Nach Diskussion im Präventionsrat will Stadt Frankenberg Anfang des Jahres eine Entscheidung treffen

Sperrstunde „eine Frage der Abwägung“

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Wie lange darf in Frankenberg gefeiert werden? Bis fünf oder nur noch bis drei Uhr? Die Verlängerung der Sperrstunde empfiehlt die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg der Stadt. Laut Bürgermeister Rüdiger Heß spricht die Verteilung der Straftaten für ein

Frankenberg - Ein Plädoyer für die Verlängerung der Sperrzeit hat Bürgermeister Rüdiger Heß vor den Frankenberger Stadtverordneten gehalten. Von den 24 zur Anzeige gebrachten Körperverletzungen in diesem Jahr registrierte die Polizei insgesamt 20 nach drei Uhr in der Nacht.

Der Bürgermeister stellte in der Sitzung im historischen Rathaus klar, dass noch keine Entscheidung zur Festsetzung der Sperrstunde auf drei Uhr gefallen ist. Insofern verwundere ihn die Diskussion.

In der vorletzten Woche hatten politische Jugendverbände, Landjugend und Disco-Veranstalter das Thema aufgegriffen und sich für die Beibehaltung der bisherigen Regel ausgesprochen: die sieht lediglich eine vorgeschriebene Sperrzeit von fünf bis sechs Uhr vor. Die Verlängerung der Sperrzeit um zwei Stunden hatte die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg den Kommunen empfohlen (WLZ-FZ berichteten). Die Festlegung der Sperrzeit obliegt dem Bürgermeister als Ordnungsbehörde der Stadt.

Straftaten nach drei Uhr

Im sozialen Netzwerk „Facebook“ wurde von den Sperrzeit-Gegnern bereits eine Seite angelegt: „Rettet das Nachtleben - gegen eine Sperrstunde in Frankenberg“. Und mehr als 660 Personen unterstützen diese Kampagne. Außerdem wurde im Internet eine sogenannte Online-Petition gestartet. Fast 400 Personen sprechen sich gegen die Sperrstunde aus. Dass das Thema in Frankenberg hohe Wellen schlägt, haben mittlerweile auch überregionale Fernsehsender erfahren. Ein Privatsender hat diese Woche bereits bei der Stadtverwaltung um Stellungnahme gebeten.

„Wir müssen die Freiheit des Einzelnen mit der Sicherheit der Allgemeinheit abwägen“, sagte Rüdiger Heß. Als Positivbeispiel nannte der Bürgermeister die Röddenauer Disco-Veranstaltung „Der Hirsch rockt“. Mittlerweile sei überall bekannt: „Da passiert nichts, weil die Veranstalter ein gutes Sicherheitskonzept haben.“ Weder der Stadt noch der Polizei seien besondere Vorkommnisse gemeldet werden. Doch dies sei nicht überall so. Bürgermeister Heß listete die Straftaten auf, die in diesem Jahr von der Polizei in Frankenberg registriert wurden. Es sei zu insgesamt 24, darunter auch schweren Körperverletzungen gekommen. „Davon waren 20 nach drei Uhr.“ Ebenfalls nach drei Uhr habe es eine räuberische Erpressung, etliche Sachbeschädigungen, 15 Schlägereien oder Ruhestörungen sowie diverse Trunkenheitsfahrten, Unfälle und sogar Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gegeben.

Heß wies darauf hin, dass Korbach und Willingen gute Erfahrungen mit der Sperrzeit um drei Uhr gemacht hätten. Am 31. Dezember endet die Frist für die Abgabe von Stellungnahmen. Anfang das Jahres soll die Sperrzeit im Präventionsrat der Stadt diskutiert werden. „Dann werden wir entscheiden.“ (rou)

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