Bundesverdienstkreuz für Günter Waßmuth

Ein "Sozialdemokrat aus Überzeugung"

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Hatzfeld - Reddighausen - Günter Waßmuth gehörte zu den dienstältesten Parlamentschefs in ganz Hessen. Für sein mehr als vier Jahrzehnte langes Wirken in der Kommunalpolitik, aber auch in anderen Ehrenämtern, hat der 72-jährige SPD-Politiker aus Hatzfeld das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Die Politik Willy Brandts war es, die Günter Waßmuth zur SPD brachte: 1969 wurde er Mitglied. Fünf Jahre zuvor, im Dezember 1964, war der gebürtige Kasseler Lehrer an der einklassigen Dorfschule in Eifa geworden.

Seit diesen 48 Jahren ist er auch mit Ehefrau Edda verheiratet, und beide sind längst in Hatzfeld verwurzelt. Im Gasthaus „Zum Edertal“ in Reddighausen überreichte Landrat Reinhard Kubat gestern das Bundesverdienstkreuz an Günter Waßmuth, samt der von Bundespräsident Joachim Gauck unterschriebenen Urkunde. Eingeladen zur Ehrungsfeier hatte Noch-Bürgermeister Uwe Ermisch (SPD): „Es ist mir ein Anliegen gewesen, das noch in meiner Amtszeit zu machen.“

„Es müssen Tausende Stunden gewesen sein“, sagte Kubat über Waßmuths Wirken in der Kommunalpolitik. Waßmuth gehörte dem Stadtparlament von 1972 bis 2011 an. Von 1972 bis 1974, von 1977 bis 1981 und ab 1985 war er Parlamentschef, dazwischen Stellvertreter. Beim Erarbeiten der kommunalen Gebietsreform habe er sich für die Eingemeindung von Eifa und Reddighausen eingesetzt, nachdem Holzhausen bereits als Stadtteil feststand.

Vor zwei Jahren zog sich der Norwegen-Fan zurück, nachdem er Spuren im Parlament hinterlassen hatte: Waßmuth ist bekannt für seine ausgleichende Art. Die wusste auch Uwe Ermisch zu schätzen: „Du warst stets ein fairer Mitstreiter, auch wenn es nicht immer einfach mit mir war.“

Waßmuth ist Gründungsmitglied der Hatzfelder Partnerschaftsvereinigung und auch im SPD-Ortsverein aktiv. 2001 bis 2006 war er auch Abgeordneter im Kreistag. Dem Vorstand des Hatzfelder Verkehrsvereins gehörte er von 1973 bis 1976 an. Engagiert war er auch in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), zeitweise stand er der Pensionärsgruppe vor. Jeweils vier Jahre war er Schöffe am Amtsgericht und am Landgericht in Marburg.

Der jüngste Sohn eines Kasseler Bauarbeiters konnte in seiner Heimatstadt ein Gymnasium besuchen - damals keine Selbstverständlichkeit. „Um einen Diercke-Weltatlas bezahlen zu können, musste mein Vater einen Tag lang arbeiten.“

Das Studium in Gießen prägte Waßmuth ebenso wie „das Kennenlernen dieser wundervollen Frau“, sagte der 72-Jährige über Gattin Edda, der er „auch ein paar Zacken dieser Auszeichnung“ widmete. 1964 waren die beiden nach Eifa gezogen.

In Hatzfeld heimisch

Weil der einzige Klassenraum für die wachsende Schülerschar zu klein wurde, funktionierte das junge Ehepaar Wohn- und Esszimmer für den Unterricht um. In Eifa machte er Wahlkampf für die SPD, mit nachhaltiger Wirkung, wie der langjährige Weggefährte Wilhelm Specht erinnerte. Der Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl nannte Waßmuth gestern einen „Sozialdemokraten aus Überzeugung“, der sich immer für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit eingesetzt habe. Nach sechs Jahren als Lehrer im Dörfchen wurde Günter Waßmuth Lehrer, Konrektor und später Rektor an der Hatzfelder Mittelpunktschule. Er baute dort ein Haus und wurde mit Ehefrau Edda und den beiden Töchtern in der Burgstadt heimisch. Unter dem jungen Bürgermeister Horst Strott, ebenfalls SPD, ging Waßmuth die ersten Schritte in der Kommunalpolitik.

Der „alte Lehrer mit dem erhobenen Zeigefinger“ komme immer wieder durch“, sagte Waßmuth schmunzelnd nach einem Appell an seine vier Enkel: „Es lohnt sich, sich für dieses Land einzusetzen.“

Weitere Gratulanten waren Waßmuths Nachfolger als Stadtverordnetenvorsteher, Arno Reitz (Bürgerliste Reddighausen), Erika Lotz, Vorsitzende des SPD-Stadtverbands und der SPD-Fraktion im Parlament, weitere Fraktionsmitglieder, Büroleiter Manfred Wetter sowie Waßmuths Familie.

Das Bundesverdienstkreuz war schon lange beantragt, ließ aber auf sich warten, berichtete Uwe Ermisch. Günter Waßmuth, Sozialdemokrat durch und durch, sah es gelassen: „Ich nehme die Auszeichnung von diesem Bundespräsidenten gerne entgegen.“

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