Frankenberg

Spätberufener Priester mit Flugmeilen

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- Frankenberg (mba). Vor seiner Priesterweihe war Norbert Rasim als Lufthansa-Steward dem Himmel besonders nah und als Portier eines großen Frankfurter Hotels Ansprechpartner für Nachtschwärmer. In seiner Dienstzeit als Standesbeamter hat er 65 Paaren das zivile Eheversprechen abgenommen.

Vor vier Wochen hat Pater Norbert Rasim die katholische Pfarrstelle in der Frankenberger Marien-Gemeinde von Pater Laurentius übernommen. Am Sonntag wurde er von Dechant Franz Langstein vom Dekanat Marburg-Amöneburg in einem Gottesdienst offiziell in das Amt des Pfarradministrators von Frankenberg, Gemünden und Vöhl eingeführt.

Zuvor hat Pater Norbert, Jahrgang 1961, zwölf Jahre lang eine bayerische Gemeinde in Sielenbach und Wollomoos geführt. Der gebürtige Darmstädter ist also aus einem katholischen Kernland in die nordhessische „Diaspora“ gekommen. Doch er kenne die Gegend gut, sagt er, war er doch bereits von 1994 bis 1996 Pfarradministrator in Wetter, Burgwald und Vöhl und hatte auch schon seinen Zivildienst in Marburg geleistet.

Sein Entschluss, Priester zu werden, reifte in dieser Zeit als Zivildienstleistender 1982 bis 83 beim Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes in Marburg, erzählt der 50-jährige Pater. Als „Zivi“ war er in seinem Quartier in Burgwald in Kontakt zu Priestern des Deutschen Ordens gekommen. Eigentlich war er damals – nach der mittleren Reife und einer Ausbildung zum Verwaltungsangestellten – bereits Standesbeamter, mit einer unkündbaren Anstellung. Als Standesbeamter hatte er eine Aufgabe, die er auch als katholischer Pfarrer hat: Ehen schließen. Als Beamter hat er 65 Paaren das Eheversprechen abgenommen.

Doch Pater Norbert fühlt sich zu einem anderen Dienst berufen. „Ich war als Kind schon mehr als engagiert in der Kirche, war Ministrant, habe an Jugendfreizeiten teilgenommen“, berichtet er. „Als ich Beamter auf Lebenszeit geworden bin, habe ich gedacht: Das kann es auf ewig nicht sein.“ Er wollte sich wieder stärker dem Glauben zuwenden. Seine Eltern seien zwar durchaus religiös gewesen, doch die Ankündigung des Sohnes, die sichere Beamtenlaufbahn zu verlassen, um das Abitur an der Abendschule nachzuholen und Theologie zu studieren, sei ein Schock für sie gewesen, sagt der Pater: „Sie waren mit den Nerven am Ende, besonders mein Vater.“

„Ich wollte ihnen aber nicht auf der Tasche liegen“, erklärt Pater Norbert, wie er zu zwei für einen angehenden Priester wohl außergewöhnlichen Tätigkeiten kam: Für kurze Zeit war er als Steward für die Lufthansa im Einsatz. „Ich bin froh darüber, die Welt gesehen zu haben.“ Danach arbeitete er als Nachtportier in einem großen Frankfurter Hotel mit internationalen Gästen.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Dienstag, 20. September.

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