Frankenberg

SPD-Vizeparteichefin Andrea Nahles lobt Arbeit der Lebenshilfe

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- Frankenberg (jos). „Ich würde freiwillig mein Zimmer zeigen“, sagte ein Bewohner des Lebenshilfe-Wohnheims. Der junge Mann führte am Freitag Andrea Nahles und heimische SPD-Mitglieder durch das Haus im Hohlen Weg.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Direktor des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) das Wohnheim besucht, für Freitag Nachmittag hatte sich schon wieder prominenter Besuch angekündigt: Gemeinsam mit dem SPD-Bundestagskandidaten Edgar Franke und heimischen Sozialdemokraten ließ sich die Vize-Parteichefin Andrea Nahles durch das Haus führen.

Im Anschluss gab es Kaffee und Kuchen aus der Lebenshilfe-Bäckerei Brotgarten – und Nahles war voll des Lobes: „Es läuft nicht überall so vorbildlich ab, wie bei Ihnen“, sagte sie. Ein Film über das Lebenshilfe-Werk im Landkreis gab den Besuchern einen ersten Eindruck davon, was der Träger der Behindertenhilfe alles leistet – die Angebote reichen von den verschiedenen Werkstätten über einen Bio-Hof und eine Gärtnerei bis hin zu den Wohnheimen und dem Tagungs- und Freizeitheim „Frankenauer Hof“.

Zwei Themen interessierten die Spitzenpolitikerin besonders: Integrative Kindertagesstätten und die Begleitung von Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Schnell wurde bei der Diskussion zwischen leitenden Mitarbeitern der Lebenshilfe und Nahles deutlich, dass sich Fachleute unterhalten. Die Sozialpolitikerin wollte wissen, wie das vor kurzer Zeit geschaffene Instrument der „unterstützten Beschäftigung“ wirkt. „Es geht darum, dass die Begleitung aus der Schwerbehindertenwerkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt nicht zeitfixiert, sondern ergebnisorientiert abläuft“, erklärte Nahles.

Fachbereichsleiter Christoph Hille betonte, dass der Ansatz des entsprechenden Gesetzes genau richtig sei. Deshalb habe sich das Lebenshilfewerk auch an der Ausschreibung beteiligt. Allerdings kritisierte Hille die Ausschreibungspraxis der Bundesagentur für Arbeit. „Das ist eine wichtige Rückmeldung für mich“, unterstrich Nahles. Sie stellte fest: „Den Geist unserer Gesetzgebung kriegen wir nicht in Übereinstimmung mit dem betriebswirtschaftlichen Ansatz der Bundesagentur“.

Im Gespräch über integrative Kindertagesstätten und Schulen wurde schließlich deutlich, dass Bundestagswahlkampf ist. Nahles griff Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an. Der soll in einem Interview gesagt haben, man dürfe „die Schnellen“ nicht ausbremsen. Doch das ist aus Nahles' Sicht falsch: „Ist es denn gut, wenn die Starken davonlaufen und die anderen nicht hinterher kommen?“, fragte sie rhetorisch.

Hinter dieser Grundfrage stecke die Frage nach einem unterschiedlichen Menschenbild, sagte Nahles. Sie jedenfalls wolle, dass es in Deutschland künftig deutlich mehr integrierte Kindertagesstätten und Schulen gibt. Derzeit seien es rund 15 Prozent. „In anderen Ländern sind es bereits mehr als 80 Prozent“, schilderte Nahles.

Nach rund anderthalb Stunden im Wohnheim verabschiedete sich Nahles dankend und versäumte nicht, den heimischen SPD-Wahlkämpfern noch viel Durchhaltevermögen für die nächsten Wochen zu wünschen. Edgar Franke indes verlies das Wohnheim nicht, ohne dem Wunsch einer Bewohnerin nachzukommen. Die fragte nämlich: „Haben Sie auch Kugelschreiber dabei?“

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