und großer Gefahr“, mahnte Landrat Dr. Reinhard Kubat in seinem Gastvortrag während der Jahreshauptversammlung des Kreisbauernverbandes im Adeligen Hof in Ellershausen.

Das Schlimmste sei der akute Bevölkerungsschwund seit 1997: „Zu wenig Menschen entscheiden sich für Kinder und zu viele junge Leute wandern ab“, bemängelte Kubat und forderte: „Es wäre schön, wenn wir ihnen eine Perspektive bieten könnten, damit sie zurückkommen.“

In den Dörfern gebe es kaum noch Schulen oder Lebensmittelläden und sie seien auch von einem Ärtze- und Apothekerschwund bedroht. „Das sind Strukturveränderungen, die mir Sorgen machen“, betonte Kubat. Weiterhin bemängelte der Landrat „gewisse Verödungs-Tendenzen“ bei den Gebäuden.

Kubat verwies auf die von ihm neu eingerichtete Stabstelle „Ländlicher Raum“, die sich um die dringendsten Fragen kümmern soll, die für den ländlichen Raum von Bedeutung sind, wie beispielsweise schnelles Internet für alle, ein bedarfsgerechtes Angebot des öffentlichen Nahverkehrs sowie Denkmalpflege im Einklang mit Bedürfnissen der Menschen.

Der Landrat blickte jedoch trotz aller Probleme optimistisch in die Zukunft: „Nach der Phase der Landflucht werden wir eine Rückwanderung in den ländlichen Raum bekommen. Daran glaube ich fest“, sagte Kubat. „Wir haben keinen Grund unser Licht unter den Scheffel zu stellen.“ Die sozialen Netzwerke in den Dörfern funktionierten noch gut, es gebe Gespräche überm Gartenzaun, und das Ehrenamt sei ein wichtiges Pfund, das ihn mit Zuversicht erfülle, erklärte Kubat.

Auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Heinrich Heidel versuchte trotz aller Probleme in der Landwirtschaft ein positives Signal zu setzen: „Landwirte sind Optimisten, sonst darf man kein Landwirt werden“, betonte er.

Kein Jahr zumWohlfühlen

2009 sei ein Jahr gewesen, in dem sich die Landwirtschaft nicht hätte wohl fühlen können. „Wir haben das billigste Getreide mit dem teuersten Dünger produziert“, klagte der Vorsitzende. Die Milchpreise seien auf tiefstem Niveau und die Lebensmittelketten hätten eine neue „Ramschrunde“ in Angriff genommen: „Was ist das für eine Gesellschaft, in der das Hundefutter teurer ist als ein Steak“, prangerte Heidel an. „Was wir brauchen sind anständige Preise. Von dem, was wir uns erwirtschaften, wollen wir unseren Unterhalt bestreiten können.“

Heidel forderte die Landwirte auf, sich in den Kommunalparlamenten zur Wahl zu stellen, da alle Politikbereiche in die Landwirtschaft hinein spielen würden.

Von Susanna Battefeld

Quelle: HNA

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