Weihnachten in Bolivien

Spekulatius und Makronen bei 30 Grad

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Bromskirchen - Weihnachten fern der Heimat: Danica Steuber, gebürtige Bromskirchenerin, arbeitet ein Jahr in einem bolivianischen Kinderheim. Das Fest ist auch auf der Südhalbkugel etwas ganz Besonderes.

Die Zeit der alten und neuen Plätzchenrezepte, des Beisammenseins und der Adventskalendertürchen ist da. Auch für mich in Bolivien heißt das: warten auf Weihnachten. Dank des Schokoladenadventskalenders, den mir meine Eltern aus Deutschland geschickt haben, zähle auch ich auf klassische Art und Weise die wenigen verbleibenden Tage bis Heiligabend.

Doch Schokolade und Plätzchen helfen nicht, darüber hinwegzusehen, dass Weihnachten in diesem Jahr doch etwas anders ist: Die klirrende Kälte vieler deutscher Winter weicht strahlendem Sonnenschein bei 30 Grad Celsius. Geschmückte Weihnachtsbäume werden durch Palmen ersetzt, die mit blinkenden Lichterketten verziert sind. Weihnachtsmärkte und Glühwein kennt hier niemand und auch „Last Christmas“ von Wham wird im Radio nicht gespielt.

Trotz allem darf in dem Heim, in dem ich während meines Auslandsjahres arbeite, das Plätzchenbacken nicht fehlen - so haben wir mit den Kindern schon fleißig Spekulatius, Kokosmakronen, Vanillekipferl und Spritzgebäck gebacken. Wenn ich den Geruch von frisch gebackenen Weihnachtsplätzchen rieche, kommt schon ein wenig Weihnachtsstimmung auf - ganz unabhängig vom Wetter und der fehlenden Nordmanntanne.

Deko und Krippenspiel

Die abendliche Besinnungszeit in der Kapelle des Kinderheims, in der alle Kinder und Angestellten eine halbe Stunde zusammensitzen, eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen wird und Maria und Josef ein Stückchen weiter auf ihrem Weg zum Stall vorgesetzt werden, trägt dazu bei, dass ich mich im Inneren darauf einstellen kann, dass tatsächlich bald Weihnachten ist.

Auch unser Zimmer haben wir weihnachtlich dekoriert - so gut es eben geht. Unsere Vorgänger haben uns ein wenig Weihnachtsschmuck und einen Adventskranz hinterlassen, sodass wir im kleinen Stil eine weihnachtliche Atmosphäre schaffen konnten. Heiligabend wollen die Kinder - ganz wie in der Heimat - ein Krippenspiel aufführen. Die Proben dafür laufen noch auf Hochtouren. Danach gibt es eine Weihnachtsmesse, die Geschenke aber werden erst am 25. Dezember ausgepackt.

Auf Heiligabend bin ich persönlich sehr gespannt - ohne Familie ist es schließlich doch etwas anderes. Nachmittags möchte ich mit den Daheimgebliebenen Kontakt aufnehmen, um wenigstens ein bisschen am deutschen Brauch teilnehmen zu können.

Das neue Jahr starten wir dann ebenfalls zusammen mit den Kindern: Auf der großen Dachterrasse, von der wir über ganz Cochabamba blicken können, wird gegrillt und das Feuerwerk bestaunt. Dann habe ich vier Wochen frei und darf das unbekannte Bolivien kennenlernen.

Von Danica Steuber

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